Schreiben an den Bürgermeister 

Grüne beantragen Sperrung: Freie Bahn für Kröten im Brücher Weg? 

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Die Möglichkeit, vom Schutzzaun am Wandern gehinderte Kröten per Hand einzusammeln, sehen die Grünen als nicht leistbar an.

Kredenbach. Einen Teil des Brücher Wegs in Kredenbach für die Zeit der Amphibienwanderung von Mitte Februar bis Ende April für den Autoverkehr sperren: Diesen Antrag richtet die Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen vor der nächsten Sitzung des Infrastruktur-, Umwelt- und Wirtschaftsförderungsausschuss am Montag, 5. Februar, an Bürgermeister Walter Kiß. 

Das Loher Tal in Kredenbach ist seit 1990 Naturschutzgebiet, gehört zu einem Biotopverbund und ist die Heimat unzähliger Amphibien (seit 1980 sind alle Amphibienarten in der Bundesartenschutzverordnung enthalten und stehen unter besonderem Schutz), heißt es in dem Schreiben. „In diesem Gebiet zwischen zwei Weihern verläuft die Nebenstraße  Brücher Weg  und alljährlich im Frühjahr werden hier unzählige Amphibien, zum Beispiel Erdkröten, bei ihrer Wanderung zu den Laichgewässern überfahren - mitten in einem Naturschutzgebiet! Die Tiere gehen nur bei feuchter Wetterlage und in Zeiten der Dämmerung beziehungsweise nachts auf Wanderschaft – für Autofahrer eine Zeit, in der die Sichtverhältnisse besonders schlecht sind. Schilder mit dem Hinweis auf die Krötenwanderung reichen daher nicht aus, da die Tiere eine starre Haltung (Schreckhaltung) einnehmen und Erdkörten nicht hüpfen, sondern kriechen.“

Dadurch seien sie in der Dunkelheit kaum sichtbar, zudem stürben die Tiere an inneren Verletzungen – verursacht durch Luftverwirbelungen, die entstehen, wenn Fahrzeuge über sie hinweg fahren. Zum Schutz der Tiere gibt es verschiedene Möglichkeiten, führen die Grünen weiter aus: Fang- beziehungsweise Schutzzäunen, die die Tiere zwar am Überqueren der Straße hinderten, die aber  täglich früh morgens und in den späten Abendstunden eingesammelt und über die Straße getragen werden müssten, „eine Aufgabe, die von der Stadtverwaltung nicht geleistet werden kann. Auch hat die Umweltberatung der Stadt Kreuztal bereits geprüft, ob dies von Umweltverbänden oder anderen Freiwilligen übernommen werden kann – leider ohne Erfolg“. 

Als zweite Möglichkeit werden dauerhafte Schutzanlagen genannt, Systeme aus Beton oder Stahl, die aus Tunneldurchlässen unter der Straße und Leiteinrichtungen parallel zur Straße bestehen und fest verbaut werden. Der Vorteil dieser dauerhaften Schutzanlagen bestehe in der ganzjährigen Funktionsweise und dem  geringen Betreuungsaufwand. Neben Amphibien würden auch andere Tiere wie zum Beispiel Igel geschützt, aber der Nachteil bestehe im hohen Kostenaufwand bei einem nachträglichen Einbau, wie in diesem Fall. Auch seien hierfür bestimmte Lichtverhältnisse notwendig, die in diesem Bereich nicht gegeben sind (laut Rücksprache mit Dr. Hartmut Müller, Kredenbach).   

In ihrem Antrag kommeen die Grünen zu dem Schluss, dass eine Straßensperrung des betroffenen Abschnitts während der Hauptwanderung die beste Lösung sei: „Dies ist aus Gründen des Artenschutzes in der Straßenverkehrsordnung (StVO) geregelt (§ 45, Abs. 1a, Nr. 4a ist das Recht zur Beschränkung des Verkehrs ,hinsichtlich örtlich begrenzter Maßnahmen aus Gründen des Arten- und Biotopschutzes ...'). Die Straßensperrung muss durch die zuständige Verkehrsbehörde genehmigt werden. Voraussetzung für eine Genehmigung ist meist das Vorhandensein einer zumutbaren Umleitungsstrecke und kann nur bei Straßen mit geringem Verkehrsaufkommen realisiert werden.“

Aus diesen Gründen beantragen die Grünen, den Bereich der Straße „Brücher Weg“ in Kredenbach, der im Naturschutzgebiet zwischen den beiden Weihern liegt, alljährlich für die Zeit der Amphibienwanderung von circa Mitte Februar bis Ende April für den Straßenverkehr zu sperren. „Im Vergleich zu den anderen oben genannten Maßnahmen bedeutet diese Sperrung den geringsten Aufwand und verursacht keine nennenswerten Kosten. Die Straße ist eine untergeordnete Nebenstraße, hat in diesem Bereich keine Anlieger und die angrenzenden Wohngebiete sind über Straßen, die direkt von der B 508 abgehen, ohne Umwege oder Einschränkungen zu erreichen.“  

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