"Ein harter Weg, der sich lohnt"

Einen großen Motivationsschub erhielten die rund 50 Teilnehmer der 1. Dorfwerkstatt Siegen-Wittgenstein jetzt im Haus Toni Weber in Neunkirchen-Altenseelbach.

Einen großen Motivationsschub und viele gute Ideen haben die rund 50 Teilnehmer der 1. Dorfwerkstatt jetzt mit nach Hause genommen. Landrat Paul Breuer hatte zu der Veranstaltung ins Haus Toni Weber in Neunkirchen-Altenseelbach eingeladen.

Insbesondere der mitreißende Vortrag von Johannes Jürgens aus dem Bundesgolddorf 2010 Attendorn-Niederhelden begeisterte die anwesenden Vertreter vieler Ortschaften, von denen sich viele in diesem Jahr am Kreiswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" beteiligen werden. Auch Walter Nöh aus Netphen-Beienbach konnte mit ganz konkreten Beispielen praxisnahe Tipps weitergeben, wie man auch ein kleines Dorf für Junge und Alte attraktiv und zukunftsfähig entwickeln kann. Konrad Trinius von der Bezirksregierung Arnsberg und Dr. Stephanie Arens von der Südwestfalen Agentur gaben darüber hinaus praktische Hinweise, welche Fördermittel bzw. Unterstützungsangebote es für die Dorfentwicklung gibt.

"Der Kreiswettbewerb ?Unser Dorf hat Zukunft' ist ein wichtiges strategisches Instrument", so Landrat Breuer zur Begrüßung: Jedes Dorf, das teilnehme, habe schon gewonnen. Denn die Teilnahme löse einen Prozess aus, der Menschen aller Generationen aktiviere. "Die Menschen sind das Entscheidende und das, was sie tun", unterstreicht Breuer: "Mit der Teilnahme am Wettbewerb schaffen sich Dorfgemeinschaften Perspektiven."

Das wurde dann auch in den Beiträgen von Walter Nöh und Johannes Jürgens deutlich. Beide berichteten mit viel Begeisterung von den Prozessen, die in Netphen-Beienbach und Attendorn-Niederhelden durch die Teilnahme am Kreiswettbewerb ausgelöst wurden. Die 320 Bewohner von Beienbach haben ein Durchschnittsalter von 38,8 Jahren, was weit unter dem Landesdurchschnitt liegt. Die Dorfgemeinschaft sei intakt, viele Aktivitäten würden genossenschaftlich organisiert, etwa das Gefrierhaus, das Backhaus oder die Nachtweide. Die Alte Schule wurde von der Dorfgemeinschaft in Eigenleistung saniert und zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. Dort finden in der Herbst- und Winterzeit Thekenabende statt - denn eine Kneipe gibt es nicht. Der Jugendraum werde von den jungen Leuten in Eigenverantwortung betrieben. "Zum Unterhalt bauen die Jugendlichen Kartoffeln an und verkaufen diese", so Walter Nöh.

Angebote für alle Altersgruppen

Es gibt aus der Dorfgemeinschaft heraus Angebote für alle Altersgruppen im Ort, von der Krabbelgruppe für die Kleinsten bis zur Nachbarschaftshilfe für die Älteren. Die hervorragende Entwicklung des Ortes wurde auch bei "Unser Dorf hat Zukunft" prämiert: beim Kreiswettbewerb 2008 errang Beienbach Gold, beim Landeswettbewerb ein Jahr später Silber.

Johannes Jürgens berichtete von einigen zentralen Erkenntnissen, die die Bewohner von Niederhelden im Laufe der Jahre bei der Dorfentwicklung gewonnen haben: "In die Köpfe zu investieren ist nachhaltiger als in Bauwerke", "Unser Ort ist so gut, wie das, was wir draus machen" oder "Wenn man jemanden ums Mitarbeiten bittet, sollte man selbst schon etwas getan haben". Er betont auch den Wert der vielen sozio-kulturellen Veranstaltungen: "Wir sprechen in Niederhelden ganz viel miteinander, aber ganz wenig übereinander".

Gelohnt habe sich auch die 1. Dorfwerkstatt, da waren sich die Teilnehmer nach mehr als dreieinhalb Stunden intensiven Austauschs einig. Nach diesem Erfolg sieht sich Landrat Paul Breuer darin bestärkt, dass es eine gute Idee war, diese neue Veranstaltungsreihe ins Leben zu rufen. "Die Kommunikation unter unseren Dörfern zu stärken, den Austausch zu fördern und das nicht nur in den Jahren, in denen der Kreiswettbewerb stattfindet, ist ein wichtiger Baustein zur nachhaltigen Entwicklung unserer Ortschaften", so Paul Breuer abschließend.

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