Konservierte Bergbaugeschichte(n): RAG präsentiert „digitalen Gedächtnisspeicher“

+

Hamm - Ende des Jahres schließen die beiden verbliebenen Steinkohle-Bergwerke in Deutschland. Mit der letzten Grubenfahrt schwinden dann auch die Erinnerungen an Kaue und Kumpel, Geschichten rund um Steiger und Schlepper verblassen im kollektiven Gedächtnis.

Das nimmt das Projekt „Digitaler Gedächtnisspeicher – Menschen im Bergbau“ zum Anlass, Personen, die in ihrem Leben mit der Steinkohlenindustrie verbunden waren, nach ihren Erfahrungen und Geschichten zu befragen. Es handelt sich um ein wissenschaftliches Gemeinschaftsprojekt vom Deutschen Bergbaumuseum und der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets, gefördert durch die RAG Aktiengesellschaft. 

Seit Frühjahr 2015 haben Projekt-Mitarbeiter Interviews mit 83 Menschen geführt: vom Hauer bis zum Konzernchef, mit Gewerkschaftern, Ehefrauen, Knappschaftsärzten, mit alten und jungen Bergleuten. Es sind ausführliche Gespräche, in denen die ganze Lebensgeschichte beleuchtet wird. Die Projektgruppe hat die Gespräche ausgewertet, gebündelt und auf einer Internetseite so aufbereitet, dass man sich in den Lebensgeschichten der Menschen regelrecht verlieren kann. Konservierte deutsche Bergbaugeschichte(n) mit Unterhaltungswert. 

Zu Wort kommt zum Beispiel Mikail Zopi. 1955 in der Türkei geboren, sah er 1970 nahe seines Heimatortes einen Aushang, dass Lehrlinge für den Bergbau in Deutschland gesucht werden. So kam er nach Bergkamen-Oberaden auf die Zeche Haus Aden. Im Interview spricht er über kulturelle Unterschiede, seine Zweifel, ob der Bergbau wirklich seine berufliche Heimat ist, über die Fußball-WM 1974 in Deutschland und das Finale gegen Holland. „Das war wunderschön, Deutschland ist Weltmeister geworden.“ 

Oder Cham-Jong Jung: Er stammt aus Südkorea, war zunächst Kauenwärter, dann Vorarbeiter und Kolonnenführer. Er ist lange im Ruhestand, die Liebe zum Bergbau hat er sich bewahrt. „Wenn ich das Steigerlied höre, dann klopft mein Herz.“ Auf einer interaktiven Karte kann man die Menschen und ihre Interviews filtern: Nach Region, nach Berufsgruppe, nach Alter, Geschlecht und nach Thema. 

Insgesamt handelt es sich um 800 Minuten aufbereitetes Videomaterial, das gleichwohl nur einen Bruchteil der gesamten Interviews ausmacht. Zu sämtlichen Interviewpartnern finden sich auch kurze biographische Angaben. „Es sollten möglichst viele subjektive Perspektiven auf den Steinkohlenbergbau dokumentiert werden, die in ihrer Gesamtheit zugleich ein aufgefächertes Bild über die vielfältige Entwicklung des Bergbaus seit Ende des Zweiten Weltkriegs aufzeigen“, heißt es auf der Webseite.

www.menschen-im-bergbau.de

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.