Nach tödlichen Schüssen in Hessen

Attentäter von Hanau traf sich mit NRW-Detektei in Dortmund: "Uns war nicht klar, dass Bluttat daraus entsteht"

Nach dem Terror-Anschlag von Hanau kommen weitere Details ans Tageslicht. Demnach soll Attentäter Tobias R. ein Treffen in Dortmund abgehalten haben.

  • Immer mehr Details zum Attentäter von Hanau kommen nach der unfassbaren Bluttat zum Vorschein. 
  • Auch in Dortmund soll Tobias R. kürzlich gewesen sein.
  • Er soll dort Kontakt mit einer Detektei aus Wuppertal gehabt haben.

Update, Samstag (22. Februar), 10.26 Uhr: Nach den schrecklichen Taten in Hanau zeigen die Menschen in erneuten Mahnwachen in NRW ihre Anteilnahme. Wie der WDR berichtet wurden in Bonn am Freitagnachmittag (21. Februar) die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Außerdem sei der geplante Karnevalsempfang abgesagt worden, um ein Zeichen zu setzen, "dass es in Deutschland so nicht weitergehen könne." Auch in Dortmund fand eine Mahnveranstaltung statt. 

Attentäter von Hanau litt unter Verfolgungswahn

Update, Freitag (21. Februar), 13.37 Uhr: Dortmund - Neue Wendung im Fall Tobias R. nach dem Attentat mit mehreren Todesopfern in Hanau! Wie eine Detektei namens "Kurtz" aus Wuppertal gegenüber RUHR24.de angibt, habe der Attentäter von Hanau bereits im Juni 2019 Kontakt zu der Detektei aufgenommen. R. habe sich demnach von allen Seiten verfolgt gefühlt und sei insbesondere der Überzeugung gewesen, dass die Welt von einer Geheimorganisation unter amerikanischer Führung geleitet werde, von der in Deutschland nur Angela Merkel Kenntnis habe, gibt Geschäftsführer Patrick Kurtz gegenüber unserer Redaktion an.

Tobias R. hatte laut Angaben der Detektei Kenntnis davon erlangt, dass Ermittler des Unternehmens aus Wuppertal über gute Behördenkontakte verfügten. "Er wollte, dass wir ihm einen Kontakt zum BND und diversen anderen staatlichen Organisationen vermitteln. Dieses Anliegen lehnten wir ab", sagt Unternehmensleiter Patrick Kurtz. Hintergrund sei gewesen, dass R. gedacht habe, nur er, der BND und Merkel wüssten über eine Verschwörung Bescheid, wonach der Geheimdienst der USA das Geschehen auf der Welt bestimme.

Kurtz zufolge sei es im Oktober 2019 zu einem Treffen zwischen R. und der Detektei aus dem Bergischen Land gekommen. Das Treffen habe in Dortmund stattgefunden, im Dieckmann's an der Wittbräucker Straße im Süden der Stadt. R. habe sogar das Manifest, das Ermittler nach der blutigen Tat von Hanau fanden, bereits dabei gehabt. Daraus hätte er dem Ermittler der Detektei - der aus Unna stammt - Passagen daraus vorgelesen.

"Im Termin wurde allerdings schnell klar, dass er unter Verfolgungswahn und weiteren psychologischen Problemen/Störungen litt", so Kurtz. Und weiter: "Wir haben solche Problemfälle fast täglich, aber man denkt natürlich nicht, dass dann einmal so eine Bluttat daraus entsteht, zumal Herr R. keinerlei Anzeichen von Gewaltbereitschaft zeigte."

Attentäter von Hanau traf sich mit Detektei aus Wuppertal in Dortmund

Vorwürfe, die Detektei hätte die zehn Opfer von Hanau verhindern können, macht sich Patrick Kurtz aber nicht. "Wenn wir jeden Schizophrenen melden würden, der sich hier bei uns in der Detektei meldet, würde die Polizei täglich einen Anruf von uns bekommen", sagt der Unternehmensleiter gegenüber RUHR24. Zwar habe Tobias R. wirre Theorien vorgetragen, sei dabei aber gleichzeitig "eloquent und intelligent" rübergekommen. Zu dem Termin in Dortmund sei er im Anzug und frisch frisiert erschienen.

Im Gespräch mit R. erlangte die Detektei aus Wuppertal die Information, dass der spätere Attentäter von Hanau einen Freund gehabt haben soll, mit dem er sich über seine Gedanken ausgetauscht habe.

