Haft für Busentführer: Entschuldigung an die Opfer

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Hinter einer Aktenmappe verbirgt der Schwerverbrecher und Busentführer Thomas Feldhofer zum Prozessauftakt im Hochsicherheitssaal des Landgerichts in Frankfurt am Main sein Gesicht.

Paderborn - Im Prozess hatte sich der Angeklagte bei den Opfern entschuldigt - doch die seelischen Wunden bleiben. Im vergangenen März hatte der 46 Jahre alte Mann einen Busfahrer am Steuer mit einem Messer bedroht und so zu einer stundenlangen Irrfahrt durch das Weserbergland gezwungen - zeitweise mit fast 40 Polizeiautos im Schlepptau. Anfangs war noch ein Fahrgast mit im Bus. Ihm gelang kurz nach dem Start die Flucht.

Für den Busfahrer aber folgten Stunden der Angst. Spezialkräfte der Polizei beendeten den Spuk, als der Entführer mal musste. Für die Geiselnahme verurteilte das Landgericht Paderborn den Mann am Dienstag zu viereinhalb Jahren Haft. Zuvor muss er sich noch wegen seiner Drogen- und Alkoholsucht behandeln lassen. "Ich hoffe, dass ich dieses Problem in den Griff bekomme", sagte der 46-Jährige. 

Seine Tat hatte der Mann aus Höxter im Prozess zwar eingestanden, abschließend erklären konnte er sein Motiv allerdings nicht. Das Urteil nahm er angespannt und nervös auf. Seine Verteidigerin bestätigte, was auch Zeugen ausgesagt hatten: "Uns ist klar, dass er primär Kontakt zu seiner Ex-Freundin erzwingen wollte." Dazu kam es aber während der Entführung nicht. Fotos der Ex-Freundin mit einem neuen Partner bei Facebook sollen der Auslöser für die Geiselnahme gewesen sein. Auch weitere Schicksalschläge, wie der Tod des Vaters, kamen zur Sprache. 

Und so schwebte im Prozess auch die Vermutung im Raum, dass der Mann sich von den Spezialeinsatzkräften der Polizei erschießen lassen wollte. Zu Tatzeitpunkt hatte er 2,3 Promille Alkohol im Blut und drei verschiedene Medikamente. "Es war unsinnig, irgendwo wollte ich nicht mehr leben", hatte der 46-Jährige am ersten Prozesstag ausgesagt. Nach Ansicht der Anklage hatte er die Entführung sorgfältig geplant und die Tat in seiner Stammkneipe angekündigt. "Heute wird ein lustiger Abend", soll er in die Runde gerufen haben. Im Hosenbund trug er zu diesem Zeitpunkt bereits ein Messer. Die Wirtin hatte ihm die Waffe daraufhin abgenommen. Auf dem Weg zum Bus hatte er sich aber ein neues Tatwerkzeug besorgt. 

Strafmildern bewertete das Gericht die verminderte Schuldfähigkeit des Mannes. Für die Staatsanwaltschaft fiel die Planung der Tat negativ ins Gewicht. Sie hatte deshalb ein halbes Jahr mehr Haft gefordert, sich damit aber nicht durchsetzen können. Die Verteidigerin hatte in ihrem Plädoyer kein Strafmaß genannt.

Quelle: wa.de

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