Wiederholter Einsatz auf Parkdeck von Einkaufszentrum  

Jugendliche lösen erneut Fehlalarm aus: Löschzug Netphen platzt auf Facebook der Kragen

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Netphen. Montagabend: Kurz nach 18 Uhr erreicht den Löschzug Netphen eine Alarmierung zum heimischen Supermarkt – wegen nichts, wie sich herausstellt, und das wieder einmal. Einige Stunden später sorgt ein Facebook-Beitrag der Feuerwehr für Furore. „Der kleine Rotzlöffel, der den Feuermelder eingeschlagen hat, hat sich wohl verletzt. (...) Wir wünschen dem Rotzlöffel eine gepflegte Wundinfektion und faulige Finger“, heißt es da unter anderem. Tatsächlich aber soll der Post auch eine Einladung sein, sich bei der Feuerwehr zu engagieren statt auf dem Parkdeck „abzuhängen“.

Der stellvertretende Einheitsführer Mark Liska ist Verfasser des Posts und muss erstmal schmunzeln, als der Kurier ihn am Telefon erreicht. Nein, dass der Beitrag auf der Facebookseite der Freiwilligen Feuerwehr Netphen – Löschzug Netphen zwölf Stunden nach seiner Veröffentlichung bereits fast 200 Kommentare und 200 Reaktionen hervorrufen würde, das hätte der Brandinspektor und einer von drei Facebook-Admins in Netphen  „natürlich nicht" gedacht. 

„Wir sind die Guten, wir wünschen sowas natürlich keinem“

Und natürlich hätten die Feuerwehr den Übeltäter, so sie ihn den angetroffen hätte, auch mit einem Pflaster versorgt, versichert er: „Wir sind die Guten, wir wünschen sowas natürlich keinem.“ Dennoch wollte die Feuerwehr mit dem Facebook-Beitrag jetzt die Notbremse ziehen. Mit dem Posting hätte man offenbar den Nerv der Leser getroffen, so Liska. 

Und das sowohl im positiven als auch im negativen Sinne: „Auch wenn es vielleicht sarkastisch gemeint ist, begebt ihr euch auf das gleiche Niveau wie die Jugendlichen. Was kommt als nächstes? Ein Beitrag über Alkohol im Straßenverkehr und dessen Folgen... Solchen Leuten wünschen wir, dass sie einen Unfall bauen?“, kritisiert ein User. „Ich finde das gar nicht nett – und das von Freund und Helfer. Das geht gar nicht!“, schreibt eine Nutzerin. „Super toll geschrieben, hoffentlich prägen sich die Jugendlichen diese tollen Worte in ihr Gewissen ein“, meint hingegen eine Leserin. „Super Kommentar, ich glaube, es fehlt bei manchen nur an dem nötigen Respekt und Anstand!!!“, pflichtet ein anderer bei. 

Zu jeder Tages- und Nachtzeit 

Teilweise habe man schon zweimal wöchentlich zu besagtem Parkdeck ausrücken müssen, berichtet Mark Liska, dann für eine gewisse Zeit gar nicht – „im Schnitt aber alle zwei Monate, und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. Wir kennen das Klientel, dass da rumhängt.“ Als der Löschzug am Montagabend mit drei Fahrzeugen, darunter die Drehleiter, und 20 Kameraden zum Supermarkt gerufen wurde, war dies der 8. Einsatz des Tages. Zwei Kameraden hatten an dem Abend Geburtstag. 

Der zerstörte Feuermelder auf dem Parkdeck. Offenbar hat sich der Übeltäter verletzt, die Blutspuren deuten darauf hin. 

Schon am Sonntag hatten die Feuerwehrleute mit der Beseitigung von Sturm „Eberhards“ Spuren gut zu tun gehabt. Und noch auf dem Parkdeck erreichte sie die Alarmierung zu einem Folgeeinsatz – mit ein Grund dafür, warum man sich dagegen entschied, die Polizei hinzuzuziehen. Ein weiterer: „Man muss die Kirche auch mal im Dorf lassen“, so Mark Liska. Wie wahrscheinlich sei es, dass die Beamten jetzt von Schule zu Schule zögen, um den oder die Täter dingfest zu machen? „Die werden jetzt keine DNA-Tests durchführen!“ Ein Beitrag wie der auf Facebook hingegen mache die Leute wachsam, ist Liska überzeugt, auch deshalb, weil er eben ganz bewusst überspitzt formuliert war. 

„Taschengeldentzug und Handyverbot kann Wunder wirken“ 

„Hallo ihr lieben Jugendlichen, die ihr immer auf dem obersten, ungenutzten Parkdeck des heimischen Supermarktes,abhängt’“, heißt es da, „wir waren heute Abend mal wieder dort, um eurer ,Party’ beizuwohnen. Wir haben den – wahrscheinlich wieder mal von euch – eingeschlagenen Feuermelder der Brandmeldeanlage als Einladung gewertet und uns wie immer eiligst auf den Weg gemacht. Wir haben sogar extra (Feuerwehrschutzkleidungs-)Kostüme angezogen und Partyhüte aufgesetzt. Und unsere großen, roten Karren mitgebracht, die mit den bunt-blauen Lichtern und der lauten (Martinhorn-)Musik. Kennt ihr ja schon...“ Leider wart ihr alle schon fort, als wir eingetroffen sind. Schade, denn wir denken ja, wenn man zu einer Party einlädt, sollte man seine Gäste doch auch empfangen. Hat ja auch mit Anstand zu tun... aber kennt ihr wohl nicht.“ 

Und weiter: „Wie dem auch sein... der kleine Rotzlöffel, der den Feuermelder eingeschlagen hat, hat sich wohl verletzt. Zumindest waren am Feuermelder entsprechende Blutspuren. Wir als Feuerwehr sind ja eigentlich nette Menschen, die niemandem etwas Böses wünscht. Heute würden wir mal eine Ausnahme machen und wünschen dem Rotzlöffel eine gepflegte Wundinfektion und faulige Finger.“ Der Beitrag wendet sich auch an die Erziehungsberechtigten: „Wenn die Eltern von dem Spross mit der unerklärlichen Handverletzung mitlesen: ein bisschen Taschengeldentzug und Handyverbot kann bei der Erziehung Wunder wirken.“ 

„Freuen uns darauf, euch bei der Feuerwehr zu treffen“

Und schließlich eine ernst gemeinte Einladung an die Übeltäter: „Ihr lieben Jugendlichen: Wenn ihr Langeweile habt, macht doch etwas Sinnvolles! Tretet bei der örtlichen Jugendfeuerwehr (oder einer anderen Hilfsorganisation) ein, lernt dort lebenswichtige Dinge wie Kameradschaft, Respekt und Disziplin und erfreut euch daran, etwas Gutes zu tun und Menschen zu helfen. Wir freuen uns darauf, euch bei der Feuerwehr zu treffen.... und nicht auf dem Supermarkt-Parkdeck.“ 

„Wir sind die Guten, wir wünschen niemandem etwas Böses“, bekräftigt Mark Liska nochmals gegenüber dem Kurier. „Doch jeder, der was von Sarkasmus versteht, versteht auch, was wir meinen.“

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