Täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr

St. Matthias Deuz ist jetzt eine Meditations- und Lichterkirche

St. Matthias Deuz geht neue Wege und ist ab sofort täglich von 10 bis 18 Uhr als Meditations- und Lichterkirche geöffnet. 

Deuz. Der evangelische Frauenkreis zeigte sich sehr angetan, die örtliche Konfirmandengruppe war auch schon da. Jetzt möchte der Kath. Kirchenverein St. Matthias Deuz das neue Angebot in „seinem“ Gotteshaus auch über die Ortsgrenzen hinaus bekannt machen. Denn die Installation eines medialen Kirchensystems ist ein in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe bislang einmaliges Projekt.

Flapsig formuliert könnte man da von „Gott auf Knopfdruck“ sprechen: Ein Terminal in der St. Matthias-Kirche am Nauholzer Weg ermöglicht ab sofort dem Kirchenbesucher täglich zwischen 10 und 18 Uhr Andacht und Zuspruch jenseits der Gottesdienstzeiten. Kinderleicht sind die Inhalte abrufbar, ganz gleich, ob nun Trost bei Traurigkeit, Ausgleich bei Zorn oder eine Kraftquelle vonnöten ist. Eine Berührung des entsprechenden Menüpunktes genügt als Zugang zu gesprochenen Texten, zu farblicher Beleuchtung des Altarraums und zu musikalischen Beiträgen (die mit Liedern von den Gregorianern über Siegfried Fietz bis hin zum Bibelrap übrigens ziemlich breit aufgestellt sind). Für die jungen Kirchenbesucher gibt es ein eigenes Programm mit Bibelgeschichten, sie dürfen auch die Lichtstimmung selbst auswählen: Weiß oder Aqua, Lila, Grün oder Sandstein. 

Die Idee zum medialen Kirchensystem kam vom evangelischen Pfarrer Lars Weber. Dass „MediaKi“ nun auch im katholischen Gotteshaus Einzug hält, steht sinnbildlich für dieses überkonfessionelle Angebot. Als Ersatz für menschliche Begegnung oder gar für Pastor Hubert Nowak sind Terminal, Licht und Lautsprecher zwar nicht gedacht. Doch die Zeichen der Zeit gehen eben auch an Deuz nicht spurlos vorüber. Obgleich man hier noch vergleichsweise gut aufgestellt ist, was die Zahl der Gottesdienstbesucher angeht, finden auch in St. Matthias nur noch alle 14 Tage Sonntagsmessen statt. Ansonsten bleiben die Kirchentüren, von Beerdigungen etc. abgesehen, geschlossen in dieser „kleinen, überschaubaren Gemeinde“, wie Thomas Kleber vom Vorstand des Kirchenvereins sie nennt. 

„Doch der Bedarf an Spiritualität, Ruhe und Besinnung ist durchaus da!“, bekräftigt Vorsitzender Alexander Weber. Vor allem eine Frage trieb ihn und seine Mitstreiter um: „Wie können wir die Kirche beleben?“ Mit dem neuen Angebot wollen sie einerseits einen Ort für Menschen schaffen, die zwischendurch einfach mal „runterkommen“ und sich sammeln, vielleicht auch einen (neuen) Zugang zur Kirche und zu Gott finden möchten. Zum anderen soll die Meditations- und Lichterkirche Gruppen, Vereinen und Verbänden als Raum zur Einkehr und zum gemeinsamen Gebet dienen. 

Beim Pressegespräch in der Kirche tönen Andachtsworte durch die Kirche, hallt Hanne Hallers „Vater unser“ zwischen den Mauern wider und liefert das farbige Licht als Kontrast zur schlichten Anmutung des 50er-Jahre-Baus reizvolle Motive. „Das moderne Konzept geht Konform mit der modernen Architektur“, nennt Kleber einen weiteren Grund für die Einrichtung dieses Angebots „hier in der Peripherie“. Wobei Peripherie da relativ ist: Deuz mit seinen 2300 Einwohnern ist einer von drei Siedlungsschwerpunkten im Netpherland. Inmitten einer Infrastruktur mit Einkaufszentrum für die umliegenden Stadtteile, Arztpraxen und Grundschule, Friedhof und Bestattungswald, Berufsbildungseinrichtung, Akademie, Restaurants und Hotels sieht der Kirchenverein die Meditations- und Lichterkirche als richtiges Angebot zur richtigen Zeit. Nicht zuletzt sei Deuz auch Ausgangspunkt für Wander- und Rundwanderwege, der Elisabethpfad Marburg-Köln streife den Ort, erinnert Weber. 

Das Projekt Meditations- und Lichterkirche ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Der Kath. Kirchenverein hat sich das etwas kosten lassen: Sicherheitsvorkehrungen inklusive, beziffert Alexander Weber die Investition auf etwa 20.000 Euro. Großzügige Spenden waren hilfreich, auch das Erzbistum Paderborn habe beigesteuert. Die Lichttechnik ist auch vom Terminal unabhängig während der Gottesdienste nutzbar. Damit „MediaKi“ attraktiv bleibt und nicht zur Osterzeit noch „Stille Nacht“ erklingt, sind regelmäßige Updates nötig. Mit dem USB-Stick durchgeführt, wird das keine große Sache. Es gebe schon viele Ideen, das Angebot dynamisch zu halten, so Thomas  Kleber. Ein Gedanke: Andachten für fremdsprachliche Besucher und Gemeindemitglieder. 

Es geht letztlich um Offenheit, darum „nicht im eigenen Saft zu köcheln“, wie Kleber es formuliert. Als eines möchten die Verantwortlichen das neue Angebot jedoch ausdrücklich nicht verstanden wissen, nämlich als Lockstoff für verlorene Schäfchen: „Wir wollen begeistern. Wir wollen keinen bekehren und keinen zurückholen!“

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