Ehemaliges Teenager-Pärchen aus der Nähe von Münster

Oralverkehr-Foto nach Trennung ins Internet gestellt: OLG Hamm urteilt

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Hamm - Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat am Donnerstagmorgen ein rechtskräftiges Urteil des 3. Zivilsenats vom 20. Februar 2017 veröffentlicht. Danach muss ein Mann aus der Nähe von Münster seiner ehemaligen Freundin ein Schmerzensgeld in Höhe von 7000 Euro zahlen, weil er 2013 nach der Trennung ein zwei Jahre altes Foto vom privaten Oralverkehr ins Internet gestellt hatte. In der Sache bestätigte das OLG damit das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Münster, reduzierte aber im Berufungsverfahren die Höhe des Schmerzensgeldes von zunächst 20.000 Euro erheblich.

Die Frau - wie ihr Ex-Freund zum Zeitpunkt der Aufnahme 2011 noch minderjährig (beide 1995 geboren) - war zivilrechtlich gegen ihren ehemaligen Freund vorgegangen, weil sie durch die Veröffentlichung und Verbreitung des pikanten Fotos in sozialen Netzwerken gesundheitliche Schäden davongetragen hatte. Auch Freunde und Bekannte des einstigen Paares hatten das Foto gesehen.

"Der Beklagte habe der Klägerin, so der Senat, ein Gesundheitsschaden zugefügt, indem er das die Klägerin abbildende intime Foto ohne ihre Zustimmung im Internet veröffentlicht habe. Hierdurch habe die Klägerin verschiedene, sich sukzessiv über mehrere Jahre erstreckende, auch schwere psychische Erkrankungen erlitten. Ihren Gesundheitsschaden und auch dessen Verursachung durch den Beklagten habe die vom Senat angehörte medizinische Sachverständige überzeugend bestätigt", heißt es in der Pressemitteilung des OLG. 

13.000 Euro weniger Schmerzensgeld zugesprochen

Wenige Tage nach dem Einstellen des Fotos habe die junge Frau von der Veröffentlichung des Fotos erfahren und habe ihren Ex-Freund aufgefordert, das Foto zu entfernen, was dieser umgehend getan habe. "Später löschte er auch sein Profil auf der Internetplattform", so das OLG.

Der 3. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm sprach der Klägerin zum Ausgleich ihres immateriellen Schadens ein Schmerzensgeld von 7000 Euro zu und reduzierte zugleich den vom Landgericht Münster ausgeurteilten Schmerzensgeldbetrag von 20.000 Euro. Wörtlich heißt es hierzu in der Pressemitteilung:

"Die Höhe des Schmerzensgeldes sei - mit Blick auf die Schwere der Verletzungen und ihre Folgen sowie auf das Verschulden des Schädigers - im Rahmen einer durchzuführenden Gesamtabwägung mit 7000 Euro zu bemessen gewesen. Zu berücksichtigen seien die von der Klägerin erlittenen psychischen Erkrankungen und die Auswirkungen auf ihre Lebensgestaltung.

Die Klägerin habe sich längere Zeit zurückgezogen, die Öffentlichkeit gescheut und sich zunächst nicht in der Lage gesehen, eine Berufsausbildung zu beginnen. Hinzu komme, dass die Bildveröffentlichung zu einer massiven Bloßstellung der aufgrund ihres jungen Alters besonders verletzlichen Klägerin gegenüber einer unüberschaubaren Anzahl von Personen, u.a. aus ihrem nahen Umfeld, geführt habe. 

Foto "vermutlich stark alkoholisiert" veröffentlicht

Auch wenn der Beklagte das Foto schon nach kurzer Zeit von seinem Internetprofil gelöscht habe, hätten es (vorhersehbar) dritte Personen bereits entdeckt und heruntergeladen. Die Verbreitung des Fotos sei unkontrollierbar gewesen.

Demgegenüber sei ebenfalls zu berücksichtigen, dass der sein Tun bereuende Beklagte das Bild - vermutlich stark alkoholisiert - im Zuge einer unreflektierten Spontanhandlung ins Internet hochgeladen habe, offenbar - wohl auch im Hinblick auf sein junges Alter - ohne die weitreichenden Folgen seines Handelns zu überdenken. 

Außerdem sei aufgrund des mittlerweile erfolgten Schulabschlusses und des Wohnortwechsels der Klägerin nicht mehr zu erwarten, dass die Klägerin künftig weiterhin massiv mit dem Foto konfrontiert werde. Nach ihren eigenen Angaben sei das derzeit jedenfalls nicht der Fall. Schließlich sei es überwiegend wahrscheinlich, dass das Foto ursprünglich im Einvernehmen der Parteien gefertigt worden sei."

Aktenzeichen: 3 U 138/15

Quelle: wa.de

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