„Wir wollen den Menschen mehr Mobilität geben“

Bürgerbusverein will Versorgungslücken in der Gemeinde schließen und sucht noch Helfer

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Andreas Klein (v.l.n.r.), Volker Schüttenhelm, Anne Bender, und Gerhard Weber vom Bürgerbusverein wollen Versorgungslücken beim Busverkehr schließen.

Schnell ein paar Lebensmittel einkaufen, den Zahn- oder Hausarzt besuchen oder ein Medikament aus einer Apotheke holen. Wer kein Auto hat, ist in der Gemeinde Wilnsdorf vor allem auf den Bus angewiesen. Doch was, wenn die Bushaltestelle 500 Meter weit weg ist oder der Ortsteil an keiner viel befahrenen Busroute liegt? Gerade für Menschen, die körperlich nicht mehr so mobil sind, wird dann die schnelle Erledigung zu einem echten Problem. Dies will der Bürgerbusverein Wilnsdorf, der im April 2018 gegründet wurde, ändern. Die Planungen sind bereits weit fortgeschritten, aber das Projekt ist noch lange nicht am Ziel. Vor allem ehrenamtlich tätige Fahrer und Sponsoren fehlen noch.

„Wir versuchen Versorgungslücken im ÖVPN zu schließen“, erklärt der Vorsitzende Andreas Klein im Gespräch mit dem SiegerlandKurier. „Wir wollen den Menschen mehr Mobilität geben“, ergänzt die stellvertretende Vorsitzende Anne Bender. Gerade für ältere Menschen sei es in manchen Ortsteilen der Gemeinde Wilnsdorf schwer einen Bus zu erreichen. Aber natürlich sei der Bürgerbus auch für junge Menschen und Familien da, so der Verein. Die Verantwortlichen haben sich daher intensiv damit beschäftigt, wo sich Haltestellen besonders gut anbieten können. Bei der Umsetzung des Projekts konnten die Verantwortlichen auf die Expertise von Ludger Gruß zurückgreifen. „Er ist selber Bus gefahren und weiß daher inhaltlich gut Bescheid“, erklärt Klein. Er habe bei der Beschaffung des Busses oder der Fahrplanerstellung geholfen. Der Verlauf der potentiellen Routen sei aber noch nicht in Stein gemeißelt, so Klein. 

Der Verein hat zwar bereits einen sehr konkreten Plan entwickelt, wo der Bus herfahren soll, aber die Umsetzung könne nur in Abstimmung mit der VWS erfolgen, weshalb der Verein zum jetzigen Zeitpunkt den genauen Streckenverlauf noch nicht preisgeben will. „Die VWS hat von uns einen Vorschlag bekommen, welche Bushaltestellen vom Bürgerbus bedient werden könnten“, sagt Schüttenhelm. Jetzt müsse die VWS entscheiden, ob dieser in Konflikt mit bestehenden Buslinien stehe, denn der Bürgerbus soll keine Konkurrenz für das Busunternehmen sein. 

Vier Linien sind geplant

In der aktuellen Planungsphase hat der Bürgerbusverein vier Linien mit zehn bis 25 Haltestellen vorgesehen. „Wir versuchen alle Ortschaften mit einzubinden“, sagt Bender. Der Plan sei, dass morgens zunächst die Hinfahrt der Linie eins stattfindet und danach die Hinfahrt der Linie zwei. Im Anschluss soll der Bürgerbus dann die Rücktouren der beiden Linien absolvieren, damit die Nutzer des Bürgerbusses auch wieder nach Hause kommen. Nach einem Fahrerwechsel in der Mittagszeit sollen am Nachmittag dann die Linien drei und vier im gleichen Modus bedient werden. Die Kosten für eine Fahrt werden im Bereich zwischen 1 bis 1,50 Euro liegen. 

Damit die Strecken auch in diesem Umfang befahren werden können, benötigt der Verein noch die Mithilfe von ehrenamtlichen Helfern, die sich als Fahrer für den Bürgerbus zur Verfügung stellen. „Ideal wäre ein Pool von 20 bis 30 Fahrern“, erklärt Klein. „Dann wäre jeder Fahrer ein- bis zweimal pro Monat im Einsatz.“ Die Fahrer benötigen hierfür lediglich den alten Führerschein Klasse drei oder den neuen Klasse B (bis 3,5 Tonnen). Alle Kosten, die im Rahmen der Anmeldung der Fahrer entstehen, wird der Verein übernehmen. Sollten nicht genügend Fahrer zusammenkommen, könne man vielleicht auch nicht alle geplanten Strecken bedienen, erklärt der Verein. Der Bürgerbus bietet neben dem Fahrer Platz für acht Fahrgäste. „Der Bus bekommt auch einen rollstuhlgerechten Einbau“, erklärt Klein. „Das wird aus organisatorischen Gründen aber sicher nicht ohne eine Anmeldung gehen“, ergänzt Bender. Wie dies konkret aussehen kann, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Bei der Finanzierung des Projekts ist der Bürgerbusverein schon fortgeschritten, benötigt aber dringend noch die Unterstützung von Sponsoren, damit das Vorhaben auch in dem geplanten Umfang umgesetzt werden kann. 

Finanzielle Unterstützung vom Land

„Wir haben die Fördermöglichkeiten mit der Gemeinde abgesprochen“, erklärt Klein. Damit das Projekt nicht direkt schon in den Startlöchern scheitert, benötigte der Vereine kurz nach der Gründung im vergangenen Jahr zunächst eine Ausfallbürgschaft von der Gemeinde, damit die Existenz des Vereins nicht gleich bedroht wird, wenn er mal ins Minus rutscht. „Dies wurde schnell beschlossen“, erklärt Klein. „Ohne die, hätten wir gar nicht weitermachen können.“ Bei der Realisierung des Projekts erhält der Verein auch finanzielle Unterstützung vom Land, ist aber gleichzeitig auch auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen. „Wir bieten Werbeflächen am Bus für Interessenten an“, erklärt Schriftführer Volker Schüttenhelm. „Der Bus kommt ja ganz schön rund und wir wollen täglich fast 200 Kilometer fahren.“ 

Wenn es gut laufe, dann könne der Bürgerbus bereits im November zur ersten Tour aufbrechen, erklärt Klein. „Wir haben unsere Arbeit gemacht und sind jetzt auf die Mithilfe aus der Bevölkerung angewiesen.“ Wer sich als ehrenamtlicher Fahrer oder Sponsor melden will, kann sich unter info@buergerbus-wilnsdorf.de oder beim Bürotelefon 0151/21762184 (8 bis 20 Uhr) melden.

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