Café International, Vortrag und Alphabetisierungskurs

„First Lady“ Elke Büdenbender abermals am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung zu Gast 

Elke Büdenbender (Mitte) umrahmt von Schülern und Verantwortlichen des Café International am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung des Kreises. 

Siegen. Zuerst ein Vortrag über die Digitalisierung und deren Auswirkung auf die Ausbildung mit anschließender Diskussion, dann ein Besuch in einer Alphabetisierungsstunde – da gelüstete es die „First Lady“ doch irgendwann nach einem belebenden Heißgetränk: „Kann ich einen Kaffee bekommen?“, fragte Elke Büdenbender, aufs Buffet zugehend. Aber natürlich konnte sie.

Schließlich hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Café International am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung den Tisch eigens für den Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiers Ehefrau besonders reich gedeckt. Etwa 30 junge Leute aus Bangladesch und Afghanistan, Syrien und Mali, aus Palästina, Deutschland und weiteren Ländern treffen sich seit einigen Monaten regelmäßig donnerstags in Raum D 302, um einander kennen zu lernen, zu spielen, Kaffee zu trinken und kreativ zu sein. Und um Bewerbungen zu schreiben, wie Leiterin Lisa Luckenbach berichtete: „Hunderte!“ 

So international das Café, so bunt die Speisen und so vielfältig die Geschichten: Hier wird Deutsch gesprochen. Tatsächlich standen die Schüler einer interessierten Elke Büdenbender schon ziemlich flüssig Rede und Antwort, berichteten von ihren Zielen: So möchte eine junge Frau gern Pharmazeutisch-technische Assistentin werden, ihre Sitznachbarin strebt eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten an. Ein Schüler, der mit dem Berufswunsch Kfz-Mechatroniker liebäugelte, aber feststellte, dass er dafür einen Realschulabschluss benötigt, beschloss daraufhin, noch ein Schuljahr dranzuhängen, kann sich inzwischen aber auch ein Studium vorstellen: „Ich überlege noch.“ Immerhin zwei junge Männer absolvieren bereits eine Ausbildung zu Einzelhandelskaufleuten. Laut Bildungsgangleiter Daniel Kring beträgt die Bestehensquote bei den Hauptschulabschlüssen am Berufskolleg 60 bis 70 Prozent. 

Es war eine Idee der Religionsschüler aus den Klassen EH3U3 und EH3U4, den Treffpunkt Café an dieser Schule zu etablieren, in der 3500 junge Menschen aus über 50 Nationen gemeinsam lernen. Tobias Wagener, angehender Einzelhandelskaufmann, berichtete, dass es „eigentlich ziemlich gut“ laufe, dass das Café helfe, Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Wie sich das eben für eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ gehört: Erst im September 2017 war Elke Büdenbender zuletzt am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung zu Gast (der SiegerlandKurier berichtete); da übernahm die gebürtige Salchendorferin als Ehemalige die Patenschaft über die frisch ausgezeichnete Schule. Am Montag war sie auf ausdrücklichen Wunsch noch einmal zurückgekehrt. 

„Danke, dass ich hier sein darf“, wandte sie sich an die Gruppe, für die Schüler Mohamed, ein junger Flüchtling aus Syrien, einige Worte sprach und dabei Teile seiner persönlichen Geschichte preisgab. Geschichten von Krieg und Verlust wie diese sind der Bundespräsidenten-Gattin und ihrem Ehemann von zahlreichen ähnlichen Terminen nicht fremd: „Das Schlimmste ist, dass junge Leute wie Sie darunter leiden und alleine gehen müssen. Ich hoffe, dass Sie ein Stück weit Ruhe finden“, so Büdenbender, die von der Schule ein Bild und ein Wünschealbum als Dankeschön erhielt. Beim Besuch des Alphabetisierungskurses zwei Räume weiter sei ihr nochmals bewusst geworden, wie furchtbar schwer es sei, eine neue Sprache zu lernen. Und an die Schüler gewandt: „Ich hoffe sehr, dass es gut für Sie weitergeht.“ Diese Schule sei dafür prädestiniert. 

Inzwischen gibt es hier fünf Internationale Förderklassen in Vollzeit, eine in Teilzeit, außerdem seit zwei Jahren einen Alphabetisierungskurs, in dem derzeit zwölf Schülerinnen und Schüler die deutsche Sprache buchstäblich von A bis Z erlernen.

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