Tarifkonflikt im Einzelhandel: Hoffnung auf Durchbruch

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Düsseldorf - Im seit Wochen fest gefahrenen Tarifkonflikt im deutschen Einzelhandel ruhen die Hoffnungen auf einem weiteren Einigungsversuch am kommenden Montag in Baden-Württemberg.

Sollte dort ein Durchbruch gelingen, wäre dies zumindest eine Orientierung für die Löhne und Gehälter von bis zu drei Millionen Beschäftigten im bundesdeutschen Einzelhandel.

Direkt verhandelt wird in einem komplizierten System jedoch zunächst einmal nur für die jeweiligen Beschäftigten in einem von bundesweit 14 Tarifbezirken. Bei einem Durchbruch in einem anderen Tarifbezirk hatten die Arbeitgeber in NRW zuletzt auch Verhandlungen über eine Übernahme eines solchen Abschlusses auch für das Bundesland angeboten. In NRW geht es bei den Verhandlungen um knapp 700 000 Beschäftigte, von denen jedoch nur eine Minderheit in Unternehmen mit einer festen Tarifbindung arbeitet. 

Nach wochenlangen Verhandlungen liegen die Nerven auf beiden Seiten mittlerweile blank: Nach einem gescheiterten Einigungsversuch in der vergangenen Woche in Nordrhein-Westfalen drohte Verhandlungsführerin Silke Zimmer umgehend mit einem "heißen Sommer" mit weiteren Streiks und Aktionen. Ein von den Arbeitgebern in Nordrhein-Westfalen vorgelegtes verbessertes Angebot war von der Gewerkschaft ebenso nachdrücklich zurückgewiesen worden, wie eine weitere Offerte bei den Verhandlungen am vergangenen Freitag in Bayern. Angesichts der zähen Verhandlungen steigt mittlerweile auch im Arbeitgeberlager die Nervosität. Der Deutschland-Chef des Discountriesen Lidl, Marin Dokozic, forderte in einem Interview mit der "Heilbronner Stimme" eine "schnelle Lösung" und eine "deutliche Tariferhöhung" für die Mitarbeiter. 

Der Einzelhandel befinde sich in einem intensiven Wettbewerb um gute Mitarbeiter, argumentierte der Manager. Vor diesem Hintergrund befürworte das Unternehmen deutliche Tariferhöhungen um jeweils drei Prozent in diesem und dem kommenden Jahr. Mit seinem ungewöhnlichen Vorstoß setzt der wichtige Handelsmanager und Chef von 78 000 Mitarbeitern die Arbeitgeber unter Druck, die zuletzt in Nordrhein-Westfalen und Bayern eine Anhebung in zwei Schritten mit 2,0 Prozent sowie 1,8 Prozent angeboten hatten. Beim Handelsverband Deutschland wollte man diesen Schritt nicht kommentieren, der das aktuelle Dilemma der Branche widerspiegelt. 

Während Experten immer wieder die Bedeutung von guter Beratung und qualifiziertem Personal im Kampf mit dem boomenden Onlinehandel betonen, stehen wenige erfolgreiche Händler beim Kampf ums Überleben mittlerweile unter einem massiven Kostendruck. In Nordrhein-Westfalen fordert die Gewerkschaft eine Anhebung der Löhne und Gehälter um einen Euro pro Stunde, während die Ausbildungsvergütungen um 100 Euro pro Monat steigen sollen. In den anderen Bezirken sind die Forderungen ähnlich. Zusätzlich setzt sich die Gewerkschaft für eine Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge ein. Tatsächlich arbeitet im Einzelhandel nur noch etwa jeder dritte Beschäftigte in einem Unternehmen, in dem der Tarifabschluss direkt umgesetzt wird. Für alle anderen gilt ein Verhandlungsergebnis zunächst nur als Orientierungsrahmen.

Quelle: wa.de

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