Neustart für das Fünf10: Inklusives Restaurant Bar im Kreuztaler Bahnhof ist eröffnet

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Blick in den Barbereich (großes Bild) des neu eröffneten Café Fünf10.

Kreuztal – Im Kaminofen knistert ein Feuer, an einem Tisch stecken die Mitarbeiter die Köpfe zusammen und besprechen die Speisekarte, und die Zapfanlage funktioniert auch: Alles fertig im Restaurant Bar Fünf10 in Kreuztal im Bahnhof.

Ganz wie angepeilt, feierte die AWo am Freitagabend mit geladenen Gästen nach dreieinhalbmonatiger Planungs- und Bauzeit Eröffnung. Seit Samstag ab 17 Uhr ist das Lokal regulär geöffnet. 

Wie bereits berichtet, werden hier, genau wie zuvor im TZ-Gebäude, Menschen mit und ohne Handicap zusammenarbeiten – allerdings in anderem Umfang als bislang. Dreimal so groß wie vorher in Geisweid ist die Gastronomiefläche im Kreuztaler Bahnhofsgebäude. Barbereich und ein zweiter Raum, in dem das (Frühstücks-) Buffet aufgebaut wird, sind bei Bedarf auch getrennt voneinander nutzbar: hier geschlossene Gesellschaft, dort nicht.

Betriebsleiter Alexander Nikolay steht am Buffet und deutet in den Raum: Allein hier gebe es schon 20 Sitzplätze mehr als vorher. Insgesamt stehen, den Außenbereich eingeschlossen, 127 Plätze zur Verfügung, bei Feiern aufstockbar auf 140.

Natürlich sei die Mitteilung, dass das Fünf10 das verkaufte TZ-Gebäude in Geisweid räumen müsse, ein Schock für die Mitarbeiter gewesen, erinnert er sich. Groß sei dann aber deren Begeisterung angesichts der fertig eingerichteten Räume in Kreuztal mit ihrem (Holz)-Mobiliar, den farblich abgesetzten Elementen, dem Theken- und Loungebereich ausgefallen: „Manche waren sprachlos.“

19 Menschen arbeiten im Moment hier, davon aktuell neun mit Handicap. Laut Nikolay ist damit das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht: „Wir können und wollen mehr!“

Zwei Wochen hatten sie Zeit, um sich an ihrem neuen Arbeitsplatz zurecht zu finden und erst einmal zu üben. Unter anderem nahmen sie an einer Zapfschulung teil, schließlich ist das Restaurant Bar künftig freitags und samstags bis in die frühen Morgenstunden geöffnet.

Mit Umzugsstress belasten mussten sich die Mitarbeiter indes nicht, das übernahm das AWo-Gebäudemanagement, „mit viel, viel Geduld!“, erklärt der Betriebsleiter. Von Anfang an habe man viel Potenzial in den Räumlichkeiten im Bahnhof gesehen, aber auch gewusst: „Der Zeitplan wird straff.“ Der Januar als Termin war gesetzt, denn Ende 2019 war in Geisweid nach sechs Jahren Schluss – und eine Gastronomie ist nun einmal schnell weg vom Fenster, wenn sie zu lange schließt.

14 ausschließlich heimische Betriebe wurden mit der Aufgabe betraut, die Räume des früheren „Dolce Vita“ (später „Kuhstall“) in das Restaurant Bar Fünf10 zu verwandeln.

„Mächtig Renovierungsbedarf“ hatte auch schon Kreuztals Bürgermeister Walter Kiß beim Pressetermin im September des vergangenen Jahres gesehen. „Es war außergewöhnlich, wie die Stadt sich um uns bemüht hat“, unterstreicht der Geschäftsführer des AWo-Kreisverbandes Dr. Andreas Neumann. Viel Rückenwind habe es von dieser Seite für das Projekt gegeben.

„Mit dem neuen Standort hat die AWo ganz andere Möglichkeiten, ihr gastronomisches Spektrum zu erweitern“ – was ihr Ziel ist (siehe unten). Ein weiterer Vorteil: Hier gebe es, anders als vorher in Geisweid, Publikumsverkehr.

AWo, Stadt Kreuztal und Krombacher nahmen für das Projekt zusammen eine Viertelmillion Euro in die Hand. Auf den Tisch kommen sollen hier ausschließlich Fairtrade- und regionale sowie saisonale Produkte. Alexander Nikolay: „Keine Massentierhaltung, kein Spargel zu Weihnachten und keine Flugmango.“

Statt Räucherlachs wird die Bachforelle zum Frühstück serviert, die neulich noch in heimischen Gewässern unterwegs war. Lorbeeren dafür gab es bereits durch das Greentable-Siegel für nachhaltige Gastronomie.

Anhand eines Holzbrettchens mit Aussparungen für Biergläser demonstriert Alexander Nikolay, auf was die Besucher sich abends freuen dürfen: erstmal ein kleines Blondes aufs Haus, und das nicht nur in den Wochen nach Eröffnung, wie er versichert.

„Gastgebertum“ solle hier groß geschrieben werden, sodass die Besucher auch mal freiwillig einen Zug versäumen: „Wir freuen uns, dass der Gast da ist!“

Infos unter www.restaurant-bar-fuenf10.de

Infos zum Hotel Fünf10 in Deuz:

Was im Restaurant Bar Fünf10 auf der Karte steht, wird teils in Kreuztal frisch zubereitet, teils aus der Küche des Hotels Fünf10 in Deuz geliefert – allerdings vorerst noch nicht. Bis das Hotel eröffnet ist, springt die bisherige Küche in Birlenbach in die Bresche.

„Das Hotel liegt gut im Zeitplan“, versichert Dr. Andreas Neumann. War beim Richtfest im Juli des vergangenen Jahres noch von Eröffnung im Frühjahr die Rede, äußert man sich jetzt allerdings etwas zurückhaltender: „Auf jeden Fall in der ersten Jahreshälfte“ sollen hier die Türen aufgehen, weil man nichts übers Knie brechen wolle. Die Beschäftigten sollen zunächst einmal in Ruhe mit Testgästen üben – schließlich handelt es sich auch hier um ein inklusives Projekt.

Die AWo will demnächst die komplette Gastronomiesparte abdecken, und mehr noch: „Wir wollen für jedes Behinderungsbild eine Tätigkeit anbieten können und die bestmögliche Förderung schaffen“, so Betriebsleiter Nikolay. Geschäftsführer Dr. Andreas Neumann schwebt ein „Kompetenzzentrum Hotellerie“ vor, zu dem dann auch die Bistros in den Behindertenwerkstätten gehören.

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