Attentat von Hanau: BVB-Kapitän Marco Reus äußert sich zu Todes-Attacke

Update, Freitag (21. Februar), 11.07 Uhr: Zwei Tage nach der Terrorattacke von Hanau hat sich nun auch Marco Reus, Kapitän des BVB und Nationalspieler, geäußert. Gegenüber T-Online.de sagte er, Werte wie Toleranz, Respekt und Weltoffenheit seien ihm schon früh von zu Hause mit an die Hand gegeben worden. Bereits im Kindesalter sei er mit Mitspielern verschiedener Nationen und Religionen in Kontakt gekommen. 

Weiter heißt es von Marco Reus: "Ich habe Mitspieler aus der Schweiz, aus Marokko oder Argentinien, ich habe Freunde und Fans auf der ganzen Welt, ich habe andere Länder und Kulturen kennenlernen dürfen. Kein Tor, kein Sieg, kein Titel im Fußball bedeutet mir so viel wie eine offene und friedliche Gesellschaft. Ich wünsche mir eine tolerantere Welt, in der kein Platz für Rassismus, Hass und Fremdenfeindlichkeit ist."

Nach Hanau-Attacke: Demos in Dortmund

Update, Donnerstag (20. Februar), 16.26 Uhr: Dortmund - Nach der blutigen Tat von Hanau wollen Menschen in Dortmund auf die Straße gehen und gegen "rassistische Hetze und ihre mörderischen Konsequenzen" demonstrieren. Die Demonstration, die von der Antifa initiiert wurde, soll am Donnerstagabend (20. Februar) um 19 Uhr auf dem Friedensplatz in Dortmund stattfinden.

Auch am Freitag (21. Februar) erwartet Dortmund eine Demonstration, die sich auf die offenbar rechtsextreme und ausländerfeindliche Tat von Hanau bezieht. Dieses Mal rufen das Bündnis "Tag der Solidarität - Kein Schlussstrich" & DIDF dazu auf. Die Kundgebung nach Tod von elf Menschen (inklusive Mörder) soll an der Kampstraße/ Ecke Katharinenstraße im Schatten der Petri-Kirche stattfinden. Um 17 Uhr geht es los.

Update, Donnerstag (20. Februar), 16.07 Uhr: Der Generalbundesanwalt geht davon aus, dass der Attentäter Tobias R. aus "zutiefst rassistische Gesinnung" gehandelt habe. Das berichtet der Spiegel. Zudem habe er offenbar an abstruse Verschwörungstheorien geglaubt, berichtet RUHR24.de*. Das gehe aus den in seiner Wohnung gefundenen Videos und Dokumenten hervor, teilt der Generalbundesanwalt am Donnerstagnachmittag mit.

Hanau: Täter "zutiefst rassistisch" und glaubte an Verschwörungstheorien

Hinweise zu Vorstrafen des Täters gebe es derzeit nicht. Ob er allein gehandelt habe oder es Komplizen gebe, werde derzeit überprüft. Der Vater des Mannes wurde unterdessen festgenommen. Seine Mutter wurde in der Nacht zusammen mit dem Attentäter tot in der Wohnung gefunden.

Offenbar hingTobias R. kruden Verschwörungstheorien hinterher. So glaubte er laut Bild (Bezahlinhalt) unter anderem daran, dass sich ein "Geheimdienst" in die Köpfe Tausender Menschen einklinken könne. Dieser habe ihm auch Träume eingespielt. Zudem forderte er in seinem Manifest laut dem Bericht eine "Säuberung" von Ländern wie Israel und der Türkei.

Morde in Hanau: Demos im Ruhrgebiet - Merkel: "Rechtsextremismus ist Gift"

Update, 13.15 Uhr: Auch in NRW ist nach den offenbar rechtsextremen Morden in Hanau (Hessen) die Anteilnahme groß. In Dortmund und Essen sind für Donnerstagabend bereits Demonstrationen und Veranstaltungen geplant.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm bereits Stellung zu den Angriffen in Hanau, bei denen insgesamt elf Menschen getötet wurden: "Dies ist ein überaus trauriger Tag für unser Land", sagte sie am Mittag in Berlin. Das Leid der Angehörigen sei unermesslich. 

Die "entsetzlichen Morde" seien aus offenbar rechtsextremen und rassistischen Motiven erfolgt, sagte sie. Der Rechtsextremismus sei ein Gift und es gelte nun, dem entgegenzustehen.

