Freitagabend im Eicher Hamer 

Balsam für die Seele: Purple Schulz berührt und trifft mitten ins Herz

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Eichen. Selten hat man Purple Schulz so nah, so persönlich erlebt. Man spürt von der ersten Sekunde an: Dies wird kein Konzert, das sich beiläufig in viele andere einreihen lässt. Das mag zum einen daran liegen, dass der Herzblut-Musiker stark erkältet die Bühne im Eichener Hamer betritt, hauptsächlich aber ist es sein Programm: Er präsentiert Songs, die ihm selbst sehr am Herzen liegen. 

Mit dem gleichnamigen Album "Nach wie vor" blickt Purple Schulz auf sein Lebenswerk. Und auch 30 Jahre später haben viele seiner Songs nichts an Aktualität eingebüßt. Sie klingen, als seien sie eben erst geschrieben worden, mal melancholisch, mal politisch - und immer tiefgehend und berührend. Der Kölner spricht dem Publikum aus der Seele  - das merkt man sofort. Er trifft mit seinen Songs mitten ins Herz und lässt bei vielen fast vergessene Erinnerungen und Emotionen wach werden. Denn schon immer konnte der heute 63-Jährige Gefühle auf den Punkt bringen. Ob "Kleine Seen", "Sehnsucht", "Stand der Dinge" oder "Verliebte Jungs": Die Songs waren in den 80ern nicht nur Hits, sondern haben den größten Teil des Publikums ein Leben lang begleitet - genau wie Purple Schulz. "Ich bin mit diesen Liedern älter geworden und habe mit der Zeit die alten Songs neu geliebt und neu entdeckt", sagt Purple Schulz, der deshalb auch alle seine Lieblingssongs neu aufgenommen und arrangiert hat.

Der Kölner schafft es immer wieder, auch der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten und Missstände anzuprangern. Und auch dabei ist er hautnah und wunderbar ehrlich. "Was ist los mit dieser Welt? Mit den Werten läuft gerade einiges durcheinander", beschreibt er seine Gefühlslage. Seine Gedanken zum derzeit rauen Ton in der Gesellschaft sowie den rechtsradikalen Strömungen und Rassismus hat er im Song "Es reicht" zusammengefasst. "Ihr habt nicht verstanden, nichts gelernt".  Gleichzeitig versucht der Songwriter, sich in diese Generation hineinzuversetzen. In "Wohin willst du gehen" macht er sich Gedanken um die jungen Menschen, "die permanent abgelenkt werden und so das Wichtige aus den Augen verlieren". Mit "Du bis da" dankt er dann noch allen, die "tagtäglich Trost spenden. Leben retten, im Hospiz arbeiten und alte Menschen pflegen". 

Nach rund zweieinhalb Stunden entlässt er seine Fans mit einem wohligen Gefühl in den Abend. "Ich bin froh, dass ich heute fast gar kein Handydisplay gesehen habe. Denn so sind meine Lieder genau da gelandet, wo sie landen sollen: im Herzen".  

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