Endbericht mit 300 Seiten

Konzept zur Förderung des Radverkehrs in Wilnsdorf liegt vor

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Symbolbild

Wilsndorf - Vor weniger als einem Jahr begann die Gemeinde Wilnsdorf damit, ein Radverkehrskonzept zu erarbeiten. Eingebettet ins Integrierte Klimaschutzkonzept der Kommune soll dieses besondere Teilprogramm aufzeigen, wie der Radverkehr in der Gemeinde Wilnsdorf nachhaltig gefördert werden kann. Nun liegt schon der 300 Seiten starke Endbericht vor.

In den nächsten Tagen wird das Radverkehrskonzept den politischen Gremien und der Öffentlichkeit vorstellt. Die enthaltenen Maßnahmen sollen nach Wunsch von Bürgermeisterin und Verwaltung sukzessive umgesetzt werden, in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit. Voraussetzung ist, dass sich der Gemeinderat bereits jetzt grundsätzlich dazu bereit erklärt, die entsprechenden Mittel im Rahmen der künftigen Haushaltsplanungen zur Verfügung zu stellen.

„Klimaschutz ist eines der wichtigsten Themen des 21. Jahrhunderts“, schreibt Bürgermeisterin Christa Schuppler im Vorwort des Maßnahmenkatalogs und fährt fort: „Wir sind uns bewusst, dass insbesondere der öffentlichen Hand eine zentrale Rolle zukommt“. Die Gemeinde Wilnsdorf sei nicht nur Vorreiter und Multiplikator, sondern müsse auch die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, damit jeder Einzelne selbst aktiv werden und seine Zukunft nachhaltig gestalten könne. „Hier möchte die Gemeinde Wilnsdorf mit dem Mobilitätskonzept für den Radverkehr ansetzen und durch eine Förderung des Radverkehrs einen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, so die Bürgermeisterin. Indem die Menschen weniger mit dem Auto und mehr mit dem Rad fahren, könnten der Ausstoß umweltschädlicher Treibhausgase und der Energieverbrauch im Verkehrssektor gesenkt werden.

"Uns war es wichtig, einen bedarfsorientierten Handlungsleitfaden zu erhalten“

Damit die Bürger künftig verstärkt in die Pedale treten, muss das Wegenetz der Gemeinde Wilnsdorf attraktiver werden. Wie das erreicht werden kann, listet das Radverkehrskonzept nun detailliert auf. Entstanden ist das Papier in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro energielenker Beratungs GmbH und unter Beteiligung interessierter Bürger und verschiedener Experten. „Uns war es wichtig, einen bedarfsorientierten Handlungsleitfaden zu erhalten“, fasst Fachbereichsleiter Martin Klöckner die vergangenen, äußerst arbeitsintensiven Monate zusammen. Mehrmals waren die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde gefragt, ihre Meinung einzubringen, „denn sie sollen schließlich die Nutznießer einer verbesserten Radverkehrsinfrastruktur sein“, erinnert Klöckner. Auf der anderen Seite betrachteten die Ingenieure des Planungsbüros und die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung ganz sachlich das Wegenetz, seine Stärken, Schwächen und Potentiale und vertieften ihre Erkenntnisse in Interviews mit Experten und besonderen Zielgruppen.

Diese gründliche Analyse förderte Strecken zutage, auf die im weiteren Verlauf besonderes Augenmerk gelegt wurde, „weil sie die Siedlungsschwerpunkte mit Arbeitsstätten, Einkaufsmöglichkeiten oder Schulen verbinden“, greift Klöckner nur drei von mehreren Faktoren heraus, die für ein besonders hohes Nutzungspotential von Radwegen sprechen. Ähnliches gilt für Strecken zwischen den elf Ortsteilen der Gemeinde und angrenzenden Kommunen, „hier haben wir vor allem aus der Bürgerbeteiligung besonders stark nachgefragte Verbindungen ableiten können“, sagt Klöckner.

Um diese Erkenntnisse zusammenzufassen und gewichten zu können, entwickelte das Fachbüro eine Formel, die auch die Distanz der Verbindungen berücksichtigt. Denn: „trotz zunehmender E-Mobilität ist der Radverkehr im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln mit gewissen Reichweiteneinschränkungen verbunden“, ist dem Konzept zu entnehmen. Die Berechnung warf eine Prioritätenliste aus, die – abhängig von der Bedeutung der Wegstrecke – kurz-, mittel- und langfristiges Handeln empfiehlt, um das künftige Radroutennetz zu gestalten.

Auf folgenden acht besonders bedeutsamen Strecken soll schon kurzfristig, innerhalb der nächsten fünf Jahre, gehandelt werden:

• Wilgersdorf – Rudersdorf

• Wilden – Wilnsdorf

• Obersdorf – Siegen-Zentrum

• Wilgersdorf – Wilnsdorf

• Gernsdorf – Rudersdorf

• Niederdielfen – Siegen-Zentrum

• Obersdorf – Wilnsdorf

• Rudersdorf – Wilnsdorf

Weiteren acht Strecken, z.B. der Verbindung zwischen Anzhausen und Rudersdorf, wird mittelfristiger Handlungsbedarf in den kommenden zehn Jahren zugeschrieben. Langfristiger Handlungsbedarf (innerhalb der nächsten fünfzehn Jahre) besteht bei fünfzehn anderen Verbindungen wie jener zwischen Flammersbach und Niederdielfen.

Konkrete Empfehlungen

„Diese Priorisierung hilft uns, die notwendigen 192 Einzelmaßnahmen auf diesen Abschnitten sinnvoll planen und umsetzen zu können“, erklärt Martin Klöckner. Die konkreten Empfehlungen des Radverkehrskonzepts reichen von kleineren Aufwänden, wie einer verbesserten Beschilderung oder mehr Fahrradständern bis hin zu großen Baumaßnahmen, wenn Strecken neu angelegt werden müssen. Neben diesen baulichen Maßnahmen schlägt das Papier auch flankierende Maßnahmen vor, um für den Radverkehr zu werben. Insbesondere einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit und der dauerhaften Kommunikation mit allen Zielgruppen werden große Potenziale zugeschrieben.

Abschließend empfiehlt das Konzeptpapier, die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen regelmäßig zu überprüfen.

Bürgermeisterin Christa Schuppler und Fachbereichsleiter Martin Klöckner sind über die Fülle der entstandenen Vorschläge erfreut, bitten aber auch um Geduld, dass nicht jede Maßnahme von heute auf morgen umgesetzt werden könne. An manchen Stellen werde die Gemeinde Wilnsdorf Grundstücke erwerben müssen, an anderen Stellen sind der Kreis oder der Bund als Baulastträger ins Boot zu holen. Dennoch fällt ihr gemeinsames Fazit äußerst positiv aus: „Das Konzept bietet einen sehr guten strukturierten Leitfaden für die Optimierung des Radverkehrs in der Wielandgemeinde, der sukzessive umgesetzt werden sollte“.

Das gesamte Radverkehrskonzept ist online unter www.wilnsdorf.de/radverkehrskonzept zu finden. Der Bau- und Umweltausschuss wird am am heutigen Mittwoch, 3. Juli, über das Papier beraten, der Rat in der Folgewoche am 11. Juli.

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