„Ganz schön kompliziert“

Wenn der Chef an der Werkbank sitzt - Aktionstag „Schichtwechsel“ bietet neue Perspektiven

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Claudia Krone zeigt ihrem Chef Andreas Neumann, worauf es beim Bau der Belüftungssysteme ankommt.

Deuz - Der bundesweite Aktionstag „Schichtwechsel“ (wir berichteten) hat am Donnerstag stattgefunden. Im Siegerland haben Mitarbeiter aus regionalen Unternehmen und Beschäftigte der AWo-Werkstätten für einen Tag den Arbeitsplatz getauscht.

„Ich schaffe auch nur fünf Stück am Tag“, sagt der AWo-Mitarbeiter Marcel Euler zu seinen neuen Kollegen Axel Theuer. Der Vorsitzende der Sparkasse Wittgenstein hatte zuvor seine Sorge geäußert, dass die Montage der Bussteuerkabel doch „ganz schön kompliziert“ sei und er noch immer an der ersten Einheit sitze. Immer wieder erklärt Euler seinem „Azubi für einen Tag“ die Feinheiten des nächsten Produktionsschritts. Theuer versucht sich am Abkneifen eines Kabels. Das Urteil von Fachmann Marcel Euler: „Das war jetzt Müll.“ Gut, dass Theuler dies zunächst nur an einem Übungskabel geprobt hat. „Er ist streng, aber auf eine nette Art und Weise“, sagt Theuer über seinen Chef an der Werkbank in der AWo-Werkstatt in Deuz. „Er ist sehr geduldig.“ Die ehrliche Antwort Eulers: „Das kommt aber auf die Tagesform an.“

Marcel Euler (r.) schaut ganz genau hin, ob Axel Theuer auch alles richtig macht.

Theuer ist einer von drei Teilnehmern, die für den ersten Schichtwechsel nach Deuz gekommen sind. AWo-Geschäftsführer Andreas Neumann ließ sich von Claudia Krone die Montage einer Belüftungsanlage und Qualitätsprüfung erklären. „Am Ende muss es ,Klack’ machen“, sagte Neumann, nachdem er eine Schraube in eine Vorrichtung gebohrt hat.

Urkunden des Firmenlaufs verschicken

Martin Hoffman von „Anlauf Siegen“ hingen sortierte mit dem AWo-Beschäftigten Christian Kaufmann gestanzte Teile in eine Transportkiste. Der Organisator des Siegener Firmenlaufs hatte an diesem Tag seinen Platz mit Adrian Kort und einem weiteren Mitarbeiter der AWo-Werkstätten getauscht. In seiner Firma halfen die beiden dabei die Urkunden des Firmenlaufs für den Versand an die Unternehmen fertig zu machen.

Martin Hoffmann (l.) und Christian Kaufmann sortieren ausgestanze Teile in eine Kiste.


Insgesamt sollten an diesem Tag zehn AWo-Beschäftige Unternehmen in der Region besuchen und vier Mitarbeiter aus Unternehmen in den Werkstätten mitarbeiten. Krankheitsbedingt fiel die Zahl am Ende etwas kleiner aus, erklärte Uta Lode, Leiterin des Bereichs Verbandsentwicklung und Fundraising beim AWo-Kreisverband.

Aus den Erfahrungen der Premierenveranstaltung im Siegerland wolle man für zukünftige Schichtwechsel seine Schlüsse ziehen – auch um mehr Unternehmen für das Projekt zu begeistern.

Schichtwechsel an zwei Tagen

„Der Doppeltausch war auf verschiedenen Ebenen eine Hürde“, sagte Lode. „Wir wollen es in Zukunft an die Bedürfnisse in der Region anpassen.“

Wahrscheinlich sollen im kommenden Jahr die AWo-Beschäftigten an einem Tag in die Unternehmen kommen und die Mitarbeiter an einem anderen Tag in die Werkstätten gehen.

Martin Hoffmann hatte beim Pressetermin auch noch einen Rat an Unternehmen, die sich im Vorfeld zu viele Gedanken über die Teilnahme an einem „Schichtwechsel“ machen: „Vorab nichts verkomplizieren!“ Mögliche Hürden könne man im Vorfeld besprechen und Probleme beseitigen.

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