Anstrengungen zum Standorterhalt „nicht erkennbar“ 

Schließung Hoesch Bausysteme: Bürgermeister Kiß wendet sich in Schreiben an Kingspan-Führung 

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Kreuztal/Eichen. Die zur Kingspan-Gruppe gehörende Hoesch Bausysteme wird noch in diesem Jahr geschlossen (der Siegerlandkurier berichtete). Vertrieb der Hoesch Bausysteme und der Kingspan-Isolierpaneelen werden zukünftig vom gemeinsamen Servicestandort in Wesel aus gesteuert. Kreuztals Bürgermeister Walter Kiß und der Stadtrat wenden sich jetzt in einem Schreiben an Managing Director Ulrich Reidenbach. Unter anderem fordert Kiß definitive Aussagen bezüglich eines Schließungstermins – und formuliert seine Sorge bezüglich des Zulieferers thyssenkrupp Steel.

„Vor wenigen Tagen haben Sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hoesch Bausysteme GmbH in Kreuztal ebenso wie der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass Sie den Standort Kreuztal mit Produktion und Verwaltung im Laufe diesen Jahres schließen werden. Davon sind 140 Arbeitsplätze betroffen, die offensichtlich unwiederbringlich verloren gehen werden.“ Diese Nachricht habe die Stadt Kreuztal ebenso wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit großer Besorgnis aufgenommen. „Die Stadt Kreuztal ist vor dem Hintergrund einer besonderen Montanhistorie seit Generationen ein Standort für Metallverarbeitung in unterschiedlichsten Sparten. Generationen von Menschen in dieser Stadt haben auch am Standort Kreuztal-Eichen in den Unternehmen thyssenkrupp Steel und Hoesch Bausysteme GmbH sowie deren Vorgänger- Unternehmen Ausbildung und Arbeit gefunden und sich persönlich engagiert und in hohem Maße mit den Unternehmen identifiziert“, heißt es in dem Schreiben, das am vergangenen Mittwoch auch an die heimische Presse ging.

„Persönliches Unverständnis“

Und weiter: „Dies hat sich nicht zuletzt darin bestätigt, dass Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst zweieinhalb Stunden unbezahlte Mehrarbeit pro Woche in den Fortbestand des Unternehmens investiert haben. Ich bedaure Ihre unternehmerische Entscheidung ausgesprochen und stelle im Namen des Rates der Stadt Kreuztal fest, dass diese Entscheidung auf arbeitsmarktpolitisches, aber auch ganz persönliches Unverständnis stößt.“ Reidenbach habe mitgeteilt, dass in erster Linie Kundeninteressen für diese Entscheidung maßgeblich waren. 

Dazu Walter Kiß: „Ich stelle daher fest, dass Sie im Rahmen Ihrer Fürsorgepflicht als Arbeitgeber die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinter wirtschaftliche Interessen zurückgestellt haben.“ Als Standort, der im Wesentlichen durch mittelständische Familienunternehmen geprägt sei, die sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten (die es derzeit nachweislich nicht gibt) bei ihren Unternehmensentscheidungen von der Fürsorge für ihre Belegschaft leiten lassen, kennen die Stadt überwiegend „andere Vorgehensweisen“, aus denen auch die Erfüllung von Fürsorgepflichten gegenüber Mitarbeitern ablesbar seien. 

„Umso größer ist das Unverständnis darüber, dass nicht erkennbar wird, inwieweit Sie ausreichend Anstrengungen zur Standort- und Arbeitsplatzsicherung ergriffen haben. Ebenso haben Sie nicht darüber informiert, wo zukünftig die Produkte der Hoesch Bausysteme GmbH produziert werden sollen, sondern lediglich darauf verwiesen, dass Vertrieb und Service in Wesel konzentriert werden.“

Appell an Verantwortung für die Belegschaft 

In Verantwortung gegenüber der Belegschaft bittet Kiß Reidenbach, weitere bestehende Fragen durch eine deutliche Stellungnahme Ihrerseits aufzuklären. „Dabei spielt insbesondere die Mitteilung eines definitiven Termins eine wesentliche Rolle, damit die Menschen, die aufgrund Ihrer Entscheidung ihren Arbeitsplatz verlieren werden, ihre Zukunft planen können.“ 

Dazu gehöre in erster Linie auch, dass Reidenbach in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft sozial verträgliche Systeme und Transfermaßnahmen entwickeln solle, die den Betroffenen den Übergang in Arbeitslosigkeit, Rente oder zu anderen Unternehmen erleichterten. „Ich werde in engem Kontakt mit Vertretern des Betriebsrates und der Gewerkschaft in diesen Fragen die Entwicklung weiter beobachten und ggf. politisch begleiten.“ 

Kiß betont abschließend, dass es für den Standort thyssenkrupp Steel nicht zu Einschnitten kommen dürfe, die für diesen wesentlichen Standort Fragen der Wirtschaftlichkeit aufwerfen würden. „Von daher weise ich ausdrücklich darauf hin, dass wir in dieser Stadt ebenso darauf drängen, dass die Kingspan GmbH ihre vertraglichen Zusagen einhalten und die unternehmerische Partnerschaft für die Abnahme von Vormaterial auch in Zukunft bestehen bleibt.“ Sollte es möglich oder notwendig sein, in diesem Prozess weitere, auch vermittelnde, Gespräche zu führen, sei er dazu gerne bereit, so der Bürgermeister.

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