Die „Königin“ ist wieder da

Oberlinger-Orgel wieder in Betrieb: Festgottesdienst in der Luther-Kirche

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Freut sich auf den Festgottesdienst: Pastor Eckhard Dierig. Zu sehen ist auch die künstlerische Umsetzung des Psalms 150, gemalt von Judith Weiß-Latsch. Im Hintergrund an der Wand sieht man die vierzehn neuen großen Orgelpfeifen.

Kirchen – Die Orgel, die Königin der Instrumente, ist tief verwurzelt in der deutschen Kultur und aus der Kirche nicht wegzudenken. Ab dem 9. Jahrhundert nach Christi Geburt zog sie allmählich in die Gotteshäuser in Deutschland ein und erhielt dort ihren festen Platz. Kirchen und große Konzertsäle erfüllt sie mit ihrem Klang. Die Gemeindemitglieder der Luther-Kirche in Kirchen mussten rund zwei Jahre auf ihre Orgel verzichten, hatten aber in dieser Zeit von der katholischen Kirchengemeinde eine kleine „Ersatz-Orgel“ zur Verfügung gestellt bekommen. Nun ist sie aber wieder da, die große Oberlinger-Orgel mit ihrer außergewöhnlichen Anordnung der 2798 Pfeifen, 38 klingenden Registern und den rechts und links angebrachten, von Maler Eugen Keller bemalten Flügeltüren.

Die vierzehn neuen großen Orgelpfeifen glänzen und strahlen mit Pastor Eckhard Dierig, der den Werdegang der Restaurierung des 61 Jahre alten Instruments in einem Pressegespräch am Montagmorgen erzählt, um die Wette.

Nun wird sie, besser intoniert als je zuvor, am 27. Oktober nach rund zwei Jahren erstmals wieder in einem Festgottesdienst im ebenfalls renovierten Innenraum der Kirche erklingen. Einen Tag vorher findet zur Einstimmung auf den großen Tag im Gemeindehaus der evangelischen Kirche eine Gemäldeausstellung der Künstlerin Judith Weiß-Latsch statt, die auch die Festschrift zur Orgeleinweihung mit der künstlerischen Umsetzung des 150. Psalms gestaltet hat.

Rückblick: 2011 wurde der Zustand der Orgel als nur noch bedingt bespielbar beschrieben. Die Prospekt-Pfeifen mussten zum Schluss mit Gurten vor dem Herabstürzen bewahrt werden. Der Orgelsachverständige Manfred Schwartz gab damals ein klares Urteil ab: „Ohne komplette Restaurierung muss das Instrument über kurz oder lang stillgelegt werden.“ Und auch der Experte für die Elektronik, Thomas Kroll, kam zu dem Schluss, dass in puncto Sicherheit Teile der elektrischen Anlage gravierende Mängel aufweisen und nicht den geltenden Anforderungen genügen. Er bezeichnete den hierfür notwendigen Aufwand aufgrund der Einzigartigkeit der Orgelinstallation als „uneingeschränkt lohnenswert“.

Anfang 2018 fiel dann schließlich der Beschluss zur Renovierung der Orgel. Nach dem Abbau erfolgte der Transport zur Orgelbaufirma Merten in Remagen (wir berichteten). Dort bekam die betagte „Patientin“ sogar Besuch von einer Gruppe von Gemeindemitgliedern, die sich beeindruckt zeigten von der Kunst der Orgelbauer. Mit dem Abtransport der Orgel war der Weg frei für die Renovierung des Innenraums, schließlich waren bestimmte Bereiche nur bei abgebauten Orgelpfeifen zugänglich. Restauratorin Esther Nickel aus Altenkirchen fand unter anderem durch Farbschichtuntersuchungen spannende neue Ergebnisse über die Kirche heraus. Für ihre vorgenommenen Arbeiten und für alle zukünftig notwendigen bildet die Befunduntersuchung eine wertvolle Grundlage.

Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf rund 200.000 Euro für die Orgel, dazu kommen noch einmal ca. 200.000 Euro für die Sanierung der Kirche.

Der Dank von Pfarrer Dierig gilt allen an der Restaurierung und Renovierung Beteiligten – dem Förderverein, der 30.000 Euro aufgebracht hat wie auch den Einzelpersonen, Unternehmen, Institutionen und Partnergemeinden, die mit ihrer finanziellen Unterstützung mitgeholfen haben, dieses große Projekt zu stemmen. Auch dem Architekten, den heimischen Firmen, der Restauratorin und den Orgelbauern sprach der Pfarrer seinen besonderen Dank aus.

Im August konnte die Oberlinger Orgel vom Orgelsachverständigen Manfred Schwartz abgenommen werden. Das ist unter anderem auf mehreren Seiten nachzulesen in der sehenswert und ansprechend gestalteten Festschrift zur Wiederinbetriebnahme der Orgel in der Luther-Kirche zu Kirchen am 27. Oktober. Sie enthält auch zahlreiche Grußworte und die Geschichte der Orgel. Darin aufgelistet sind die Pfarrer und Organisten seit 1958. Daneben werden noch einmal Konzerte, Ausstellungen und Aktionen der Orgelfreunde genannt und der Förderverein wird vorgestellt.

Festgottesdienst

Die Organistin der Luther Kirche Karin Endrigkeit wird im Festgottesdienst am 27. Oktober um 10 Uhr die neue Orgel erklingen lassen. Die Predigt von Pfarrer Eckhard Dierig nimmt Bezug auf den 150. Psalm. Um 11.30 Uhr findet der offizielle Festakt mit den Ehrengästen und der Gemeinde statt. Um 17 Uhr erwartet die Besucher ein ganz besonderes Konzert mit dem Organisten Jürgen Poggel und einigen „Überraschungsorganisten“.

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