Eine Tat im Affekt?

Messer-Angriff an Soester Gymnasium: Beschuldigter Schüler auf freiem Fuß

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Im Februar gab es im Aldegrever-Gymnasium einen lebensgefährlichen Disput zwischen zwei Jugendlichen. 

Soest - Die beinahe tödliche Messerattacke vor dem Schulkiosk im Aldegrever-Gymnasium Mitte Februar ist womöglich im Affekt passiert. Dies wurde nun bekannt.

Ein forensisch-psychiatrischer Gutachter hat den beschuldigten 16-jährigen Schüler untersucht und kommt zu dem Schluss, dass Steuerungs- und Einsichts-Fähigkeit des Jugendlichen bei der Tat eingeschränkt gewesen sein könnten. Der 16-Jährige ist seit wenigen Tagen wieder auf freiem Fuß und hält sich bei seinen Großeltern fernab von Soest auf. 

In der ersten großen Pause am Freitag, 17. Februar, war es zum Streit zwischen mutmaßlichem Täter und Opfer gekommen. Die beiden kannten sich gut, sagt Staatsanwalt Thomas Schmelzer, der die Ermittlungen leitet. Das Opfer, ein 17 Jahre alter Mitschüler, sei womöglich eifersüchtig auf seinen Kontrahenten gewesen. Der Ältere habe den Verdacht gehabt, der Jüngere könnte sich womöglich mit seiner Freundin eingelassen haben. 

Der Disput schaukelte sich schnell hoch, es kam zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Als der 17-Jährige den Jüngeren wegschubste, habe der ein Klappmesser gezogen und es dem Mitschüler in die Brust gestoßen, so der Stand der Ermittlungen. Das Bild, das sich den Ermittlern darstellt, ist inzwischen recht scharf, sagt der Staatsanwalt. „Es gibt genügend Zeugen, wir sind mit den Vernehmungen durch.“ 

Auch wenn der Beschuldigte selber gegenüber der Polizei keine Angaben macht, hat er doch bei seiner psychiatrischen Untersuchung dem Arzt die Situation geschildert. „Er räumt das Tatgeschehen im Wesentlichen ein“, sagt Schmelzer, nur an das Zustechen könne er sich nicht erinnern. Der Messerstich in den Brustkorb verfehlte das Herz nur minimal; nur dank des schnellen Einsatzes der Ersthelfer, des Notarztes und einer sofortigen Operation konnte das Leben des Alde-Schülers gerettet werden. 

Er hat schon wenige Tage nach der Attacke das Krankenhaus verlassen können und nimmt wieder am Unterricht teil. Der mutmaßliche Täter, der noch in der Schule festgenommen worden war, saß vorübergehend in einer Untersuchungs-Haftanstalt, wechselte danach in die Jugendpsychiatrie nach Hamm und war anschließend bis vergangenen Freitag in einer U-Haft-Vermeidung-Einrichtung in Iserlohn untergebracht. 

Die Ermittler werden nun in den nächsten Wochen zu klären haben, ob sie den 16-Jährigen wegen verminderter Schuldfähigkeit anklagen werden. Sollten sie wegen einer möglichen Affekttat zu dem Schluss gelangen, der Schüler sei gar nicht schuldfähig, müssten sie das Ermittlungsverfahren einstellen und den Tatverdächtigen in psychiatrische Behandlung übergeben. 

Quelle: wa.de

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