"Das macht betroffen"

Zahl immer noch „viel zu hoch“: Weißer Ring informiert zum Tag der gewaltfreien Erziehung

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Die Zahl der Fälle bei denen Kinder körperlicher oder seelischer Gewalt ausgesetzt sind, sind nach wie vor unverändert. 

Altenkirchen. Anlässlich des heutigen Tags der gewaltfreien Erziehung fordert der Weiße Ring, jegliche Form von Gewalt gegen Kinder nicht zu tolerieren und diese auch nicht zu verharmlosen.

Wie die Verein in einer Pressemitteilung mitteilt, seien 2018 deutschlandweit 4.180 junge Menschen im Alter bis 14 Jahre Opfer von Kindesmisshandlung gewesen, 42 Prozent von ihnen Mädchen. „Diese Zahlen weist die Polizeiliche Kriminalstatistik für das vergangene Jahr aus“, so der Weiße Ring. Von den Behörden seien im vorliegenden Zusammenhang 3.487 konkrete Fälle registriert worden, bei denen Kinder körperlicher oder seelischer Gewalt ausgesetzt waren. Darüber hinaus sei in diesem Deliktsbereich von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

„Es macht betroffen zu sehen, dass sich die Fallzahlen von Kindesmisshandlung seit vielen Jahren auf nahezu unverändert hohem Niveau bewegen“, sagt Dieter Lichtenthäler, Leiter der Außenstelle der Opferhilfeorganisation Weißer Ring in Altenkirchen, „aber in der Erziehung ist kein Platz für Gewalt und Erniedrigung. Die allermeisten Eltern in Deutschland sind glücklicherweise dazu fähig, ihre Kinder ohne den Einsatz von Misshandlungstaten zu selbstständigen und selbstbewussten Menschen zu erziehen.“

"Hin- und nicht wegsehen"

Dennoch: Die Anzahl derer, die vom vermeintlich harmlosen Klaps bis hin zum dauerhaften Liebesentzug zu Gewalt im Umgang mit ihren Kindern greifen, sei hoch, „viel zu hoch“, wie Lichtenthäler betont. „Hin- und nicht wegsehen. Der Weiße Ring fordert zivilcouragiertes Handeln, wenn Menschen Zeugen von Misshandlung von Kindern werden.“

Kindesmisshandlung finde dabei in allen gesellschaftlichen Schichten und zum ganz überwiegenden Teil im familiären Kontext statt. Schläge, Ablehnung, psychischer Druck, Vernachlässigung – das Delikt, das mit Haftstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren strafbedroht ist, äußere sich in vielen Formen, unter denen die Betroffenen auch noch viele Jahre später massiv leiden können. Genauso vielfältig wie die Arten der Misshandlung seien dabei auch die Ursachen der Gewalt gegen die Jüngsten. Stress und Konflikte, Armut oder das Fehlen von Korrektiven, eigene Gewalterfahrungen als Kind oder Verharmlosung von körperlicher Züchtigung. Wenn Erwachsene Kinder misshandeln, stehe oftmals Hilflosigkeit und Überforderung dahinter.

„Aber all diese Faktoren können auch in Summe ganz sicher nicht als Entschuldigung oder Ausrede für Kindesmisshandlung gelten. Es ist gesetzlich festgeschrieben, dass Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Wer das nicht leisten kann, muss sich professionelle Hilfe holen“, unterstreicht der Außenstellenleiter des Weißen Rings in Altenkirchen und verweist dabei auf die Angebote der Hilfsorganisation.

Präventionsarbeit des Vereins

So informiert der Verein im Rahmen seiner Präventionsarbeit auf seiner Internetpräsenz www.weisser-ring.de darüber, wie gewaltfreie Erziehung gelingen kann.

Betroffene und Interessierte können sich zudem die Broschüre „Gewaltfreie Erziehung“ zukommen lassen, die mittlerweile in einer achten, aktualisierten Auflage vorliegt.

Darüber hinaus halten die mehr als 3.000 ehrenamtlichen Mitarbeiter in den bundesweit mehr als 400 Außenstellen der Opferhilfeorganisation einen umfassenden Katalog an Hilfeleistungen vor. Dieser umfasst vom menschlichen Beistand und Begleitung bei Behördengängen bis hin zu finanziellen Hilfen eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Opfern von Kindesmisshandlung und indirekt Betroffenen offenstehen.

Darüber hinaus können sich Hilfesuchende auch anonym unter 116 006 beim kostenfreien Opfer-Telefon (täglich zwischen 7 und 22 Uhr) sowie über die Website der Organisation bei ihrer Onlineberatung melden.

Den Ansprechpartner für den Kreis Altenkirchen Dieter Lichtenthäler erreichen Interessierte unter Tel. 0151/55164828.

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