Gladbecker Geiseldrama - Was passiert mit Degowskis Komplize von 1988?

Rösners Entlassung laut Aachener JVA-Leiterin "nicht zu verantworten"

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Der Gladbecker Geiselgangster Hans-Jürgen Rösner sitzt am 11. August 2009 im Amtsgericht in Bochum. Dahinter steht ein Beamter eines Spezialeinsatzkommandos. Rösner musste sich wegen Drogenhandels im Gefängnis verantworten. Er gilt als einer der bekanntesten Schwerverbrecher Deutschlands.

Werl/Aachen - Sie zogen das Ding damals gemeinsam durch. Aber die Entwicklungen der Gladbecker Geiselgangster Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner in der Haft nahmen einen unterschiedlichen Verlauf. Und während der eine, Degowski, nun bald in die Freiheit entlassen werden soll, wird der andere noch lange hinter Gittern bleiben. Für Hans-Jürgen Rösner stehen die Signale auf die erhoffte Freiheit schlecht.

Rösner raus, das sei „zurzeit noch nicht zu verantworten“, sagt die Leiterin der Justizvollzugsanstalt Aachen, Reina Blikslager, auf Anfrage. Zwar laufe ein Antrag Rösners auf vorzeitige Entlassung. Aber zurzeit sei nicht davon auszugehen, dass dem stattgegeben werden kann. 

Denn anders als Degowski habe sich Rösner lange stets allen Behandlungsmaßnamen und Therapien verweigert. Reue habe er anders als sein damaliger Kompagnon auch nicht gezeigt. 

Nun aber gebe es zumindest einen „ersten wichtigen Schritt“, sagt Blikslager: Im November beginne Rösner eine Einzeltherapie. Ein erster Versuch war gescheitert. Was aus dem zweiten Anlauf wird, bleibe abzuwarten. 

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Aber selbst wenn die Maßnahmen sich nun in eine günstigere Richtung wenden, sei eine Entlassung Rösners sicher nicht kurzfristig möglich. Eher sei das eine Frage von Jahren, zumal der prominente Häftling auch eine lange Phase von Vollzugslockerungen durchlaufen müsste, um ihn auf die Freiheit vorzubereiten. 

Der Entführer Hans-Jürgen Rösner beantwortet am 17. August 1988 in Bremen mit einer Pistole in der Hand Fragen von Journalisten. Mit seinem Komplizen Dieter Degowski hatte er in Gladbeck-Rentfort eine Bank überfallen und zwei Geiseln genommen.

Bei Degowski hat das Jahre gedauert. Nach Werl werde er aber nicht verlegt, sagt die Leitende Regierungsdirektorin Blikslager. Darüber wird schon lange spekuliert, weil gegen Rösner die anschließende Sicherungsverwahrung nach der lebenslangen Freiheitsstrafe verhängt worden war und die Sicherungsverwahrung des Landes NRW seit einigen Jahren in Werl in der JVA konzentriert ist. 

Aber: Wenn es bei Rösner einst eine positive Prognose geben würde, dann müsste er nicht in die Sicherungsverwahrung. Fällt die Prognose aber negativ aus, dann bleibe er in Strafhaft, sagt Reina Blikslager. Die Sicherungsverwahrung wird also so oder so nicht zum Tragen kommen. 

Zurzeit sitzt Rösner, der 1988 mit Degowski die Republik beim Gladbecker Geiseldrama in Atem hielt, in der Aachener Abteilung für Strafgefangene mit vorbehaltlicher Sicherungsverwahrung. „Und da bleibt er auch.“ 

Anders als Degowski: Am Dienstag beschloss das Landgericht Arnsberg, ihn nach rund 30 Jahren Haft aus der JVA Werl zu entlassen.

Quelle: wa.de

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