Unternehmen bestätigt Gespräche

Offiziell: Arbeitsplatzabbau bei der Firma Kettler

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Die Produktions-Standorte von Kettler im Großraum Werl – unser Bild zeigt das Werler Werk in der Mersch – besitzen bei den Gesprächen über die Zukunft des Unternehmens eine zentrale Rolle.

Werl/Ense - Die dramatischen Wochen für den Freizeitartikel-Produzenten Kettler nehmen kein Ende. Wie viele Jobs könnten auf der Kippe stehen? Der Anzeiger hat exklusive Zahlen.

Aktuell führen der Sachwalter und die Generalbevollmächtigten erste Gespräche mit „rentennahen“ Mitarbeitern – in der Hoffnung, einen sozial verträglichen Arbeitsplatzabbau zu erreichen. Offiziell werden zwar keine Zahlen kommuniziert.

Anzeiger-Informationen zufolge soll aber angestrebt werden, sich von bis zu 160 Beschäftigten zu trennen. Auch über eine teilweise Betriebsverlagerung wird angeblich zumindest nachgedacht.

Aufregung unter Mitarbeitern

Dass Gespräche mit Mitarbeitern geführt werden, die nicht mehr allzu weit vom Ruhestand entfernt sind, bestätigt Stefanie Risse, Pressesprecherin des Unternehmens. Zu Zahlen wolle sie sich nicht äußern, von einer möglichen Teilverlagerung der Produktion sei ihr nichts bekannt, sagte sie am Montag im Anzeiger-Gespräch. 

Unter den Mitarbeitern sorgt die Entwicklung für Aufregung, hatte doch Sachwalter Horst Piepenburg zu Beginn des Insolvenz-Verfahrens die Hoffnung geäußert, die anstehende Sanierung ohne Arbeitsplatz-Abbau hinzubekommen. 

Dass die Lage für die GmbH unverändert höchst brisant ist, wissen Insider. Vor diesem Hintergrund kommt der Entwicklung bei der Heinz-Kettler-Stiftung größte Bedeutung zu. Dort hatte am Wochenende die Arnsberger Bezirksregierung als Stiftungsaufsicht verfügt, dass der vom Kuratorium beschlossene Rauswurf der beiden Vorstände Andreas Sand und Werner Scheiwe umgehend zurückzunehmen sei; beide sind mit sofortiger Wirkung wieder im Amt.

Finanzchef kaltgestellt

Das, wissen gut informierte Kreise, kommt einer krachenden Niederlage des Kuratoriums-Vorsitzenden Manfred Sauer gleich. Der langjährige Finanzchef der Kettler-Gruppe gilt nach dieser Entscheidung faktisch als kaltgestellt. Eine Vereinbarung aller Beteiligten mit dem Ziel, die erbetene Finanzspritze bereitzustellen, werde Sauer definitiv nicht verhindern können, heißt es. 

Das kann auch und gerade vor dem Hintergrund von entscheidender Bedeutung werden, dass die Stiftung einen zweistelligen Millionenbetrag überweisen soll, um einen akut drohenden Liquiditäts-Engpass zu vermeiden. Der Vorstand der Stiftung hat sich nach Informationen unserer Zeitung mit den Verantwortlichen der GmbH angenähert.

Insider halten eine kurzfristige Einigung für denkbar. „Auf diese Lösung hoffen wir alle natürlich“, sagt Stefanie Risse, die die Entscheidung der Stiftungsaufsicht ausdrücklich „begrüßt“. Die Hoffnung auf schnelle Einigung, so heißt es, sei dann berechtigt, wenn „beide Seiten ihre Forderungen nicht überspitzen“. 

Weiter an Standort festhalten

Zwischenzeitlich, bestätigt die Unternehmenssprecherin, hätten die Gespräche zwischen Stiftungsvorstand und Unternehmenleitung „auf Eis gelegen“. 

Eines betont Stefanie Risse: Das Engagement des interessierten Investors, der bei Kettler einsteigen will – der Altera Capital Group – sei „nicht gefährdet“. Altera wolle außerdem grundsätzlich unverändert an den Produktions-Standorten im Großraum Werl festhalten. Das hatte die Stiftung zur Bedingung eines finanziellen Entgegenkommens gemacht.

Quelle: wa.de

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