„Der Mensch sucht letztlich einen geschützten Ort“ 

Richtfest im Demenzzentrum Haus St. Anna gefeiert

Verwaltungsratsvorsitzender Bruno Sting, Geschäftsführer Jürgen Winkelmann, Bürgermeister Paul Wagener und Geschäftsführer Christoph Rzisnik (v.l.).

Netphen. „Die Normalität der Menschen, die hier wohnen, ist eine andere als unsere.“ Stephan Berres hatte aufmerksame Zuhörer. Niemand spielte mit seinem Handy, keiner schaute verstohlen auf die Uhr:Was – und wie – der Einrichtungsleiter des Hauses St. Elisabeth in Netphen über Demenz-Patienten und deren Betreuung berichtete, verlieh dem Richtfest des Hauses St. Anna eine persönliche Note.

Man könne Demenzkranke nicht in die Realität des Jahres 2019 holen, so Berres, der auch die neue Einrichtung leiten wird. „Mit dem Haus St. Anna werden wir den Spieß herumdrehen.“ Hier können die Bewohner zum Beispiel 24 Stunden am Tag essen, Licht- und Farbgestaltung sind auf ihre besonderen Bedürfnisse abgestimmt. Zudem sei die Einrichtung so konzipiert, dass sich die Bewohner begegnen könnten, „oder auch nicht“. 

Für das Haus gibt es eine Warteliste; 70 Prozent der Anfragen kommen laut Berres aus dem häuslichen Bereich: „Angehörige sind die größten Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Pflege.“ Und auch um sie kümmere man sich hier. Apropos Arbeitnehmer: Berres freute sich über die große Resonanz auf den kürzlich stattgefundenen offenen Bewerbertag, „damit hatten wir nicht gerechnet“. Im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen seien Wertschätzung, Toleranz und Akzeptanz wichtig, „das können wir hier wunderbar machen“, zeigte sich der Mann im legeren Sakko überzeugt, wie er da so im künftigen Innenhof stand, noch umgeben von Gerüsten. 

Stephan Berres (l.) stellte die Einrichtung vor und berichtete aus der Praxis. 

Mit Blick auf den demographischen Wandel betonte er , dass das Haus St. Anna nicht nur für diese Generation gebaut werde. Sein Dank galt auch dem Haus St. Elisabeth und den übrigen Einrichtungen, „die uns gezeigt haben, das man hier was machen muss“. Denn: „Der Mensch sucht letztlich einen geschützten Ort.“ 

Danke sagte auch der Verwaltungsratsvorsitzende der Marien-Gesellschaft Siegen, Bruno Sting: vor allem den Baufirmen für die komplikationslose Arbeit seit dem „Kaltstart“ im Frühjahr. Seinerzeit war der symbolische Spatenstich bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich nicht eben vergnügungssteuerpflichtig (der SiegerlandKurier berichtete). Vor gut zehn Jahren seien die ersten Überlegungen für ein Demenzzentrum diskutiert worden: „Wir wollten vorbauen für eine Entwicklung, die sich nun immer mehr manifestiert: ein hoher Bedarf für eine spezialisierte Einrichtung.“ Jetzt sei es sichtbar, so Sting: „Vision und Realität decken sich.“ 

60 bis 70 Voll- und Teilzeitpflegekräfte werden im Haus St. Anna neue Arbeitsplätze finden, was Bürgermeister Paul Wagener besonders hervorhob. „Mit Gunst und Verlaub“ und von hoch oben hatte Meinolf Assmann vom gleichnamigen Zimmereibetrieb aus Kirchhundem den Richtspruch verkündet, um alsdann das Schnapsglas mit Schmackes Richtung Boden zu feuern: Auf dass jede Scherbe dem Haus Glück bringe. Christoph Rzisnik aus der Geschäftsführung der Marien-Gesellschaft zeigte sich davon überzeugt: „Das wird ein Erfolgsprojekt für uns und die Stadt Netphen“. 

Im Sommer 2019 werden die ersten Bewohner das neue Demenzzentrum der Marien-Gesellschaft beziehen, die Eröffnung ist bereits im Frühjahr geplant. Das Investitionsvolumen liegt bei 7 Millionen Euro. Träger ist die Marien Pflege GmbH. Fünf Hausgemeinschaften mit zwischen zehn und 14 Einzelzimmern (davon insgesamt 60) werden hier Platz finden.

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