Marie und Berta sorgen für strahlende Gesichter

Es steht ein Pferd auf dem Flur - Mini-Shettys aus Anzhausen besuchen Tagespflege in Deuz

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Anzhausen/Deuz - Die Mini-Shettys vom Friesenstall aus Anzhausen besuchen seit kurzem Senioren in Pflegeeinrichtungen oder Kinder in Kindergärten. Der SiegerlandKurier war Anfang November beim ersten Einsatz von Marie und Berta dabei. 

Langsam geht es für Marie und Berta die Rampe des Pferdeanhängers hinunter, denn die Ponys aus dem Friesenstall Anzhausen sind auf dem Weg zu ihrem ersten Einsatz. Heute besuchen die beiden Mini-Shettys die Tagespflege Villa Bohn in Deuz. 

Mini-Shettys aus Anzhausen zu Besuch in der Tagespflege Villa Bohn in Deuz

Den Weg über Straße und Bürgersteig bis hin zum Gebäude, in dem bereits elf Senioren auf den tierischen Besuch warten, gehen die hüfthohen Mini-Pferde gemächlich und ohne Stress an der Seite ihres Trainerteams Anette Spies und Diana Scheack. Seit diesem Jahr arbeiten die beiden Trainerinnen mit drei Besucher-Ponys, die im Friesenstall in Anzhausen zu Hause sind. Bisher wurde mit den Tieren nur trainiert – jetzt wird es ernst.

 

Bevor Berta und Marie aber die Tagespflege Villa Bohn betreten können, muss Anette Spies noch jeden Huf vom Dreck befreien und mit einer Socke - natürlich rutschfest - überziehen. Heike Jung, Betreuungsassistentin in der Villa Bohn, macht in der Zwischenzeit bereits eine im Rollstuhl sitzende Seniorin mit Berta vertraut, so dass diese das Pony ein Stück führen kann. Dann geht es zu den anderen Senioren, die an diesem Morgen die Tagespflege nutzen.

Der Anblick von Berta und Marie, mit ihren gepolsterten Hufen, ihren langen Mähnen und ihrer gemütlichen Gangart, sorgt direkt für fröhliche Gesichter bei den Wartenden. Es passiert ja schließlich nicht alle Tage, dass ein Pferd plötzlich auf dem Flur steht – und dann sind es gleich zwei.

Marie und Berta strahlen beim Betreten des Raumes eine Ruhe aus, die sofort Vertrautheit schafft, so dass Berührungsängste erst gar nicht aufzukommen scheinen. „Schönes Mädchen“, ist aus der einen Seite der wartenden Runde zu hören, als Anette Spies und Diana Scheack die beiden Besucher-Ponys für erste Streicheleinheiten herumführen. „Ich habe viel mit Tieren gemacht in der Landwirtschaft“, ist aus der anderen Ecke zu hören. „Das ist Berta“, erklärt Diana Scheack. „Sie ist noch jung und deshalb etwas forsch. Sie hat auch ein Handicap, nämlich einen Unterbiss. Deshalb grinst sie immer.“ 

Mini-Shettys können über 30 Jahre alt werden, erzählt Anette Spies. Es sei daher wichtig, dass die Tiere etwas zu tun bekommen. Viele Besitzer würden die Ponys einfach nur auf die Wiese stellen. Dies will man im Friesenstall Anzhausen nicht machen, weshalb sich Anette Spies mit ihrem Team dazu entschieden hat, sich täglich mit den drei Ponys zu beschäftigten, damit sie als Besucher-Ponys anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern können. Dies macht das Team des Friesenstalls Anzhausen ehrenamtlich für den Verein „Equus et humanitas“, der sich über Spenden finanziert. Außerdem ist der Stall in Anzhausen deutschlandweit der einzige offizielle Stützpunkt für die Ausbildung weiterer Besucher-Pony-Teams.

Nach der Begrüßungsrunde und den ersten Streicheleinheiten dürfen die Senioren jetzt auch selbst bei der Pflege der Tiere anpacken. „Wer will denn nachher bürsten?“, fragt Anette Spies in die Runde. „Freiwillige vor.“ Mit sanften Bewegungen werden Berta und Marie im Anschluss von einigen „Mutigen“ vom Staub befreit. Dabei fällt jemandem auf, dass unter dem braunen Fell von Berta noch eine hellere Schicht sichtbar wird. „Wenn Berta ihr Sommerfell bekommt, dann ist sie weiß“, erklärt Diana Scheack. Nach dem Bürsten dürfen Berta und Marie auch noch herumgeführt werden.

In der Tagespflege Villa Bohn in Deuz ist der Besuch von Tieren nichts Ungewöhnliches. Lucky, der 13-jährige Border Collie von Betreuungsassistentin Heike Jung, ist schon regelmäßig zu Besuch. Ponys sind aber noch nie vorbeigekommen. „Alle Gäste finden die Idee vom ,Pferd auf dem Flur‘ sehr spannend und so freuen wir uns als erste Einrichtung im Siegerland den Ponybesuch zu fördern“, sagte Heike Jung. „Man aktiviert so die Menschen, selbst schwerst demente“, erklärt Jung. „Es motiviert sie, sich zu bewegen und Kontakt zu den Tieren aufzunehmen. Das ist teilweise zu den Menschen nicht mehr möglich.“ 

Die Interaktion mit den Tieren könne zudem „sehr positive Gefühle bei unseren Gästen wecken“. Erfolgserlebnisse wie das Putzen, Füttern oder gar Führen des Tieres stärken das Selbstwertgefühl. „Demenziell veränderte Gäste empfinden das warme und weiche Fell, die Nähe der ruhigen, gut ausgebildeten Tiere, als besonders schön und beruhigend“, sagt Jung abschließend.

Zum Abschied bekommen Berta und Marie noch von jedem Besucher der Tagespflege eine Karotte, bevor sie nach etwa einer Stunde wieder den Heimweg antreten. Sie dürfen aber gerne wiederkommen.

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