Mammutprozess nach Mord an Ex-Schulleiter vor Abschluss

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In diesem Haus in Braam-Ostwennemar geschah der Mord.

Hamm/Dortmund - Mit Spannung wird am Mittwoch in Hamm und Soest das Urteil des Dortmunder Schwurgerichts gegen den jungen Mann erwartet, der an Rosenmontag vergangenen Jahres in Ostwennemar seinen 84-jährigen Großvater erschlagen hatte.

Der ehemalige Leiter des Soester Börde-Kollegs, Hans Hellendahl, erlitt durch mehrere wuchtige Schläge mit einem Brecheisen massive Verletzungen und verblutete noch am Tatort im Wohnzimmer seines Hauses. An 18 Verhandlungstagen in dem seit Juni vergangenen Jahres laufenden Prozess drehte sich die Beweisaufnahme vor allem um die Fragen nach der Bewertung der Tat und der Analyse des Seelenzustandes des angeklagten Enkels zur Tatzeit. Zu Prozessbeginn hatte der gescheiterte Student unter Tränen eingeräumt, von hinten auf seinen Opa eingeschlagen zu haben, der gerade das Haus habe verlassen wollen: „Er sprach vorher zu mir in ganz bedrohlicher Weise, hat mich übel beschimpft!“

„Der Opa nervt. Der muss weg!“

Die Staatsanwaltschaft hat den jungen Soester wegen heimtückischen Mordes an seinem arg- und wehrlosen Großvater angeklagt und auch nach Abschluss der Beweisaufnahme eine Verurteilung wegen Mordes gefordert. In einer Textnachricht an einen Freund habe er sich schon im Vorfeld, genervt von Vorhaltungen des Opas, kalt geäußert: „Der Opa nervt. Der muss weg!“ , sich außerdem in der Untersuchungshaft mit der brutalen Tat gebrüstet.

In menschenverachtender Art und Weise beleidigt

Verteidiger Volker Cramer versuchte im Verlaufe des mehrmonatigen Strafverfahrens immer wieder, die Tat seines Mandanten als Affekttat darzustellen. Der erfolglose und finanziell abhängige Student habe unter den Nörgeleien und Vorhaltungen seines Verwandten gelitten, sei wiederholt von diesem beleidigt und herabgewürdigt worden. Auch im Moment vor dem Angriff mit dem Brecheisen habe das Opfer seinen Enkel in menschenverachtender Art und Weise beleidigt. Ein psychiatrischer Sachverständiger, so Cramer, habe sich in dem Prozess durch ein unwissenschaftliches und widersprüchliches Gutachten zur seelischen Verfassung des Soesters disqualifiziert, das Gericht habe seinen Antrag auf ein Zweitgutachten abgelehnt. Überhaupt, so das Fazit des Verteidigers, seien Gericht und Staatsanwaltschaft voreingenommen an die juristische Aufarbeitung der Tat herangegangen.

Quelle: wa.de

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