Bis einer heult und weiter

Na dann, Gute Nacht

Zuerst: Es ist nicht immer so chaotisch abends. Aber ich bin ehrlich, an vier von sieben Tagen schon.

Ab nach oben - noch fünf Minuten. Es vergehen natürlich locker 20 Minuten. Jetzt aber: „Ab nach oben!“ - „Noch toben, Papa!“, schmettern die Kinder uns entgegen. Okay, Papa tobt bis ihm schwindelig ist und fast ein blaues Auge kassiert, weil zwei bis sechs Füße in sein Gesicht treten.

Jetzt aber Zähneputzen! Schlimmstes Wort überhaupt. Es scheint, als würde dieses Wort in allen drei Kinderköpfen alle Alarmsirenen losgehen lassen. Im Badezimmer Lach-Anfälle, Kitzeln, Toben. Die Große putzt zwar missmutig, der Allerkleinste rennt währenddessen nochmal nackig nach draußen, der Mittlere singt Johnny Däpp und tanzt dazu schon besser als sein Vater! Dieser sitzt in diesem Moment verzweifelt auf dem Badewannenrand und schaut mich fragend an: „Was haben wir uns da bloß eingebrockt, Anne?“

Nur denken, nicht laut aussprechen! Die Gedanken sind frei! Also nix wie los, den Kleinen draußen wieder einfangen, bevor er wieder einen Nachbarn erschreckt. Dem Ausreißer dann, mit einer Hand seinen wild schüttelnden Kopf festhaltend, die Zahnbürste in den kreischenden Mund schieben. Zwei wild umher furchtelnde kleine, aber durchaus starke, Arme zwischen die Beine klemmen, damit ich keinen abkriege - bis endlich alle Zähne sauber sind. Ja, auch die vom Johnny DäppDäppDäpp.

Auf dem eigentlich kurzen Weg vom Bad zum Kinderbett rennen alle wild umher. Tochter will noch Outfit für morgens zusammen stellen, merkt dann, dass der Schrank unbedingt um kurz vor acht noch aufgeräumt werden muss! Während der Kleinste (übrigens immer noch nackig) wild auf ihrem Bett rumhüpft: „Geschichte lesen!“ Augendrehen meinerseits (das kann ich richtig gut). Ok, aber nur eine ganz mini Kleine!

Findet mal ein Buch, das alle hören wollen! Angefangen mit Piraten-Geschichten, nach maximal drei gelesenen Sätzen turnt Kind drei wieder auf dem Bett herum, die Tochter beguckt sich selbstverliebt im Spiegel und der Mittlere will noch mal eben schnell Lego bauen. Im Fernsehen sieht es immer alles so harmonisch aus: Mama und Papa sitzen total entspannt und sich noch dazu verliebt anschmachtend mit ihren drei Kindern total süß auf dem elterlichen Bett, lesen und kuscheln!

Wir allerdings fragen uns hier meistens, und das nicht unbedingt anschmachtend: Wo haben die drei kleinen Monster nur die Power so spät abends her? Unsere Eltern-Energie war schon gegen 12 Uhr mittags hinfort. Trinken die heimlich Energy-Drinks? Oder sind wir nur überfordert und ist das überhaupt alles noch normal? Irgendwann sind endlich endlich alle im Bett – es folgen natürlich rund drei Runden Zugabe à la "Mama! Ich muss noch mal", "Mama: Hab vergessen was total wichtiges aus der Schule zu erzählen" oder "Mama, meine CD springt." Bevor es übergeht zu "Mama, Licht im Flur an, es ist mir zu dunkel" natürlich gefolgt von „Mama, das ist zu hell, Licht im Flur aus!“. Drei Kinder, drei Meinungen.

Irgendwann sitzen Mann und ich schließlich völlig erledigt um 20.30 Uhr vorm Fernseher, den ich direkt wieder ausmache, weil mir das laute Gequassel auf die Nerven geht. Ich will Ruhe. Und die kriegen wir auch direkt, weil wir dann meist nach 20 Minuten einpennen. "Wann fangen die denn wohl mal an alleine ins Bett zu gehen oder wenigstens freiwillig?", frag ich den Mann. "Wahrscheinlich erst, wenn sie nach einer Party kaputt ins Bett fallen und dann müssen wir sie morgens raus brüllen!" Meistens behält mein Mann recht.

Quelle: wa.de

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