14 Arbeitsplätze, davon sechs für Menschen mit Beeinträchtigung

Grundsteinlegung: Inklusionshotel in Deuz soll im März 2020 eröffnen

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So soll das Inklusionshotel (hinten) einmal aussehen. An der ursprünglich geplanten Höhe nahmen die Anwohner Anstoß, deshalb entschied man sich für eine flache, Campus-artige Bauweise. Der Eingangsbereich dient als Verbindungsstück zwischen Bildungszentrum (vorn) und den Gästezimmern.

Deuz. Die Bodenplatte ist gegossen, am Hang entlang hat der Bagger dort Fakten geschaffen, wo später das Gebäude verlaufen wird, und über allem thront der Kran: Am Nauholzer Weg, oberhalb des AWo-Bildungszentrums, entsteht seit Oktober ein Inklusionshotel. Die AWo lud jetzt zur offiziellen Grundsteinlegung ein. Dass der Weg bis dahin kein einfacher war, klang bei dem Termin mehrfach an. Anlieger hatten im Vorfeld deutliche Befürchtungen hinsichtlich der ursprünglich geplanten Höhe des Hotels, der Parkplatzsituation und der Lärmbelästigung geäußert.

Vieles sei „im Dialog mit den Nachbarn“ zu bedenken gewesen, diese Bedenken habe die AWo angenommen, blickte Geschäftsführer Andreas M. Neumann zurück. Dies sei nun ein besonderer Tag. Seit 2015 werde geplant, „jetzt geht es endlich los“. 

Eckehard Hof, Paul Wagener, Martin Schmedding, Karl Ludwig Völkel und Andreas M. Neumann (v.l.)

In dem Tagungshotel werden 14 Arbeitsplätze geschaffen, davon sechs für Menschen mit Behinderung. Eine neue Form der Eingliederung jenseits der Werkstatt sei das, unterstrich der Geschäftsführer. Die AWo investiert 6 Millionen Euro in dieses laut Neumann „bedeutende Projekt für die ganze Region“. Blieb ihm nur zu hoffen, „dass der Winter uns nicht zu hart anpackt“, schließlich haben die Witterungsbedingungen bei Bauarbeiten immer ein Wörtchen mitzureden. Das Hotel soll voraussichtlich im März 2020 eröffnen. 

Buchstäblich wie im übertragenen Sinne den Helm auf hat die Firma Berge-Bau aus Erndtebrück, deren Geschäftsführer Eckehard Hof seiner Freude über den im „harten Wettbewerb“ gewonnenen Auftrag Ausdruck verlieh. Für das Unternehmen mit seinen 200 Mitarbeitern sei ein solches Projekt vor der Haustür ein Gewinn, heimische Handwerksunternehmen sollen ebenfalls profitieren. 

Bürgermeister spricht von „schwerer Geburt“

Netphens Bürgermeister Paul Wagener: „Es war eine schwere Geburt, wir freuen uns, das Kind jetzt gesund aus der Taufe gehoben zu haben.“ Der Dialogprozess mit der Nachbarschaft sei nicht leicht gewesen und habe viele Stationen durchlaufen. Sein Dank galt in diesem Zusammenhang nicht nur der Mannschaft im Planungsamt des Rathauses, sondern insbesondere dem Planungsbüro Kirchner, vertreten durch Architekt Dipl. Ing. Martin Schmedding: Das Architekturbüro habe immer wieder Transparenz und dadurch Akzeptanz geschaffen. In einem 100-Kilometer-Radius sei das Hotel einzigartig und füge sich gut ein in die bestehende Strukturen mit AWo-Akademie, -Werkstatt und diversen Kindergärten, so Wagener. 

Uta Weißmüller als Leiterin des Bildungszentrums machte auf erhoffte Synergieeffekte aufmerksam. Bei 1200 AWo-Mitarbeitern bestehe immer Qualifizierungsbedarf. Derzeit biete man nur Tagesveranstaltungen an und kooperiere mit ortsansässigen Hotels; das neue Haus eröffne die Möglichkeit auch anderer Formate. Zur Zielgruppe zählen aber nicht nur Teilnehmer interner und externer Tagungen und Schulungen, sondern auch Wander- und Radtouristen, die den Rothaarsteig mit Umgebung erobern möchten. 

Das flache, zweigeschossige Haus mit 49 Zimmern und einem kleinen Bistro wird im Stil eines Campus erbaut und soll mit seiner barrierefreien beziehungsweise -armen Ausstattung eine Option auch für Gäste mit Behinderungen sein. Die Arbeitsplätze sind ebenfalls auf Menschen mit Beeinträchtigungen zugeschnitten. Der „Grundstein“ entpuppte sich bei näherer Betrachtung übrigens als eine Zeitkapsel, darin die aktuelle Tageszeitung. Vergraben wurde das gute Stück jedoch nicht: Im späteren Hotel erhält es einen Ehrenplatz in einer eigens geschaffenen Nische.

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