„Ein Schritt in die Zukunft“

Neunkirchener Kirche hat einen Multifunktionsraum bekommen

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Hereinspaziert! Der neue Multifunktionsraum befindet sich direkt im Eingangsbereich und ist mit einer rahmenlosen Glasfront vom restlichen Teil der Ev. Kirche abgetrennt. 

Neunkirchen. Zufrieden blicken Baukirchmeister Reiner Fuchs und Architekt Guido Euteneuer auf die neue Glasfront in der Ev. Kirche in Neunkirchen, die gerade noch mit den letzten heraldischen Lilien verziert wird.

„Dieses Muster findet sich auch in den Bodenfliesen der Kirche wieder“, erklärt Reiner Fuchs und deutet unter sich. Das sich wiederholende Dekor ist Symbol für die Verbindung zwischen dem Alten und dem Neuen, die hier in den letzten fünf Monaten entstanden ist.

Im Eingangsbereich hat das Gotteshaus aus dem Jahr 1902 einen modernen Multifunktionsraum bekommen – mit Stühlen, Tischen, einer ausfahrbaren Leinwand, speziellen LED-Leuchten und Lautsprechern. Er ist durch die Glasfront vom restlichen Teil der Kirche abgetrennt. Hier sollen in Zukunft unterschiedlichste Veranstaltungen stattfinden. Außerdem möchte die Kirchengemeinde den Raum für das Kirchcafé und für die Kinderbetreuung während der Gottesdienste nutzen.

Letztere war es auch, die den Anstoß für die Umbaumaßnahmen gegeben hatte. Als sich Anfang des vergangenen Jahres abzeichnete, dass zwei von drei Pfarrern die Kirchengemeinde verlassen werden und der sonntägliche Gottesdienst deshalb abwechselnd nur noch an einer Stätte abgehalten werden kann, fasste das Presbyterium den Entschluss, einen Raum extra für die Kinderbetreuung in der Neunkirchener Kirche einzurichten. 

„In Zeppenfeld haben wir nämlich eine starke Baby- und Kleinkindfraktion. Es gibt dort viele junge Familien, die mit ihren Kindern in den Gottesdienst kommen. Die Kinder können dort auch gut betreut werden. Hier in Neunkirchen hatten wir keinen Raum dafür, da bisher der Bedarf nicht da war. Wir hätten die Familien vom Gottesdienst ausgeschlossen, wenn er in Neunkirchen stattfinden sollte. Und das wollten wir nicht“, schildert Fuchs. 

Bisher nutzte die Kirchengemeinde die Sakristei dafür, doch dieser Raum habe sich als suboptimal erwiesen. „Die Leute, gerade die vom Kirchcafé, waren dort so separiert und wir möchten ja einen Ort der Begegnung schaffen. Also mussten wir uns etwas überlegen.“

Baukirchmeister Reiner Fuchs, Architekt Guido Euteneuer und Presbyteriumsvorsitzender Eckhard Weidt (v.l.) freuen sich, dass die Arbeiten so gut wie abgeschlossen sind.

Da Guido Euteneuer nicht nur Architekt, sondern auch Presbyter in der Kirchengemeinde ist und das Gotteshaus somit sehr gut kennt, übernahm er die Planungen. Erste Ideen, das Turmzimmer auszubauen oder einen Bereich im Seitenschiff abzutrennen, verwarf er schnell wieder. Letztlich fiel die Entscheidung darauf, den Betreuungsraum zum Multifunktionsraum auszuweiten und im Eingangsbereich im hinteren Teil der Kirche einzurichten. „Das war die einzig logische Lösung“, so Euteneuer.

Dafür wurde nicht nur die rahmenlose Glasfront eingezogen. Auch eine Fußbodenheizung, neue Lüftungsgitter inklusive Schalldämpfer und eine neue Decke mit den LED-Strahlern wurden installiert. „Wir wollten etwas schaffen, was die Optik der Kirche nicht zerstört, sondern durch ein modernes Element ergänzt. Der neue, helle Betonboden bildet einen Kontrast zu den alten, dunklen Kirchenfliesen und hebt sie dadurch noch mehr hervor. Und die Decke ist abgetreppt, und damit der Form der darüber liegenden Empore nachempfunden“, beschreibt Euteneuer. 

Dass die Bausubstanz erhalten werden muss, das war auch Vorgabe der Denkmalbehörde. „Alles, was schützenswert war, haben wir bewahrt“, so der Architekt weiter, der sich genau wie Reiner Fuchs darüber freut, dass der Bauantrag beim Kreis Siegen innerhalb weniger Wochen positiv beschieden wurde. „Wir haben den Antrag Anfang Dezember gestellt und noch vor Weihnachten kam die Genehmigung“, erzählt Reiner Fuchs.

Weichen mussten allerdings die letzten sieben Sitzreihen. Die Bänke gab die Kirchengemeinde gegen eine Spende an Gemeindeglieder ab. Die Zahl der Sitzplätze verringerte sich dadurch um 112 auf rund 600. „Doch die sind immer noch ausreichend“, sich Fuchs und Euteneuer sicher. Und wenn doch mal Platzmangel herrsche, könne man immer noch Stühle in dem neuen Raum aufstellen. „Durch die Glasfront ist die komplette Kirche einsehbar. Man bekommt den Gottesdienst also mit“, erklärt Fuchs. 

Im Zuge der Umbaumaßnahmen hat das Gotteshaus im Eingangsbereich auch eine Küche bekommen. Demnächst soll noch ein Wickelraum eingerichtet werden. Ansonsten fehlen nur noch Kleinigkeiten, etwa Kisten für das Spielzeug oder die Küchenausstattung.

Auch eine neue Küche hat die Kirche bekommen.

150.000 Euro hat die Kirchengemeinde in den Umbau investiert, 35.000 Euro davon übernahm der Kirchenkreis. Hinzu kommen die vielen Stunden der ehrenamtlichen Helfer. Reiner Fuchs und Guido Euteneuer sind glücklich, dass die Arbeiten nun so gut wie abgeschlossen sind und ab sofort auch wieder Gottesdienste in Neunkirchen gefeiert werden können. „Die Kirche hat dazugewonnen“, sind sie überzeugt. 

Und nicht nur das. Auch im Hinblick auf die geplante Veräußerung von kirchlichen Gebäuden wie etwa dem Jugend- und Gemeindehaus Rassberg, das noch in diesem Jahr verkauft werden soll, käme dem neuen Raum als Versammlungs- und Veranstaltungsstätte noch mal eine größere Bedeutung zu. „Wer das alles als Gegenwartsleistung sieht, hat die Hälfte der Investitionen nicht verstanden“, stellt Reiner Fuchs klar.

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