Hechtsprung in den Job

Junge Iranerin unterstützt das Team des Familienbades in Salchendorf

Betriebsleiter Thomas Daub freut sich über die Unterstützung von Mona Zahmatkeshan, die während der Stoßzeiten im Sommer die Badeaufsicht im Familienbad unterstützt.

Salchendorf – Mona Zahmatkeshan stammt aus dem Iran. Aktuell unterstützt sie das Familienbad in Salchendorf als Rettungsschwimmerin. 

Dass Männer und Frauen, die nicht miteinander verheiratet oder verwandt sind, nicht miteinander reden und auch nicht gemischtgeschlechtlich Sport treiben dürfen, gehörte für sie zum Alltag. Insbesondere als sie später ihren Beruf ausübte: Sie arbeitete als Schwimmlehrerin. Dies ist an sich nicht außergewöhnlich. Doch im Iran herrschen andere Sitten, Regeln und Vorgaben. Will eine Frau gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Kindern schwimmen gehen, dann ist dies nur mit der entsprechenden Bekleidung möglich. Dies gilt für alle Sportarten, die in der Öffentlichkeit ausgeübt werden. Selbst die Nationalspielerinnen der iranischen Fußballnationalmannschaft müssen mit einem Kopftuch spielen. In den öffentlichen Schwimmbädern im Iran gibt es Zeiten, zu denen nur Frauen und Zeiten zu denen nur Männer schwimmen. So sind die Frauen nicht den Blicken der Männer ausgesetzt und umgekehrt. 

Auch Mona Zahmatkeshan treibt gern Sport. Mountainbike fahren und wandern stehen neben dem Schwimmen hoch im Kurs. Als es um die Jobwahl ging, machte sie ihr Hobby zum Beruf. Sieben Jahre gab Mona Zahmatkeshan Schwimmkurse für Klein und Groß, unterrichtete Kinder und Frauen. Aber auch Wassergymnastik und die Badeaufsicht im Schwimmbad standen auf dem Programm. „Etwa 50 Prozent der Bevölkerung kann schwimmen“, weiß die Iranerin. 

Vor zwei Jahren kam die junge Frau mit ihrem Mann und dem inzwischen siebenjährigen Sohn nach Deutschland und fand eine Bleibe in Neunkirchen. Vor Ort wandte sie sich an Hubert Multhaup, den Leiter des Projekts „Flüchtlinge in Arbeit“ im Neunkirchener Rathaus. Er vermittelte Mona Zahmatkeshan an Sandra Wollin, die Bäderbeauftragte für das Familienbad. „Da Rettungsschwimmer immer gesucht werden, haben wir den Kontakt zum DLRG vermittelt und Mona die Möglichkeit gegeben, im Familienbad zu schwimmen“, erklärt Sandra Wollin. 

Da die Ausbildung und der notwendige Rettungsschein der Iranerin in Deutschland nicht anerkannt wurden, musste die junge Frau zunächst die entsprechenden Prüfungen absolvieren, um als Rettungsschwimmerin aushelfen zu können. „Es hat einige Zeit gedauert, bis wir die Prüfungsbögen in Farsi erhalten haben und sie den DRLG Silber-Schein und ihren Erste-Hilfe-Kurs nachholen konnte“, so Wollin. Seitdem wird sie als Aushilfe im Familienbad eingesetzt. Dass hier Frauen und Männer gemeinsam schwimmen, und das in recht knapper Badbekleidung, das stört Mona nicht. Ihr geht es um den Spaß am Sport und die Möglichkeit, Menschen das Schwimmen beizubringen und sie im Zweifelsfall auch vor dem Schlimmsten zu bewahren. Der Schwimmunterricht im Iran unterscheide sich nur unwesentlich von der Vorgehensweise in Deutschland. Die drei- bis sechsjährigen Kinder im Iran lernen das Schwimmen ein wenig spielerischer als die Kinder vor Ort. Um die Armbewegung beim Brustschwimmen richtig auszuführen, sollen die Kinder beispielsweise, „einen großen Apfel in das Wasser malen“. 

Derzeit besucht Mona Zahmatkeshan einen Deutschkurs.  Das ist nicht nur wichtig, um sich in Deutschland zu integrieren, das ist auch wichtig, um die übrigen Prüfungen nachzuholen, die für eine berufliche Perspektive als Schwimmlehrerin und Bademeisterin noch nötig sind. „Insbesondere der Teilbereich, in dem es um die chemischen Abläufe geht, ist ohne fundierte Deutschkenntnisse nicht möglich“, weiß der Betriebsleiter des Familienbades Thomas Daub. Von Mona Zahmatkeshan und ihrer freundlichen und positiven Art ist er genauso begeistert wie die Kollegen im Schwimmbad. Bei den Kinderschwimmkursen im Herbst soll sie in jedem Fall als Helferin eingesetzt werden.

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