Qualvolle Fesselung

Angelhaken spießt Möwe auf: Vogel wird befreit, stirbt aber trotzdem

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Die Steppenmöwe hatte sich mit einem Bein und dem Oberschnabel so unglücklich in den Angelhaken verfangen, dass sie nur noch auf dem Rücken liegen konnte.

Bad Sassendorf/Hamm – Furchtbarer Fund im Gewerbegebiet Uentrop an der A2: Eine Steppenmöwe hatte sich mehrfach in einem Angelköder mit Drillingshaken und künstlichem Fisch verfangen. Ein Haken bohrte sich durch ein Bein, ein anderer durch den Schnabel. Trotz schneller tierärztlicher Hilfe starb das Tier. Es gibt eine Vermutung, warum.

  • Eine Möwe hat sich mit einem Angelköder aufgespießt - durch Bein und Schnabel.
  • Helfer fanden das Tier und brachten es zum Tierarzt. 
  • Die Arbeitsgemeindschaft Biologischer Umweltschutz appelliert an Angler.

Müll hat in der Natur nichts zu suchen, und wie gefährlich Plastikmüll und andere Hinterlassenschaft menschlicher Gerätschaften in der Umwelt sein können, darüber können die Experten der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) mit Sitz in Bad Sassendorf und der Soester Tierzarzt Dr. Dieter Hegemann aus langjähriger Erfahrung berichten.

Mit einem besonders schlimmen Fall haben die ABU und der Tierarzt jetzt zu tun gehabt, eine Steppenmöwe hatte sich mehrfach in einem Angelhaken verfangen - was den Vogel komplett bewegungsunfähig gemacht hatte. Gefunden wurde die Möwe in dieser misslichen Situation im Gewerbegebiet Uentrop an der A2. Dort gibt es ein regelmäßig besetzten Möwenschlafplatz, berichtet Petra Salm von der ABU. 

ABU-Mitarbeiter bringen Möwe zum Tierarzt

Die Möwe wurde von den Mitarbeitern der ABU abgeholt und zu dem Soester Tierarzt Dr. Hegemann gebracht. Bei dessen Untersuchung stellte sich heraus, dass die Möwe sich in einem Angelköder mit mindestens zwei Drillingshaken und versehen mit einem künstlichen Fisch verfangen hatte.

Wahrscheinlich habe sich zuerst ein Haken in das linke Bein gebohrt. Als die Möwe dann versuchte, den Fremdkörper mit dem Schnabel zu entfernen, bohrte sich der andere Haken durch den Oberschnabel. Dies führte zu einer qualvollen Fesselung und machte den Vogel völlig bewegungsunfähig, berichtete die ABU. 

Der künstliche Köder in Fischform wies mindestens zwei Drillingshaken auf.

Wäre die Möwe nicht gefunden worden, hätte das womöglich noch schneller deren Tod bedeutet. Der ereilte die Möwe allerdings trotz der Hilfe durch den Tierarzt. 

Die Angelhaken ließen sich zwar problemlos entfernen, am Bein blieb aber eine tiefe Schnittwunde. Schlimmer noch: Die Möwe verweigerte jegliche Futteraufnahme und verstarb am zweiten Tag. 

Möwe hat womöglich einen weiteren Haken geschluckt

Hegemann vermutet, dass das Tier noch einen weiteren Haken oder eine Angelschnur geschluckt hat und ein Darmverschluss zum Tode führte, denn ein so großer Vogel verhungere normalerweise nicht in zwei Tagen. „Die Möwe hat jegliches Futter verweigert“, berichtete Hegemann, „ich habe extra Fische aufgetaut, aber sie wurden immer wieder ausgewürgt.“ 

Daher sei nahe liegend, dass der Vogel wegen eines Darmverschlusses oder ähnlichem nichts hinunter schlucken konnte. Ein Röntgenbild habe aber keine genauen Erkenntnisse gebracht, derzeit liegt die tote Möwe bis auf weiteres in der Tiefkühltruhe

Dringender Appell an Angler

Hegemann und ebenso die ABU verbinden mit dem Fall einen dringenden Appell an alle Angler, künstliche Köder, Angelhaken oder Schnüre nicht achtlos zurück zu lassen. 

Wenn sich eine Angelschnur verheddert hat, sei es vielleicht schwierig, die Reste und den Haken zu bergen, für Tiere bestehe jedoch schnell eine tödliche Gefahr. 

Hund verfängt sich in Angelhaken - Zunge durchbohrt

Ähnliche Fälle aus der Praxis des Soester Tierarztes zeigen dies. So musste Hegemann vor Jahren einen Hund in Narkose versetzen, der sich im Haus seines Herrchens in mehrere Angelhaken verfangen hatte, unter anderem war die Zunge des Hundes durchbohrt

Ziemlich aktuell ist der Fall eines jungen Igels, der in Soest gefunden wurde, er hatte sich in einem Plastikbecher verfangen und wäre ohne Hegemanns Hilfe wohl qualvoll verendet.

Plastik - ein Riesen-Problem in der Umwelt

Plastik stellt generell ein Problem in der Umwelt dar“, betont Petra Salm. Müll, Plastikbecher, Gläser oder Gummiringe könnten schnell zu tödlichen Fallen für viele Tiere werden, gerade auch deshalb, weil zum Beispiel Vögel weiches Plastikgeflecht aus dünnen Schnüren gerne für geeignetes Material für den Nestbau halten. 

Oft verschlucken die Tiere Plastik aber auch beim Fressen. So kann sich Hegemann an einen Schwan erinnern, dem die verschluckten Angelschnüre nur so aus dem Schnabel heraus hingen.

Schlimme Entdeckung

Einen schrecklichen Fund mussten im Frühjahr auch Spaziergänger in Bielefeld machen. Sie fanden einen toten Hund - in Bettlaken gewickelt - in einem Teich.

Im Januar war die Feuerwehr Bad Sassendorf zum dortigen Kurpark-Teich ausgerückt. Ein besorgter Spaziergänger hatte gemeldet, dass ein schwarzer Schwan auf der Eisfläche festgefroren sei.

Quelle: wa.de

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