SiegerlandKurier mischt sich unter Falt-Fans

Westdeutscher Origamitag in Kreuztal: Hier wird nicht gebastelt!

Origami ist ein Hobby, das die Generationen verbindet. Hier präsentiert einer der jüngeren Vertreter der Faltkunst stolz sein Werk.

Kreuztal. Hier sind ruhige Hände, scharfe Augen und eine Menge Kreativität gefragt: Dutzende Mitglieder des Vereins zur Förderung des Papierfaltens e.V. verwandelten jetzt die Weiße Villa in Kreuztal am 5. Westdeutschen Origamitag in eine Villa Kunterbunt. Kurier-Mitarbeiterin Lea Michel machte mit. Was sie als erstes lernte? Dass der Begriff „Basteln“ hier ein Schimpfwort ist.

Unter dem Motto „Ich falte mir die Welt, wie sie mir gefällt“ entstehen Dekoration, Spielereien und kleine Schachteln – ganz ohne Schneiden. Dass die vielen Kunstwerke aus meist nur einem Stück Papier bestehen, ist auf den ersten Blick kaum zu glauben. Auch die investierte Zeit pro Figur lässt sich nur erahnen. „Heute sind viele Meister und Anfänger dabei, dementsprechend auch viele schwere und einfache Kunstwerke. Einige sind in zwei Minuten mit ihrem Origami fertig, für komplexere Figuren sind mehrere Stunden nötig“, erklärt Sigrid Fuhrmann vom Verein zur Förderung des Papierfaltens e.V. im Gespräch mit dem SiegerlandKurier. 

Auch ein junger Falt-Fan wagt sich an ein außergewöhnliches Projekt. Er sitzt seit knapp drei Stunden an „Umulius Rectangulum“, eine Art ineinander verschlungenes Kettenglied. Mit seinen zwölf Jahren gehört der Junge bereits zu den Profis unter den Anwesenden. Sein Tischnachbar, ein älterer Herr, hilft ihm bei der Umsetzung, gibt Tipps und schlägt eine Variation des berühmten Origamis vor. „Wir helfen uns alle gegenseitig. Hier entstehen neue, außergewöhnliche Freundschaften“, so Fuhrmann. 

Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und probiere mich ebenfalls an der Origami-Kunst. Die schiefen Blicke bei der Frage, ob ich „mitbasteln“ kann, versuche ich zu ignorieren. „Basteln“ scheint eine Art Schimpfwort unter den Freunden der japanischen Falttechnik zu sein. Während ein Mädchen versucht, nicht die Geduld aufgrund meiner Grobmotorik zu verlieren, schaffe ich es letztendlich auch. Ein „Umulius Rectangulum“ ist es nicht geworden ­– dafür aber ein pickendes Huhn im Zeitungsstil. 

Der Beweis: Kurier-Reporterin Lea Michel schuf dieses pickende Huhn im - was sonst? - Zeitungsdesign. 

Die meisten der etwa 60 anwesenden Origamikünstler sind Rentner, trotzdem genießt das Falten den Ruf eines modernen Hobbys. Immer mehr junge Leute schließen sich dem Verein an. Bestand er zu Beginn aus lediglich 50 Mitgliedern, sind es innerhalb der letzten Jahre über 800 geworden. Auch das Internet bietet viele Möglichkeiten, sich an die neuesten Falttechniken zu wagen. Die Vereinsmitglieder sind sich sicher: Traut man sich an die japanische Falttechnik einmal heran, lässt sie einen nicht mehr los.

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