Jagdpächter appelliert: Hunde gehören an die Leine

Jäger machten grausame Entdeckung: Wildernder Hund riss Reh

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Immer wieder appellieren Jäger an Hundebesitzer: Die Tiere gehören an die Leine. Gerade jetzt im Winter benötigt Wild besondere Ruhe. Und: Selbst im kleinsten Hund steckt Jagdtrieb. 

Helgersdorf. Dieser Anblick ließ auch erfahrene Jäger nicht kalt (Achtung: Im Artikel befindet sich ein Foto, das einige Leser verstören könnte): Ein freilaufender Hund hat am frühen Samstagnachmittag (19. Januar) im Jagdrevier Irmgarteichen-Helgersdorf ein Reh gerissen. Der Terrier war offenbar ausgebüxt. Es gebe Zeugen dieses Vorfalls, schreibt Jägerin Petra Löttert, die sich mit der Geschichte an den SiegerlandKurier wandte, auch seien sowohl Hund als auch Eigentümer bekannt. 

Zufällig entdeckten zwei Jäger Hund und Reh: Der Jack-Russell-Terrier lief ohne Begleitung durch den Wald, und was zunächst wie ein Maulkorb aussah, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als blutige Schnauze, erinnert sich Jagdvorsteher Werner Hock im Gespräch mit dem SiegerlandKurier. Dem Hund folgend, stießen die Jäger schließlich auf das schrecklich zugerichtete Tier. Hock: „So etwas habe ich noch nie gesehen.“ 

Nach Einschätzung der Jäger hat der Hund das Wild von hinten angegriffen und durch Bisse in die Hinterläufe fluchtunfähig gemacht. An dem wehrlosen Tier geriet er dann in einen regelrechten Blutrausch. Unendliche Qualen habe das Reh, das beim Auffinden noch lebte, erleiden müssen, berichten die Jäger, die das Tier mittels Messer („Abfangen“ genannt in der Jägersprache) nur noch erlösen konnten.

Dieser grausame Anblick bot sich den Jägern im Jagdrevier Irmgarteichen-Helgersdorf. Unglaublich: Das Tier lebte beim Auffinden noch. 

Auch Jagdpächter Hans-Jörg Braun zeigte sich schockiert, betonte jedoch: „Es ist Gott sei Dank die Ausnahme, dass so etwas passiert.“ Die Besitzer des Hundes bedauern den Vorfall sehr, dennoch werden sie mit einer Anzeige des Jagdpächters beim Ordnungsamt Netphen rechnen müssen. Die Ordnungsbehörde wird auf Grundlage des Landeshundegesetzes NRW in Verbindung mit dem Ordnungswidrigkeitsgesetz (OBG) alle Erkenntnisse zusammentragen und gegebenenfalls ein  Verfahren eröffnen, das auch zu einem Bußgeld führen kann. Außerdem kann die Behörde im Einzelfall unter Beteiligung des Veterinäramtes einen Anlein- und/oder Maulkorbzwang anordnen.  

Jagdpächter Braun richtet einen dringenden Appell an alle Hundebesitzer, ihre Hunde nicht frei laufen zu lassen: „Jeder Hund hat Jagdtrieb!“ Das Wild benötige im Winter besondere Ruhe. Wegen der Nahrungsknappheit reduziert sich der Stoffwechsel und die Fluchtreflexe des Wildes sind verlangsamt. „So etwas darf nicht noch einmal passieren“, so Braun.

Nach Veröffentlichung dieses Artikels am Montag (21. Januar) äußerten zahlreiche Leser Zweifel, ob ein Jack-Russell-Terrier überhaupt zu einer solchen „Tat“ in der Lage sei. Der SiegerlandKurier befragte dazu Uschi Loth (Hundezentrum Siegerland in Burbach), Hundetrainerin mit 16-jähriger Erfahrung, zu dem Fall. Ihre Einschätzung: Zwar sei es für diese Rasse schwierig, ein gesundes Reh zur Strecke zu bringen, allerdings sei es unter bestimmten Umständen eben auch nicht unmöglich – zum Beispiel, wenn das Reh bereits verletzt gewesen sei, etwa durch einen Unfall oder den Biss eines anderes Tieres, oder wenn der Hund es beim Äsen überrascht habe. Angesichts des übel zugerichteten Rehs stellte Loth fest: „Diese Art von Blutrausch gibt es, leider auch bei Terriern.“ 

Ihr Rat an alle Hundebesitzer, die gern mit ihren Vierbeinern im Wald unterwegs sind: Immer auf dem Weg bleiben und das Tier an der Schleppleine halten, wenn es nicht perfekt abrufbar ist oder ausschließlich auch auf dem Weg bleibt.

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