13-Jähriger aus Schwerte als Sachverständiger

Kampf gegen Cybermobbing an Schulen: Kinderschützer fordern bessere Lehrerausbildung

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Jeder fünfte Jugendlich ist schon Opfer von Cybermobbing geworden

Düsseldorf - Kinderschützer, Psychologen und die Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag fordern, den Kampf gegen Cybergewalt stärker in der Lehrerausbildung zu verankern. Vor allem in den Grundschulen sehen sie Nachholbedarf. Helfen soll dabei ein 13-Jähriger aus Schwerte.

Das geht aus Stellungnahmen an den Schulausschuss des Düsseldorfer Landtags hervor, der am Mittwoch auf Antrag der Grünen-Opposition Experten dazu anhören wird.

Fast jeder Schüler verfüge über ein Smartphone und jeder fünfte Jugendliche habe Studien zufolge persönliche Erfahrungen mit Beleidigungen oder Verleumdungen im Netz, argumentieren die Grünen in ihrem Antrag.

Ebenso wie der Kinderschutzbund fordern sie auch, mit den Anbietern sozialer Medien über eine verpflichtende Notfallfunktion zu verhandeln, damit Betroffene Mobbingfälle direkt melden können.

Aktuellen Studien zufolge seien in Deutschland mindestens 1,5 Millionen Jugendliche von Cybermobbing betroffen, stellt die Kölner Cybermobbing-Expertin und Sozialpsychologin Catarina Katzer fest. Dabei würden vor allem Smartphones immer mehr zur "digitalen Waffe".

Inhaltlich müsse festgestellt werden: "Gemeinheiten, Beleidigungen, Verleumdungen durch die Bildung von Hassgruppen in sozialen Netzwerken oder über WhatsApp nehmen deutlich zu." Dies gelte auch für beleidigende Fotos und Videos, die über die einschlägigen sozialen Medien verbreitet werden. Zunehmend seien schon Grundschüler betroffen.

13-Jähriger aus Schwerte ist Sachverständiger

Zu der Sachverständigenanhörung ist auch ein 13-jähriger Realschüler aus Schwerte geladen, der vor einem Jahr nach eigenen negativen Erfahrungen eine "Cybermobbing-Hilfe" gegründet hatte: Lukas Pohland.

Er wird am Mittwoch neben Wissenschaftlern, Psychologen und Kinderschützern im Schulausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags sitzen. In einer Anhörung will er erklären, was ihn bewogen hat, eine Cybermobbing-Hilfe zu gründen und was er von der Politik erwartet.

Lukas Pohland aus Schwerte spricht als Sachverständiger vor dem NRW-Schulausschuss.

In einem Brief an den Landtagspräsidenten hat der Junge das bereits getan. "Vor über einem Jahr wurde eine Mitschülerin von mir selbst Opfer von digitalen Attacken im Internet. Ich setzte mich für sie ein und wurde selbst zum Opfer", schreibt er. "Daher kann ich selbst sehr gut beurteilen, dass man so gut wie keinerlei Unterstützung seitens der Schule erhält und auch die Prävention an unserer Schule war/ist schlecht."

Lukas ergriff damals selbst die Initiative und gründete ein Sorgentelefon, für Kinder, das er seitdem gemeinsam mit anderen Jugendlichen anbietet.

Jeder fünfte Jugendliche betroffen

Für den Diplom-Pädagogen Matthias Felling von der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) NRW taugt eine technische Lösung wie der "Notfall-Button" nur bedingt: "Der eigentliche Notfall-Button für Jugendliche, die von Mobbing betroffen sind, ist ein Erwachsener in seinem Umfeld, der ein offenes Ohr für die Probleme hat und seine Hilfe anbietet."

An den Schulen müssten aber Anti-Mobbing-Teams gebildet und jugendliche "Medien-Scouts" in die Präventionsarbeit eingebunden werden, schlägt er vor. Hilfreich seien auch Vereinbarungen über den Umgang im Netz ("Netiquette") und die Nutzung von Smartphones ("Handy-Ordnung").

Cybermobbing-Expertin Katzer plädiert für eine große Lösung: "Digitale Aktionspläne" an sämtlichen Schulen und möglichst auch schon für Kitas. Dazu zählten systematische Aus- und Fortbildung für alle Lehrer und ein Schulfach "Digitale Bildung".

Zudem fordert die Wissenschaftlerin ein Gesetz, das Opfern Rechtssicherheit gebe und klarmache: "Cybermobbing ist kein Kavaliersdelikt." Lukas Pohland weiß das längst. "Pausenhof-Mobbing endet meist nach der Schule - spätestens vor der Haustür", schreibt er dem Landtagspräsidenten. "Cybermobbing endet nicht. Man trägt den Täter mit sich herum." - dpa/lnw

Quelle: wa.de

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