Paten würden sich über Verstärkung freuen 

Großer Bahnhof nach reichlich Einsatz: „Bühlgarten interaktiv“ in Deuz wird offiziell eröffnet

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Matthias Rickert, Reiner Brix, Jutta Böcking und Reinhard Klein-Nöh (v.l.) und natürlich Hund „Anton“.

Deuz. Wenn viel Regen wirklich Segen bringt, dann ist es um die offizielle Eröffnung des „Bühlgarten interaktiv“ bestens bestellt: Es tropft und tröpfelt von Klettergerüst und Rutsche herunter, kein einziges Kind verirrt sich heute hierher. Das sah neulich, als der Frühling eine erste Glanzvorstellung gab, deutlich anders aus: Rund 70 Leute hat Reinhard Klein-Nöh allein an einem Samstag gezählt.

Denn kaum standen im Oktober die ersten Spielgeräte, tummelten sich schon die ersten Familien mit Kindern auf dem weitläufigen Gelände, das sauber von einem (Rad-)Weg durchteilt wird, hinter dem Alten Bahnhof in Deuz. Infrastrukturell könnte der Bühlgarten kaum günstiger liegen: Es gibt Parkplätze und Eltern, die schnell etwas einkaufen möchten, können das in der Nähe tun. Hin und wieder tuckert die Irle-Lok direkt hinterm Zaun entlang, da gibt es für die Kleinen richtig was zu bestaunen. Wenn es gut läuft, kommen vor Ostern noch die Toiletten hinzu, erzählt Ortsvorsteher Reiner Brix. Stimmt: Gegenüber des Eisenbahnwaggons auf dem Parkplatz ist das Fundament gegossen, auch die Leitungen liegen schon. Örtliche Unternehmen machen die Anschaffung einer gebrauchten WC-Anlage im Wert von 60.000 Euro möglich. 

Anlieferung von Spielgeräten. 

Im Gespräch war „Bühlgarten interaktiv“ seit 2016, und natürlich gab es da auch kritische Stimmen. „Hat sich alles ins Gegenteil verkehrt“, versichert Jutta Böcking, eine der Bühlgarten-Patinnen. Anfang 2018 fanden erste Fällarbeiten statt, „im April rollten die Bagger an“, erinnert sich Reinhard Klein-Nöh. Seitdem ging es Schlag auf Schlag. Die „Bühlgarten-Truppe“, hervorgegangen aus dem etwa 130 Personen starken Netzwerk Deuz, klotze ran. 

Zwar kamen die massiven Spielgeräte von Fachfirmen und wurden auch von diesen installiert, aber drumherum gab es immer noch genug zu tun für die Helferinnen und Helfer: Sie legten ein Wegenetz mit Häckselgut an, bauten das Boulefeld und die Randeinfassungen aus Eichenstämmen sowie den Sandkasten und gingen Bernd Heinemann bei der Installation seiner Skulptur – die nun folgerichtig Heinemann-Mikado heißt – zur Hand (das Holz dafür eine Spende der örtlichen Waldgenossen), Jutta Böcking lässt den Blick schweifen. „Bis Sonntag ist noch viel zu machen“, stellt sie fest. 

Installation des Heinemann-Mikados.

Bevor hier morgen der ganz große Trubel ausbricht, wollten noch einige Schaukeln aufgehängt, allerletzte Hackschnitzel verteilt und Bänke fixiert werden: „Die stehen zwar auf Füßen, sollen aber keine Beine bekommen“, grinst Matthias Rickert, ebenfalls Bühlgarten-Pate. Davon gibt es bis jetzt 15, weitere Unterstützer sind willkommen: Bei 52 Wochen im Jahr wären um die 50 Paten gerade richtig, überlegt Jutta Böcking. „Jeder ist mal für eine Woche zuständig.“ 

Hackschnitzel en masse. 

Denn mit dem Bau ist es nicht getan, die Bürger selbst werden hier künftig nach dem Rechten sehen. Die lange Rutsche und die Klettergeräte, die 21 miteinander verbundenen Holzstelen, die für Netphens Ortschaften stehen, die Hütte, die kleine Bühne, das Boulefeld, Nest- und andere Schaukeln, die Buckelpiste, das Schachbrett, die „Viertel-Halfpipe“ und die Seilbahn haben alle gemeinsam: sie laden zum Miteinander ein – interaktiv eben. Und das hat sich herumgesprochen. Ortsvorsteher Brix hat schon viele Besucher aus anderen Ortschaften des Sieg- und des Werthetals gesichtet, was ihn sehr freut. „Begegnung von Jung und Alt soll hier stattfinden“, unterstreicht Reinhard Klein-Nöh: von den Einheimischen, den Zugezogenen und denen, die es aus ganz fernen Ländern hierher verschlug. 

Durchdachte Sitzgruppe: für große und für kleine Leute. 

Denn dass der „Bühlgarten interaktiv“ überhaupt realisiert werden konnte, ist nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass das 150.000-Euro-Projekt zu 80 Prozent aus Landesmitteln „Hilfe im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen“ realisiert wurde. Der Dank der Beteiligten gilt nicht zuletzt der Stadt Netphen, stellvertretend genannt Marlene Krippendorf und Bernd Heinemann. „Wir sind überglücklich, dass es so geworden ist“, lächelt Jutta Böcking. Und wer weiß, vielleicht scheint morgen ja sogar die Sonne.

Das Programm am Sonntag 

Die Eröffnungsfeier am Bühlgarten beginnt am Sonntag, 7. April, um 11 Uhr beim Deuzer Bahnhof. Die Besucher erwarten Spiele für Jung und Alt, Herdensingen und ein Kasperltheater sowie weitere Vorführungen und andere „Mitmachsachen“. Die Polizei bietet Fahrradgravuren an, dazu bitte Personalausweis und Eigentumsnachweis mitbringen. Wer sein Geschirr selbst mitbringt, erhält Rabatt aufs Essen.

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