„Die perfekte Ergänzung“

AWo feiert Richtfest für ihr Inklusions-Hotel am Nauholzer Weg in Deuz 

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Die AWo feiert Richtfest für ihr Hotel Fünf10 am Nauholzer Weg.

Deuz. Die AWo feierte am Freitag (19. Juli) Richtfest für ihr Hotel Fünf10 am Nauholzer Weg. Das Inklusions-Hotel, in dem sowohl behinderte als auch nicht behinderte Menschen arbeiten, ist das erste seiner Art in Südwestfalen. Eröffnung soll im Frühjahr nächsten Jahres sein.

Dort, wo der Empfangsbereich entsteht, schoss während der Ansprachen der eine oder andere Korken mit fröhlichem „Plopp“ aus den Flaschen, gab es Lob für und Dank an alle irgendwie am Projekt Beteiligten. Ein besonderes Hotel entstehe hier, freute sich Karl Ludwig Völkel als Vorsitzender des AWo-Kreisverbandes, kurz an die Geburtsstunde des Vorhabens im Jahr 2014 erinnernd: ein barrierefreies beziehungsweise -armes Tagungshaus, in dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten (wir berichteten bereits).

14 Arbeitsplätze wird es geben, sechs davon für Menschen mit sogenanntem Handicap. Von denen, so berichtete Projektleiter Alexander Nikolay während einer Führung durch den Rohbau, wechseln drei aus AWo-Werkstätten ins Hotelfach, drei weitere kommen von außerhalb. Grundsätzlich können diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überall eingesetzt werden – sei es in der Küche oder im Housekeeping, am Empfang oder im Bankett-Bereich –, das werde aber individuell nach Interessen und Stärken entschieden, so Nikolay: „Wir stellen das Wohlbefinden des Arbeitnehmers in den Mittelpunkt.“

Auch für die Gäste wird das eine oder andere anders sein, als sie das aus gewöhnlichen Hotels kennen. So sollen zum Beispiel im Gastrobereich Bestellkarten mit Piktogrammen eingesetzt werden, auf denen sie ihre Speisen ankreuzen, damit auch Menschen mit geringen Lesefähigkeiten als Kellner arbeiten können. 

Das zweigeschossige Haus hält 48 Doppelzimmer vor, von denen 43 identisch gebaut sind. Eines der Zimmer verfügt über ein Pflegebett und zusätzlichen Raum für eine Begleitperson.

„Wir hoffen, dass das Vorbildcharakter hat“

Jedes der Zimmer ist, wie auch die übrigen öffentlichen Räume des Hauses, mit reichlich Glas ausgestattet: „Bei der Aussicht loht es sich, große Fenster einzubauen“, deutete Nikolay wiederholt ins umliegende Grün.

Unterhalb des Empfangsbereichs mit angeschlossenem Back-Office und Kofferaufbewahrung befindet sich das Restaurant, in dem nicht nur Hotelgäste, sondern jeder speisen können wird. In der angrenzenden Küche wird das Essen sowohl hierfür als auch für das angeschlossene Bildungszentrum zubereitet, für das das Hotel „die perfekte Ergänzung ist“, befand Karl Ludwig Völkel. „Es ist die logische Weiterführung dessen, was wir bisher im gastronomischen Bereich erreicht haben.“ Seit mehreren Jahren betreibt der AWo-Kreisverband das inklusive Restaurant Fünf10. „Wir hoffen, dass das Vorbildcharakter hat“, wünschte Völkel abschließend dem Hotelprojekt, das nicht zuletzt eine Bereicherung für die Stadt Netphen darstelle.

Das sah auch deren Bürgermeister Paul Wagener so. Er erinnerte an die durchaus nicht geschmeidigen Anfänge, hatten doch Nachbarn deutliche Bedenken angemeldet ob der geplanten Größe des Baus, der Anzahl der Parkplätze und so weiter.

„Es musste viel kommuniziert werden“, wusste Wagener, „so ein Bauwerk in der Nachbarschaft kann erdrücken“. Dass die Anlieger von der AWo eingebunden worden seien, sei wichtig gewesen. Jetzt seien noch Feinarbeiten zu machen, der Einzug absehbar: „Hier wird Inklusion nicht nur geschrieben, sondern gelebt.“ Dann schlug die Stunde von Bauleiter Julian Imhof (Berge-Bau), der den Richtspruch verlas und vom Gerüst herunter sein Glas Sekt zu Boden beförderte – mit Schmackes.

Hintergrund

Das Hotel Fünf10 wird eine Drei-Sterne-Gastronomie. Ein Teil der Qualifizierung in den Bereichen Hauswirtschaft und Küche für die künftigen Hotelmitarbeiterinnen und -mitarbeiter mit Behinderung findet seit einigen Monaten im zentralen Berufsbildungsbereich der Siegener AWo-Werkstätten statt, der sich ebenfalls am Standort Deuz befindet. Grundsteinlegung war im vergangenen Dezember. Die AWo investiert hier 6 Millionen Euro.

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