Interview

Leben mit Zero Waste: Bloggerin Shia Su hinterlässt keinen Müll

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Der Rest- und Plastikmüll eines Jahres von Shia Su und ihrem Mann Hanno passt in ein Einmachglas.

Köln - Bloggerin und Autorin Shia Su (34) lebt seit vier Jahren nach dem Zero-Waste-Prinzip und gibt auf ihrem Blog „Wastelandrebel“ Erfahrungen und Tipps zur Müllvermeidung im Alltag. Der Abfall, den sie und ihr Mann Hanno in einem Jahr verursachen, passt in ein Einmachglas.

Über ihr Leben ohne Müll hat sie das Buch „Zero Waste – weniger Müll ist das neue Grün" geschrieben.

Wie bist du zu Zero-Waste gekommen? 

Shia Su: Es war irgendwann 2014, es gab keinen wirklichen Startschuss. Mein Mann und ich haben einfach beschlossen, konsequenter Müll zu vermeiden. Zero-Waste war dabei gar nicht unser Ziel, da sind wir dann einfach reingeschlittert. Schnell habe ich festgestellt, dass es viel angenehmer war, als ich es mir vorgestellt hatte. 

Ich dachte, die Leute würden mich komisch angucken, aber genau das Gegenteil war der Fall. Wir haben auf dem Wochenmarkt eingekauft und in Bioläden. Alle waren super nett und offen – manche Bioläden haben angefangen uns Dinge unverpackt zu verkaufen, andere haben sogar eine eigene Unverpacktabteilung eingerichtet. Das hat uns motiviert, weiterzumachen.

Selbstversuch: Eine Woche ohne Plastik - Geht das?

Ihr achtet nicht nur bei Lebensmitteln auf die Plastikvermeidung, auch im Haushalt und bei der Kosmetik. Wie lange hat es gedauert, bis ihr da fast ohne Müll leben konntet? 

Shia Su: Mindestens ein Jahr. Wir haben uns immer weiter vorgetastet, neue Dinge ausprobiert. Bei manchen Sachen musste ich erst über meinen eigenen Schatten springen, wie zum Beispiel beim Haarewaschen mit Roggenmehl. Dann habe ich aber festgestellt, dass es für mich mit meinem Schuppenproblem sogar besser ist. 

Fürs Einkaufen haben wir ein System ausgearbeitet. Einmal in der Woche kaufen wir auf dem Markt alle frischen Lebensmittel ein, alle vier bis acht Wochen alles andere in einem Unverpackt-Laden. So ist es jetzt sogar stressfreier als zuvor. 

Hier geht's zu Shias Blog Wastelandrebel

Stoßt ihr dabei auch an Grenzen, wo Plastikvermeidung einfach nicht möglich ist? 

Shia Su: Es geht, finde ich, gar nicht darum, überall Plastik zu streichen. Es geht nur darum, keine unnützen Dinge zu kaufen, wie Einwegbehälter. Ich habe allergisches Asthma und trage deshalb immer einen Inhalator mit mir herum, der besteht zum Teil auch aus Plastik.

Anfangen, wo es am einfachsten ist

Hast du Tipps für Leute, die erst mal klein mit dem Müll-Sparen anfangen wollen? 

Shia Su: Einfach anfangen, wo es am einfachsten ist. Viele Dinge kann man streichen, denn die bringen einem ja gar keine Lebensqualität. Zum Beispiel ungewollte Werbepost. Einen Sticker mit „Keine Werbung“ an den Briefkasten kleben und fertig. 

Zum Einkaufen den Stoffbeutel mitnehmen, einen Coffee-To-Go-Becher für den Kaffee zwischendurch und eine nachfüllbare Flasche für Wasser. Um sie am Anfang nicht zu vergessen, kann man die Sachen einfach unter den Haustürschlüssel legen. Irgendwann ist es so wie mit dem Regenschirm: Wenn man denkt, es wird regnen, steckt man einen ein. 

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I think it was almost three years ago when we decided to only buy locally grown seasonal produce. It was one of our new year’s resolutions , and guess what? We failed miserably ! • We had no clue about what was when in season. Besides, starting in the middle of winter ⛄️ was the worst timing we could have chosen! Winter just isn’t the season of rich harvests after all … • What we also didn’t take into account was: access. We quickly realized even health food stores (and we were lucky there were health food stores to begin with!!) usually source their produce from all over the globe. Back then I was working night shifts at a sports bar until 4AM, so going to the farmers market (where farmers were mostly reselling produce anyway) was difficult for me, and without a car ❌ we couldn’t join any of the local CSA farms ‍. • We decided to not get discouraged, and downloaded a seasonal produce calendar. Meanwhile, we found a health food store that made sure to put the name and address of each farm next to the produce, so we went for what was “most locally grown”, which sometimes meant another country. • Granted, Germany’s not that big of a landmass—only half the size of British Columbia and about the size of Montana. Fun fact: Due to smaller country sizes what’s perceived as an acceptable amount of food miles in Europe is very different from North America or Australia. • My point is: It’s not about perfection. And sometimes it’s just beyond your control. Be kind to yourself and don’t let it discourage you! Do your best—and who knows, you might discover an option out there you hadn’t known about, like urban farming or a grocer that sources from local farmers!

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Was machst du, wenn du deinen To-Go-Becher mal vergisst? 

Shia Su: Einfach ins Café setzen. Das mache ich mittlerweile ganz gerne, selbst wenn ich den Becher dabei habe. Oder ich leihe mir einen Becher von meinen Freunden. 

Deine Freunde machen auch mit?

Shia Su: Ja, es hat abgefärbt. Auch auf meine Familie. Meiner Mutter ist es zwar unangenehm, mit Wäschenetz einkaufen zu gehen, aber dafür benutzt sie die Plastiktüten aus den Geschäften immer wieder. Das finde ich in Ordnung, schließlich ist es ja auch nachhaltig.

Quelle: wa.de

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