12 Standorte in der Gemeinde

Neunkirchens Defi-Netz wird dank neuer Spender immer dichter

Freuen sich über den Ausbau des Defi-Netzes in Neunkirchen: Die Sprecherin des Ersthelferkonzepts Christine Jung, Hans-Jürgen Schneider vom BürgerBus-Verein, Sabine Geck von der Firma Karl Hess GmbH & Co. KG, Jutta Capito von der Martha-Schneider-Stiftung, Bernd Wilbert Müller vom DRK-Ortsverein Neunkirchen und Bürgermeister Dr. Bernhard Baumann.

Neunkirchen - Öffentlich zugängliche Defibrillatoren können Leben retten, auch in Neunkirchen. Das „Ersthelferkonzept Neunkirchen, ein Arbeitskreis aus Gemeinde, Feuerwehr und DRK, gründete sich bereits 2017 mit dem Ziel die „Automatisierten Externen Defibrillatoren“ (AED) möglichst flächendeckend zur Verfügung zu stellen. Dank mehrerer Spenden konnte das „Defi“-Netz in den letzten Monaten auf insgesamt ein Dutzend ausgebaut werden.

Getreu dem Motto „tue Gutes und rede darüber“ hatte die Gemeindeverwaltung nun die aktuellsten Spender zum Pressetermin eingeladen. Christine Jung, Sprecherin des Ersthelferkonzepts, schilderte dort eindrücklich die Notwendigkeit einer flächendeckenden Versorgung mit öffentlich zugänglichen „Defis“: „Bei Kammerflimmern sinkt die Überlebenschance mit jeder ungenutzten Minute, im Ernstfall muss schnell gehandelt werden.“ Dass dieses Projekt innerhalb ihres großen Aufgabenbereichs beim DRK Neunkirchen zu einem von Jungs Steckenpferden wurde, hat einen Grund: Gleich zu Beginn ihrer Ehrenamtstätigkeit beim DRK wurden Jung und ihre DRK-Kollegen dank Defibrillator zu Lebensrettern.

„Wir mussten den Defi bei einem 42-jährigen Mann einsetzen. Natürlich haben wir sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen. Aber dem Defi war es zu verdanken, dass das Herz relativ schnell auf unsere Wiederbelebungsmaßnahmen reagiert hat und wieder in einen normalen Rhythmus gewechselt ist. Im Nachgang haben wir die erfreuliche Nachricht erhalten, dass der Patient ohne bleibende Schäden überlebt hat“, erklärt die Zeppenfelderin.

So prägend das Erlebnis für Jung, so deutlich macht es auch, dass der plötzliche Herztod keinesfalls eine Todesursache ist, die nur ältere Menschen ereilen kann: Ursächlich ist meist das so genannte Herzkammerflimmern. 160.000 Frauen und Männer sterben in Deutschland Jahr für Jahr daran. Es sei denn, der aus dem Takt geratene Herzmuskel wird mittels des Defis in Verbindung mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung wieder in den richtigen Rhythmus gebracht.

Da die Vorzeichen des plötzlichen Herztods unvermittelt kommen und binnen kürzester Zeit behandelt werden müssen, sind kurze Wege zum Defibrillator lebenswichtig. Die sechs Neunkirchener Ortsteile auszurüsten war daher die erste Maßgabe des Ersthelferkonzepts, dem Christine Jung in Personalunion als Vertreterin des DRK und des Rathauses vorsteht. Dank der jüngsten Spender konnten inzwischen auch die beiden Sportplätze mit Defibrillatoren ausgestattet werden.

In den vergangenen Monaten hat die 33-Jährige zusammen mit dem Team des Ersthelferkonzeptes spezielle Schulungen in allen Ortsteilen angeboten. Nach der Installation an den Sportplätzen boten sie zudem eine Informationsveranstaltung für die rund 40 Spieler, Trainer und Vorstandsmitglieder der Spielvereinigung Neunkirchen an. Anwendung, Herz-Lungen-Wiederbelebung und weitere wichtige Infos erhielt auch das 32-köpfige BürgerBus-Team. In dem Fahrzeug ist seit kurzem das erste „mobile Modell“ unterwegs. Der Bürgerbusverein hat den „Defi“ inklusive Tasche und Zubehör selbst finanziert. Nun können die Fahrerinnen und Fahrer den interessierten BürgerBus-Passagieren Rede und Antwort bezüglich des roten „Lebensretter-Koffers“ stehen.

Neben dem BürgerBus-Verein haben die Firmen OPS Ingersoll, KKS Transportanlagen GmbH und Karl Hess GmbH & Co. KG gespendet. Deren gemeinsame Motivation bringt Sabine Geck vom Kunststoffspezialisten Hess auf den Punkt: „Soziales Engagement gehört zu unserer Firmenphilosophie.“

Senioren und Menschen mit Behinderungen stehen im Fokus der Martha-Schneider-Stiftung. Auch von deren Seite wurde gespendet, um für den schlimmsten Fall gerüstet zu sein. Vorstandsvorsitzende Jutta Capito warf im Pressegespräch die Frage auf, ob man bei der Nutzung eines Defibrillators Fehler machen und den Betroffenen dadurch noch mehr gefährden kann. Christine Jung gibt Entwarnung. „Berührungsängste sind völlig unbegründet. Das Gerät erkennt eigenständig, ob ein Herzkammerflimmern vorliegt und leitet den Ersthelfer sicher durch die Maßnahmen“.

Dennoch: Um im Ernstfall besonnen reagieren zu können, kann es nicht schaden, sich mit der Handhabung des Automatisierten Externen Defibrillators (AED) auseinanderzusetzen: Der nächste Informationsabend wird am 6. November um 19 Uhr in der Aula des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums am Rassberg angeboten. Dieser Abend wird ebenso über Spenden finanziert, wie der aktualisierte Flyer und das neue Werbeplakat. Wenngleich die Versorgung mit dem AED mit 12 Geräten in den sechs Ortsteilen der kreisweit kleinsten Kommune verhältnismäßig gut ist, „Luft nach oben ist immer“, weiß Christine Jung. Ideen für weitere Standorte hat sie viele, doch um diese umzusetzen, braucht es weitere Spenden.

Standorte: An den Dorfgemeinschaftshäusern in Wiederstein, Zeppenfeld und Altenseelbach, an den Sportplätzen in Neunkirchen und Salchendorf, an den Geschäftsstellen der Sparkasse Burbach-Neunkirchen in Salchendorf, Struthütten und Neunkirchen, an der Großturnhalle auf dem Rassberg und der Mehrzweckhalle in Salchendorf, im BürgerBus sowie im DRK Zentrum in der Daadenbach.

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