Was aus einem Flugzeug nach der Ausmusterung wird

Vom Airbus zur Cola-Dose: So wird ein A310 am Flughafen Paderborn/Lippstadt recycelt

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Büren - Ein Airbus A310 wurde ausgemustert. Seine Zeit in der Luft ist nach 18.000 Flügen vorbei. Am Flughafen Paderborn/Lippstadt wird das Flugzeug nun recycelt. Wie seine Einzelteile in Zukunft weiterverwendet werden sollen und wo man sie eventuell sogar in die Hände bekommt.

Der Airbus A310 steht in einem Hangar am Flughafen Paderborn/Lippstadt. „Zwischen 20 und 30 Jahre“ sei er alt – eine Zeit, die für ihn am Ende doch wie im Flug verging. Nach rund 18.000 Starts und Landungen ist Schluss. Der riesige Hangar wird zum Schlachthaus. Und seine Schlächter sorgen dafür, dass die unzähligen Einzelteile des A310 weiterleben werden. Vielleicht sogar als Cola-Dose.

Jörg Maron ist Technischer Leiter des „Flugzeug-Schlachthauses“. Er ist Geschäftsführer und Technical Managing Director der German Aircraft Maintenance GmbH (GAM). Die GAM ist das einzige in Deutschland ansässige Unternehmen, das Flugzeuge bis auf die letzte Schraube recycelt. Europaweit gibt es nur knapp vier Mitbewerber.

Ein Airbus A310 wird am Flughafen Paderborn/Lippstadt recycelt - wir waren dabei

Seit März 2016 hat die GAM ihren Sitz am Flughafen Paderborn/Lippstadt. Dort hat sie zwei Kernaufgaben: Die „Line Maintenance“ und die „Base Maintenance“. Bei der „Line Maintenance“ handelt es sich um kleinere Wartungsarbeiten, die zwischen den einzelnen Flügen im laufenden Betrieb direkt am Flughafen erledigt werden. Für die „Base Maintenance“, zu der neben Triebwerks- oder Fahrwerkswechseln eben auch das Recycling ganzer Flugzeuge gehört, steht ein 4000 Quadratmeter großer Hangar mit acht Außenstellplätzen zur Verfügung.

Was zurück in den Flugbetrieb kommt und was nicht

Mit der Landung des Airbus A310 startete am 8. Mai das erste Recyling-Projekt der Firmengeschichte. Nachdem die Bürokratie erledigt war, wurden zunächst alle Funktionen der Maschine auf Herz und Nieren getestet. „Wir mussten überprüfen, welche Flugzeugteile noch funktionsfähig und damit zertifizierbar und verkaufbar sind“, erklärt Jörg Maron. Alle übrigen Teile, insbesondere das Aluminium, werden nicht als Ersatzteile zurück in den Flugbetrieb gebracht, sondern auf andere Art und Weise recycelt.

Der riesige Hangar macht die Maschine zum Spielzeug

„Die rund 40 Tonnen Aluminium werden wir vielleicht in Form von Cola-Dosen wiedersehen“, nennt Maron eine Möglichkeit, welchen weiteren Weg Teile des Airbus nehmen könnten. Vor rund einer Woche startete die Demontage: Der A310 ist noch klar als solcher zu erkennen. Er ist fast 47 Meter lang und hat eine Spannweite von 44 Metern – trotzdem wirkt er im Hangar am südwestlichen Ende des Flughafen-Campus wie ein Spielzeug. „Hier würde noch einer reinpassen. Vom Typ A319 könnten wir sogar drei Maschinen gleichzeitig unterbringen“, erklärt Jörg Maron. 

Jörg Maron und seine besondere Bindung zum A310

Der 55-jährige Flugzeug-Spezialist, der gebürtig aus Bremen kommt, wagte mit 16 Jahren den Schritt in die Branche und hat in ihr Karriere gemacht. Vor allem zum vor ihm stehenden Airbus A310 hat er eine ganz spezielle Bindung: „Anfang der 1980er Jahre war ich am Bau des Prototyps beteiligt“, erzählt er. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum er den Handgriffen seiner Mitarbeiter mit konzentriertem und teilweise kritischem Blick folgt. Gerade lösen vier seine Monteure mit Hilfe eines Krans die zweite Turbine von ihrer Tragfläche. Die Triebwerke zählen zu den „High Cost“-Teilen der Maschine.

Dieses "High Cost"-Teil hat bereits einen Käufer

Der Auftraggeber und Eigentümer des Flugzeugs, die schweizer Firma Aero-Sky, wird jedes der beiden Triebwerke später für schätzungsweise 1,5 Millionen Euro weiterverkaufen. Abnehmer: Fluggesellschaften auf der Suche nach Ersatzteilen. Das „Radom“, die Nase des Flugzeugs, in der beispielsweise die Radar-Antennen untergebracht sind, hat bereits einen Käufer gefunden – es zählt ebenfalls zur „High Cost“-Kategorie. Doch auch für vermeintlich banale Gegenstände gibt es einen strengen Kontroll-Vorgang, ehe sie zum Verkauf an zertifizierte Händler und somit als mögliche Ersatzteile freigegeben werden können. 

Dazu zählen beispielsweise die 220 Sitze, von denen die meisten bereits ausgebaut und sortiert im GAM-Hangar stehen. 

Sieben Tonnen Kerosin und 300 Liter Hydrauliköl

Dass das Flugzeug auch nach Jahrzehnten noch in einem sehr guten Zustand war, zeigt unter anderem die Tatsache, dass bislang „nur ein oder zwei Computer“ aussortiert werden mussten. „Bei Funktionstests hatten sie Fehler angezeigt. Unser Auftraggeber muss nun entscheiden, ob sie repariert oder entsorgt werden sollen“, erklärt Jörg Maron. Fachgerecht entsorgt werden müssen auch etwa sieben Tonnen Kerosin und rund 300 Liter Hydrauliköl, die nach der letzten Landung des Airbus noch in Tanks und Leitungen schlummern. 

Bis Ende August will die GAM das Flugzeug komplett recycelt haben: „Dann werden wir weit mehr als 1000 funktionsfähige Teile ausgebaut haben. Etwa 40 Tonnen Aluminium wurden dann der Wiederverwertung zugeführt. Das Flugzeug ist verschwunden und es wird kein Parkplatz benötigt.“

Quelle: wa.de

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