Geht nicht, gibt's (fast) nicht

Kreuztaler Repair-Café ab sofort in der Kreuzkirche zu finden

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Hilfe zur Selbsthilfe – umso wichtiger ist es im Repair-Café, dass die Besitzer der Geräte mit den ehrenamtlichen Helfern an einem Tisch sitzen und bei der Reparatur zuschauen und gegebenenfalls auch mit anpacken können.

Kreuztal. „Das war immer länger. Ich sauge ja zuhause die meiste Zeit“, erklärt Rudolf Möller aus Kreuztal am Montagnachmittag. Er sitzt im großen Saal der Kreuzkirche und wartet geduldig darauf, seinen Staubsauger wieder mit nach Hause nehmen zu können.

Das Stromkabel hatte sich auf der Trommel falsch aufgewickelt und ein wenig verknotet. Doch nach gut einer dreiviertel Stunde ist der Staubsauger wieder zugeschraubt und der Kreuztaler überglücklich.

Ein Tisch weiter blickte man in die strahlenden Augen von Rosemarie Hirsch, ebenfalls aus Kreuztal. Sie ist ins neue Repair-Café gekommen, da der Schirm ihrer großen Tischlampe wackelte. „Er konnte nicht 100 Prozent repariert werden, doch 80 reichen mir vollkommen aus“, lacht sie im Gespräch. „Wie ist denn hier so der Stundenlohn?“, fragt sie Ula Schreiber, die für gewöhnlich am Eingang sitzt, die Anmeldungen für die Reparaturen entgegennimmt und über alle Arbeiten organisatorisch den Blick hat. Aber eben auch nur organisatorisch. 

Denn für die eigentlichen Reparaturen sind Klaus Peter Müller, Helmut Schreiber, Friedrich Klein, Jürgen Haas und Christian Fugmann zuständig. Sie alle sind zwar nicht vom Fach und haben nicht als Elektriker gearbeitet, doch logisches Denkvermögen und die Frage stellen, wo liegt der Fehler und wie kann ich diesen beheben, das haben sie nach eigenen Worten alle drauf.

Das Repair-Café Kreuztal gibt es schon seit November 2015. Bis vor kurzem war es noch im Vereinslokal „Unter uns“ an der Heesstraße in Fellinghausen untergebracht. Nach dessen Schließung zogen die Schrauber um – seit vergangenem Montag sind sie in den Räumlichkeiten der Evangelischen Kirchengemeinde Kreuztal zu finden.

Die Angebote seien von der Bevölkerung einfach zu wenig in Anspruch genommen worden . Zudem habe der Vermieter den Mietvertrag der ehemaligen Gaststätte nicht mehr verlängert und auch eigene gesundheitliche Gründe seien hinzugekommen, erklärt Klaus Peter Müller. Er hatte das Vereinslokal 2015 als Initiator mit einigen Mitstreitern ins Leben gerufen. „Da das Repair-Café jedoch immer sehr große Zustimmung erfahren hatte, wird dieses Angebot auch weitergeführt“, so Ula Schreiber.

Ganz egal ob Lichterkette oder Laubsäge: viele Gerätschaften haben die ehrenamtlichen Helfer schon wieder gangbar gemacht – PCs und Flachbildfernseher mal ausgenommen. Doch eins stellt Ula Schreiber klar: „Wir sind kein Reparaturbetrieb. Wir bieten Hilfe zu Selbsthilfe. Die Besitzer geben ihre Geräte also nicht bei uns ab und holen wie später wieder ab, sondern sind die ganze Zeit dabei und sollen ruhig bei der Reparatur dabei sein und es vielleicht beim nächsten Mal auch selbst einmal probieren.“

Vor jeder Reparatur lässt sich das Team eine Haftungsbegrenzung unterschreiben, die besagt, dass die Ehrenamtler keine Garantie darauf geben, dass es klappt und es nicht auszuschließen sei, dass auch mal etwas kaputt gehen kann. 

Jeden ersten Montag im Monat hat das Repair-Café Kreuztal von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Jeder Nutzer darf pro Monat einen zu reparierenden Gegenstand mitbringen. Das kostet nichts, aber Spenden sind bei den Mitgliedern natürlich immer gern gesehen. Die werden für den Erhalt des Repair-Cafés benötigt und eingesetzt. Zum einen muss eine kleine Miete an die Kirchengemeinde gezahlt werden, zum anderen nutzen alle Helfer ihre eigenen Werkzeuge. Und wenn die mal kaputtgehen und nicht mehr zu reparieren sind, müssen halt neue her. 

Wenn Gäste in der Vergangenheit zwar selten, aber es sei vorgekommen, ohne auch nur einmal Dankeschön zu sagen das ehrenamtliche Treiben wieder verlassen hätten, würde bei ihnen, um es milde auszudrücken, „keine große Freude aufkommen“, so die Ehrenamtler. „Die meisten geben auch etwas. Das reichte schon von 0,50 Cent bis 50 Euro. Wir sind immer froh, wenn wir etwas bekommen“, sagt Ula Schreiber. 

Für Rosemarie Hirsch und Rudolf Möller steht es außer Frage, die Schrauber in ihrem Tun zu unterstützen und sich erkenntlich zu zeigen. Sie lassen die Spendenbox nicht links liegen, sondern werfen nach erfolgreicher Reparatur jeweils einen Geldschein hinein – als Zeichen für höchste Zufriedenheit mit diesem Service.

Wie es sich für ein Café gehört, dürfen auch Kaffee, Kuchen oder auch mal frische Waffeln beim Repair-Café nicht fehlen. Darum kümmert sich Christiane Bachmann. „Wir sind natürlich froh, wenn wir weitere Helfer finden würden“, erklärt Ula Schreiber am Ende des einstündigen Besuchs des SiegerlandKurier. Die „Sprechstunde“ des Kreuztaler Repair-Cafés ist da noch lange nicht zu Ende. Die dürfte auch am neuen Standort in der Kreuzkirche viele Personen mit defekten Geräten anlocken. Denn bekanntlich hält nichts für die Ewigkeit.

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