Berufung am Landgericht zurückgezogen, Urteil rechtskräftig

Dreieinhalb Jahre für Kiersper Betreiber von "elektroheld.de"

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Symbolfoto

Kierspe/Hagen - Elektronische Bauteile aller Art für den privaten und betrieblichen Gebrauch und vieles mehr bietet die Webseite „elektroheld.de“ bis heute an. Doch damit dürfte in den kommenden Tagen endgültig Schluss sein: Nach der rechtskräftigen Verurteilung des 32-jährigen Betreibers dürfte der Kiersper auch seine Gewerbezulassung verlieren.

Auf Verbraucherschutzseiten im Internet kann man die katastrophalen Folgen seiner Misswirtschaft nachlesen. Immer wieder hatte er Vorauszahlungen entgegengenommen und im Gegenzug die bestellten Waren nicht geliefert. Das Amtsgericht Meinerzhagen verurteilte ihn deshalb schon 2015 zu einer Geldstrafe. 140 solcher Betrugstaten wurden am 16. Mai 2017 im Amtsgericht Lüdenscheid zu einer Anklage zusammengeführt.

Ein Schöffengericht verurteilte den Kiersper zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Gegen beide Entscheidungen ging der Angeklagte in Berufung, über die im Landgericht Hagen entschieden werden sollte. Seit dem Urteil des Amtsgerichts hatte die Flut der Betrugsanzeigen die 1000er Marke erreicht. Die Chancen auf eine Minderung der verhängten Strafe standen deshalb äußerst ungünstig.

Andererseits ist der Unterschied zwischen 140 und 1000 Betrugstaten aus strafrechtlicher Sicht nicht so erheblich, dass darüber unbedingt noch einmal verhandelt werden müsste: Die Staatsanwaltschaft, die ebenfalls in Berufung gegangen war, und der Angeklagte verständigten sich auf eine allgemeine Rücknahme der Berufung. Dadurch wurde das Urteil des Amtsgerichts rechtskräftig.

Gleichzeitig wurde dem Angeklagten eine Einstellung aller weiteren Strafverfahren bis zum Stichtag zugesichert. Sein Mandant habe keine Betrugsabsichten gehegt, erklärte Rechtsanwalt Friedhelm Wolf nach der Verhandlung im Landgericht. Doch auch eine extreme Säumigkeit im Umgang mit Kundenbestellungen erfülle natürlich den Tatbestand des Betrugs.

„Der war überfordert mit seinem Geschäft.“ Immerhin habe der Kiersper mittlerweile 22.000 Euro an diverse Kunden zurückgezahlt. Das Echo dieses Scheiterns wird wohl noch eine Weile im Internet nachhallen: „Ware bezahlt am 27.6.17, dieses wurde auch bestätigt, aber bis heute keine Ware erhalten. Keine Reaktion auf Beschwerden via Mail, telefonisch nicht erreichbar“, schrieb einer von vielen geprellten Kunden auf einer beliebten Verbraucherschutzseite.

Es folgten Vermutungen über den Verbleib des Angeklagten: „Geflüchtet oder im Urlaub auf unser aller Kosten?“ Die Internet-Beschwerde schloss mit einer nicht rechtswidrigen Drohung: „Mein Sportsfreund – wenn du das hier liest, mach dich auf eine Anzeige gefasst.“

Antworten von Betrugsvorwürfen betroffenen Firmen ermöglichen die Verbraucherschutzinternetseiten unproblematisch: Eine Uhr hält ansonsten fest, wie viele Jahre, Monate, Tage, Stunden, Minuten und Sekunden der Kunde ohne Antwort vom beschuldigten Unternehmen geblieben ist.

Die Wahrnehmung von Zeit dürfte sich auch bald für den 32-Jährigen intensivieren: Dreieinhalb Jahre minus die Zeit der möglichen vorzeitigen Entlassung beinhalten von den genannten Zeiteinheiten eine ganze Menge.

Quelle: wa.de

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