Jazz weicht der Klassik 

Kulturforum Netphen stellt das neue Spielzeitheft vor 

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Dr. Ingeborg Längsfeld, Melanie Becker und Renate Müller (von links) freuen sich auf die neue Spielzeit. 

Netphen. Ein „frauenbetontes“ Programm erwartet die Kulturfreunde in und um Netphen in der nächsten Spielzeit – so jedenfalls sieht es Dr. Ingeborg Längsfeld als 1. Vorsitzende des Kulturforums.

Gemeinsam mit dessen neuer Geschäftsführerin Melanie Becker und der 2. Vorsitzenden Renate Müller stellte Längsfeld jetzt vor, was von August 2018 bis August 2019 in Sachen Musik, Kunst, Kabarett et cetera in Netphen zu erwarten ist. Die Freunde von Jazz und Gitarrenklängen müssen jetzt ganz stark sein: Einer der bisherigen Pfeiler der Keilerkommunen-Kultur findet sich zumindest in diesem neuen Programmheft nicht mehr wieder. Klassik-Liebhaber hingegen können sich freuen: Dieses Segment sei bisher unterrepräsentiert, ja, „eine Gradwanderung“ gewesen, so Längsfeld – im vergangenen Jahr jedoch sei das Konzert mit dem aus der Philharmonie Südwestfalen hervorgegangenen Kücükaya-Quartett derart gut gelaufen, dass man jetzt darauf aufbauen möchte. 

Ein „erstes Highlight“ ist demzufolge das Gastspiel desDuo Concertante (Samstag, 17. November) in der Aula des Gymnasiums, „ein führendes Klassikensemble im Kanada!“, in Europa noch eher ein Geheimtipp. Besondere Vorfreude ließ die Vorsitzende auch im Hinblick auf den Auftritt von Liza Kos (Samstag, 12. Januar) im Alten Feuerwehrhaus durchblicken: Die Kabarettistin russischer Herkunft schlüpft in verschiedene Rollen, die alle eins gemein haben: die Integration in Deutschland. Den Auftritt mit dem aktuellen Programm „Was glaub’ ich, wer ich bin?“ in Netphen präsentiert das Kulturforum in Zusammenarbeit mit der Kreis-VHS. 

Unter anderem ist Liza Kos die Gewinnerin zahlreicher Kunst-gegen-Bares-Shows, wie sie auch im Siegerland inzwischen zu den beliebtesten Kleinkunst-Veranstaltungen an wechselnden Orten überhaupt zählen. Netphen ist seit zwei Jahren mit von der Partie, am Samstag, 13. Oktober, kommt es zur dritten Auflage im Alten Feuerwehrhaus. Neben dem Düsseldorfer Singer-Songwriter Fabian Haupt und der im Siegerland aufgewachsenen Jessica King sowie Titelverteidiger Florian Schäfer aus Netphen ist mit Moderator Gerd Buurmann aus Köln eine feste Größe gebucht. 

Seine eigentliche Eröffnung feiert das neue Kulturprogramm mitIngo Schultze-Schnabl (Donnerstag, 23. August) im Rathaus Netphen: Dessen Ausstellung „Laputa und andere“ sei ein wenig „geheimnisumwittert“, ließ Längsfeld durchblicken. Dass Malerei und Objekte des bekannten Siegerländer Künstlers nicht nur in den Räumen der Verwaltung, sondern auch im Steuerbüro Friedrich gezeigt werden, steht aber fest. Ebenfalls an diesen beiden Schauplätzen wird ab Donnerstag, 4. April, die in der letzten Saison verschobene Ausstellung „Fotografischer Blick in Kabul/Afghanistan“ von Zohra Soori-Nurzad gezeigt. 

Lustig wird's mit dem Freudenberger Wintertheater, das sich in Teilen aus Darstellern der Südwestfälischen Freilichtbühne zusammensetzt, am Samstag, 16. März. Die Komödie „Jetzt nicht, Liebling“ in der Aula des Gymnasiums ist eine Art Testballon: läuft das gut, kann sich das Kulturforum Ähnliches auch in der Georg-Heimann-Halle vorstellen. Bei ihren Heimspielen konnten sich die Freudenberger jedenfalls über ein volles Haus freuen – und angesichts der Anfrage aus Netphen seien die Flecker „total begeisert“ gewesen. 

Deutlich schwerere Kost hat Katinka Springborn im Gepäck: Auszüge aus Dostojewskis „Schuld und Sühne“ (Samstag, 25. Mai). Die Lesung findet auf dem Katharina-Diez-Platz statt, einem bislang von den Netphenern etwas unterschätzten Spielort. Der Platz mit den hohen Bäumen eignet sich laut Längsfeld gut für diese Art Lesung, „denn in der Natur fühlt die Seele sich wohl“. Sie selbst wird hier gemeinsam mitBernhard Nolz (Siegen) am Samstag, 15. Juni eine Doppellesung anbieten. Katharina Diez wird dann zumindest in Längsfelds Part eine zentrale Rolle einnehmen, was kaum überrascht, immerhin beschäftigt sie sich seit zwei Dekaden intensiv mit Wesen und Werk der Heimatdichterin, während Nolz sich auf Schillers „Kabale und Liebe“ konzentriert. Überschrieben ist der Abend mit „Starke Frauen“ – nicht zuletzt sei die unverheiratete, selbstständig publizierende Diez auch eine solche gewesen, zeigte sich Längsfeld überzeugt. 

Nicht wegzudenken aus dem Programm sind die virtuellen Reisen in interessante Länder. Dieter Freigang zeigt „Gardasee und Brenta“ (Sonntag, 11. November) und „Die Provence – zwischen Alpen und Meer“ (Sonntag, 10. Februar); Gerhard Braunöhler ist mit „Island und Färöer“ vertreten (Sonntag, 10. März). Und dann ist da ja noch die Kostenlos-Konzertreihe„Freitags in Netphen“ ab dem 26. Juli 2019 auf dem Rathausplatz. Wer hier auf der Bühne stehen wird, das steht allerdings noch nicht fest. „Wir haben ein sehr vielfältiges Programm“, freute sich Melanie Becker. Und offenbar auch ein sehr gefragtes: „Die ersten Hefte wurden uns heute schon aus der Hand gerissen.“

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