Pro Antwort 60 Sekunden

„Polit-Talk“ bot jungen Wählern Entscheidungshilfe

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Sechs Wahlkreiskandidaten lassen sich von den beiden Moderatoren befragen (v.l.) Sylvia Gabelmann, Simon Rock, Heiko Becker, Heike Dreisbach, Martin Heilmann Volkmar Klein, Hermann Siebdrat und Andreas Appelt.

Dreis-Tiefenbach. Schon der Prophet Jeremia hatte mit seinem Aufruf „Suchet der Stadt Bestes“ politisches Engagement angemahnt, und Erinnerungen an die NS-Zeit mit dem Verbot aller nicht-sportlichen CVJM-Aktivitäten hatte im Frühjahr Dreis-Tiefenbacher CVJM-Mitglieder inspiriert, im Superwahljahr aktiv zu werden.

Die Arbeitsgruppe „Vor der Wahl“ entstand so aus Mitgliedern von CVJM, Evangelischer Gemeinschaft, evangelisch-reformierter und römisch-katholischer Kirchengemeinde, die Informationsveranstaltungen und Politische Abendgebete gemeinsam planten und durchführten. Anfang Juli waren im Dreis-Tiefenbacher Vereinshaus die Siegener Journalistin Beate Schmiess und der aus Dreis-Tiefenbach stammende Berliner Journalist Jan Schäfer zu Gast und nahmen zur Frage „Versagen die Medien?“ Stellung. 

Im St.-Franziskus-Haus referierte Martin Heilmann Ende August über „Fake News erkennen, Verbreitung vermeiden“;  Ende August starteten die Politischen Abendgebete, die montagabends wechselnd in beiden Kirchen stattfinden. Um die Wahlkreisbewerber derjenigen Parteien kennenlernen zu können, die voraussichtlich im 19. Bundestag vertreten sein werden, lud die Arbeitsgruppe jetzt zum „Politit-Talk“  ins Dreis-Tiefenbacher Vereinshauses ein.

Im voll besetzten Versammlungssaal konnte CVJM-Vorsitzende Dörthe Heilmann Zuhörer aller Altersgruppen begrüßen sowie die Wahlkreiskandidaten Dr. Andreas Appelt (AfD), Heiko Becker (SPD), Sylvia Gabelmann (Die Linke), Volkmar Klein (CDU), Simon Rock (Bündnis 90/Die Grünen) und Prof. Dr. Hermann Siebdrat (FDP). Das bei ähnlichen Veranstaltungen zur Landtagswahl in Siegen und Wilnsdorf im Frühjahr erprobte Veranstaltungsformat sah ein striktes „Zeitmanagement“ vor (60 Sekunden je Antwort und Kandidat), so dass die Moderatoren Heike Dreisbach (Erwachsenenbildungsreferentin des ev. Kirchenkreises Siegen) und Martin Heilmann (CVJM Dreis-Tiefenbach) den sechs Kandidaten zahlreiche Fragen aus dem Publikum stellen konnten, und zwar aus den Bereichen Finanzen/Wirtschaft, Gesundheit/Soziales/Familie, Außen-/Europa-/Entwicklungspolitik und Sicherheit/Verteidigung/Datenschutz. 

Diese Fragen hatten Zuhörer auf vorbereitete Kärtchen geschrieben; ein dreiköpfiges Team bündelte sie und gewährleistete ein effizientes Vorgehen. Diszipliniert hielten sich alle an das vom 14-jährigen Jakob Loth gesteuerte Zeit-Diktat, die laufende Uhr war für alle im Saal stets deutlich sichtbar. Zuhörer lobten nach der Veranstaltung das geglückte Management, von dem manches TV-Format lernen könnte. Zwar unterband es den direkten Schlagabtausch zwischen den Kandidaten, andererseits gelang so innerhalb von 135 Minuten die Darstellung eines breiten Spektrums bundespolitisch relevanter Themen. 

Viele Übereinstimmungen wurden erkennbar, aber auch Diskrepanzen tauchten hin und wieder auf, und auch zu brisanten Themen wie zum Beispiel der Sterbehilfe vermochten die Kandidaten ihre Positionierung verständlich darzustellen. 

Die ökumenische Arbeitsgruppe konnte mit ihrer Veranstaltungsreihe wertvolle Informationen als Basis für die Wahlentscheidung vermitteln und dabei auch die als wahlunwillig geltende Altersgruppe der 18- bis 30-jährigen erreichen, heißt es in einer Pressemitteilung.

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