Ausstellung "Den Käfer träumen" im "Schaufenster" der Kreuztaler Bibliothek

Kreuztal. "Den Käfer träumen. Transformationen, Assoziationen, Spielereien zu Kafkas ,Verwandlung'" lautet der Titel einer Ausstellung von Marianne Demmer, die ab morgen, 16. Mai, im "Schaufenster" der Bibliothek Kreuztal zu sehen ist.

Die Idee zur Ausstellung wurde durch den Ausstellungsort geboren. Das "Schaufenster“ der Stadtbibliothek Kreuztal legte es nahe, Literatur und eine kraftvolle Bildsprache zu verbinden. Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ bietet dazu alle Inhaltsstoffe. In der Erzählung verwandelt sich der Mensch Gregor Samsa über Nacht in einen Käfer, der mit wachem Verstand erlebt, wie seine Familie versucht mit dieser Veränderung fertig zu werden und ihn weiterhin als zur Familie zugehörig zu akzeptieren. Was allerdings je länger der Zustand andauert, umso stärker misslingt. Gregor Samsa schafft die Rückkehr in seine menschliche Gestalt nicht. Er stirbt als Käfer, als vermeintliches Ungeziefer.

Im Brief an den Vater hat Kafka hoch differenziert das äußerst schwierige und als tragisch erlebte Verhältnis zu seinem Vater ausgelotet. Kafka fühlte sich als der ewige Sohn, vom Vater erdrückt und nicht wertgeschätzt. Menschen, die Kafkas Vater, der Erfolgsmensch, für lebensuntüchtig hielt, wurden von ihm oft als Ungeziefer beschimpft. Aus der Rückschau wirkt dies besonders beklemmend, als der 1883 geborene Franz Kafka einer jüdischen Familie entstammte. 

Marianne Demmer setzt sich mit dieser Thematik in einer Schaufenster-Installation auseinander, die aus menschlichen Figuren, Käferfiguren und bildhaften Transformationen besteht. Im Unterschied zu Kafkas deprimierendem Käfer-Tod sind Demmers Käfer jedoch vielgestaltig und sehr lebendig. Sie bevölkern die Szenerie erhobenen Hauptes. Vielleicht weil sie wissen, dass auch das vermeintliche Ungeziefer für das gesamte Öko-System unverzichtbar ist.

Die Ausstellung ist bis zum 19. August zu erleben. 

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