Angeklagter übernimmt Verantwortung

Drei Tote bei Unfall: Lkw-Fahrer hatte schon einmal Fahrverbot

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[Update 17.37 Uhr] Rheine - Horrorfahrt auf der Bundesstraße: Drei Menschen sterben, als der Anhänger eines entkommenden Lkw auf die Gegenfahrbahn kippt. Dessen Fahrer steht nun vor Gericht.

Ein dreiviertel Jahr nach einem schweren Lkw-Unfall mit drei Toten im Münsterland hat der Lasterfahrer sich vor Gericht zu seiner Verantwortung bekannt. "Mein Mandant übernimmt die uneingeschränkte Verantwortung für das Geschehen", sagte der Verteidiger des Angeklagten am Dienstag zum Prozessbeginn. 

Der Fahrer selbst zeigte Reue: "Ich möchte sagen, wie unendlich leid mir das tut." Im Gerichtssaal gab es heftige Reaktionen. Ein Nebenkläger rief dazwischen: "Das bringt mir meine Tochter auch nicht wieder." 

Der 24-Jährige soll laut der Anklage zum Zeitpunkt der Tat völlig übermüdet gewesen sein. Mehrere Zeugen berichteten, dass er kurz vor dem Unfall mit seinem Silozug Schlangenlinien auf einer Bundesstraße fuhr. 

"Ich wollte ihn überholen, aber ich habe Angst gehabt und habe es dann gelassen", sagte ein Zeuge, der hinter dem Lastzug fuhr. Der Polizist, der den Fahrer nach dem verheerenden Unfall vernahm, sagte aus: "Der Angeklagte hat einen Eindruck gemacht, als sei er nicht von dieser Welt." 

Tragischer Unfall auf der B54 im Münsterland

An seinen Freund schrieb der Mann vor dem Unfall per SMS, dass er nur zwei Stunden geschlafen habe. Das geht aus dem SMS-Verkehr hervor, der dem Gericht vorlag. 

Die Gutachter bestätigten Zeugenaussagen, nach denen der Fahrer zuvor Schlangenlinien gefahren ist. "Die Geschwindigkeit geht rauf und runter", sagte ein Gutachter. "Das passt mit den Zeugenaussagen zusammen, dass es hier eine abgelenkte Fahrweise gab." 

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Bei der Beweisaufnahme wurde dann auch bekannt, dass der Fahrer vor dem Unfall schon einmal ein Fahrverbot von vier Wochen hatte. Grund sei überhöhte Geschwindigkeit gewesen, verlas die Richterin.

Der Arbeitgeber des Angeklagten sagte, dass sein Mitarbeiter die Pausenzeiten wohl eingehalten habe. Die Schicht des angeklagten Fahrers habe von Mitternacht bis etwa 14 Uhr gedauert. Ob die vorgeschriebenen Pausenzeiten tatsächlich auch eingehalten worden sind, blieb am ersten Verhandlungstag jedoch unklar. 

Der Aussage eines Landwirtes zufolge hat der 24-Jährige bei ihm am Tag vor dem Unfall von 19 Uhr bis mindestens 21 Uhr ausgeholfen. Dann begann um Mitternacht schon wieder die neue Schicht in der Spedition, in der es dann am Morgen gegen 6 Uhr zu dem schweren Unfall kam. 

Rund ein Dutzend Zeugen wurden vernommen. "Wir waren auf dem Weg zur Arbeit und plötzlich ist ein Lkw auf unser Auto draufgefallen", berichtete eine immer noch fassungslose Zeugin, die eines der Autos steuerte, die dem plötzlich auf ihre Fahrbahn fliegenden Anhänger nicht mehr ausweichen konnten. 

Mit ihr im Auto waren drei Kolleginnen - eine von ihnen kam uns Leben. Mehrere Zeugen sagten, dass sie immer noch in psychologischer Behandlung seien. 

Bei dem Unfall auf der Bundesstraße 54 waren Anfang September 2016 drei Menschen ums Leben gekommen. Sie wurden tödlich verletzt, als ihre Fahrzeuge gegen den Anhänger des Lastwagens prallten, der auf die Gegenfahrbahn gestürzt war. Drei weitere Menschen, darunter der Fahrer des Lastzugs, wurden verletzt. 

Der nächste Verhandlungstermin in dem Prozess ist am 20. Juni - nach Angabe der Richterin wird dann voraussichtlich auch ein Urteil fallen. - dpa

Quelle: wa.de

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