Andere Parteien, wie SPD und Grünen, machen für die fremdenfeindliche Stimmung die AfD verantwortlich. Auch in Dortmund gaben sowohl die Grünen als auch die SPD kund, die AfD trage eine Mitschuld an dem Anschlag in Hanau. Die AfD wehrte sich jedoch gegen die Vorwürfe und versuchten den Spieß umzudrehen.

Karneval in Düsseldorf: Mottowagen zu Hanau geplant

In Düsseldorf reagieren die Karnevalisten nun ebenfalls auf die Morde in Hanau. "Unser Düsseldorfer Karneval ist multikulturell. Wir möchten einfach Karneval feiern. Wir werden das mit einem Mottowagen beantworten", sagte Michael Laumen, Präsident des Comitees Düsseldorfer Karneval am Donnerstag auf dem Rathausbalkon.

Update, 11.06 Uhr: Bei einer Gedenkminute gedachten die Karnevalisten in Köln am Donnerstagvormittag den Opfern von Hanau. Henriette Reker, Oberbürgermeisterin von Köln, sprach laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) von einem "furchtbaren Ereignis".

Vor Karneval in Köln: Schießerei in Hanau sei "furchtbares Ereignis"

Reker, die 2015 selbst von einem fremdenfeindlichen Attentäter lebensgefährlich verletzt wurde, sprach den Angehörigen ihre Anteilnahme aus. Dennoch solle beim Karneval in den kommenden Tagen das Leben gefeiert werden, sagte sie.

Christoph Kuckelkorn, Präsident des Kölner Karnevals, sagte: "Im Leben und vor allen Dingen im Karneval sind die Momente der überschäumenden Freude und des Feierns und die der Trauer und die stillen Momente immer nah beieinander. Heute, in den Stunden, überwiegt bei uns allen, glaube ich, die Fassungslosigkeit."

Update, Donnerstag, 9.59 Uhr: Kurz vor Beginn des Straßenkarnevals in NRW hat das Festkomitee gegenüber der dpa bekannt gegeben, dass es eine Gedenkminute für die Opfer von Hanau geben wird. Demnach gedenken Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und das Dreigestirn um 10 Uhr den Toten von Hanau.

Hanau: Schießerei zunächst ohne Auswirkungen auf Karneval in NRW

Ursprungsmeldung: Die blutige Tat in Hanau überschattet den Karneval: Ein offenbar rechtsextremer Täter hat in der Stadt in Hessen am Mittwochabend zehn Menschen erschossen. Er selbst wurde später tot in seiner Wohnung gefunden. Die Sicherheitsbehörden in NRW gehen davon aus, dass der blutige Angriff zunächst keine Auswirkungen auf den Karneval in NRW habe.

Weiberfastnacht in Köln.

Das bestätigte die Polizei in Düsseldorf am Donnerstag gegenüber der dpa. Nach derzeitigem Stand habe die Tat keine Bezüge nach NRW, sagte ein Sprecher. Die Behörden würden die Lage in Hanau jedoch verfolgen und gegebenenfalls anpassen, hieß es dazu von der Polizei Köln. Zum Hintergrund: Zuletzt hatte es in NRW mehrere Festnahmen gegeben. Dabei wurden Männer verhaftet, die verdächtigt werden, eine rechte Terrorzelle gegründet zu haben.

Karneval in NRW: Hunderttausende Teilnehmer in Köln und Düsseldorf erwartet

Der mutmaßliche Täter hatte in Hanau gegen 22 Uhr auf die Besucher zweier Shisha-Bars geschossen. Dabei wurden nach Angaben der Polizei Südhessen neun Menschen tödlich verletzt. In der Nacht fanden die Ermittler den Tatverdächtigen tot in seiner Wohnung - zusammen mit zwei weiteren Leichen.

Allein in Köln sollen heute zur Weiberfastnacht, dem Auftakt des Straßenkarnevals, rund 1000 Polizisten unterwegs sein. Allein in Düsseldorf werden insgesamt mehrere Hunderttausend Karnevalisten erwartet. Höhepunkt des Karnevals ist der Rosenmontag, der in NRW jedoch kein echter Feiertag ist. Mit dpa-Material.

ffo

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Rubriklistenbild: © Daniele Giustolisi/RUHR24, dpa; Collage: RUHR24

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