Mundus.tv und Kreisarchiv sichern den Nachlass von Herbert Apelt

Ein Schatz aus Zelluloid

Alexander Fischbach, Wolfgang Suttner, Landrat Andreas Müller und Thomas Wolf freuen sich über den Kulurschatz.

Mehr als 1000 Rollen – acht Paletten – mit einem Gewicht von unglaublichen vier Tonnen: Hinter diesen Zahlen steckt nicht etwa die neueste Lieferung eines Industriebetriebes, sondern ein historischer Filmschatz, den die Siegerländer Filmproduktion mundus.tv jetzt zusammen mit dem Kreisarchiv nach Siegen geholt hat.

Dabei handelt es sich um den Nachlass von Herbert Apelt, den er zu Lebzeiten in seiner 70-Quadratmeter großen Wohnung lagerte. Der Kameramann wurde 1924 in Berlin geboren, arbeitete für die Filmproduktion Dreyer und in Düsseldorf und machte sich schließlich selbstständig. Von ihm stammt „Der Eisenwald“, einer der ersten Kulturfilme über das Siegerland.

„Dass dieser Schatz gehoben werden konnte, ist fast schon ein kleines Wunder“, so Landrat Andreas Müller. Alexander Fischbach von mundus.tv hatte Apelt 2006 kennengelernt und besuchte ihn in München. „Vor gut einem Jahr klingelte dann bei uns das Telefon“, erzählt Fischbach. Am Apparat: Eine Entrümpelungsfirma, die die Filmrollen in Apelts Wohnung gefunden hatte – außerdem eine Notiz, die auf Fischbach und mundus.tv hinwies.

Die Lagerung hat nun das Kreisarchiv übernommen. Derzeit wird das Material gesichtet und ausgewertet. Neben den Original-Negativen des „Eisenwalds“ und „Glocken über den Wäldern“ gibt es viele Schnittreste, die bisher unbekannte Bilder aus dem Siegerland zeigen könnten, erklärt Fischbach. „Dieser Filmschatz hat Bedeutung über die Region hinaus“, betonte Andreas Müller. Denn: Apelt war leidenschaftlicher Sammler. In seinem Nachlass befanden sich unter anderem Filme von Stummfilm-Star Harry Piehl oder Luis Trenker – „Filme, die als verschollen galten“, so Fischbach. Auch Teile des Olympiafilms von Leni Riefenstahl seien darunter. „Das ist ganz großes Kino, wenn man auf so etwas zurückgreifen kann.“

„Diese Schnittstelle hat großen kulturhistorischen Reiz“, betonte auch Kreiskulturreferent Wolfgang Suttner. Bei der Hälfte der Filme muss allerdings die Eigentumsfrage noch vollständig geklärt werden. „Wir werden mehr als zwei Jahre brauchen, um das Material komplett zu sichten und auszuwerten.“ Rund 15 Prozent der Dosen seien gar nicht oder falsch beschriftet. Außerdem müsse jeder noch so kleine Filmschnipsel gesichtet werden. Danach werden Teile der Filme an das Bundesarchiv, das Archiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe oder kommunale Archive übergeben oder verkauft. Die regional bedeutsamen Filme werden restauriert und bleiben im Kreisarchiv. „Uns ist es wichtig, dass die Filme da liegen, wo sie gebraucht werden“, so Kreisarchivar Thomas Wolf. (Von Tina Falkenhain, t.falkenhain@siegerlandkurier.de)

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