Auch Kunden aus dem Umland angelockt

Petra Scheffers "Step In": Akzente gegen den Onlinehandel

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Petra Scheffer mit einem der kleinsten Schuhe und einem Modell in Übergröße für Herren bis Schuhgröße 50. Scheffer hat 13 000 Paar Schuhe im Sortiment.

Drensteinfurt - In den Innenstädten kämpfen kleine Geschäft ums Überleben. Viele kapitulieren wegen des veränderten Kaufverhaltens der Kunden. Petra Scheffer nicht. Sie setzt mit ihrem Schuhladen Akzente.

Weit über die Grenzen ihres Ortes ist Scheffer bekannt. Ihr Rezept: maximaler Arbeitseinsatz mit Herz und Präsenz, ein gutes Angebot und eine große Portion Freundlichkeit. Was Petra Scheffer in ihren beiden Ladenlokalen mit dem Namen „Step In“ in der Wagenfeldstraße 6 und 19 ihren Kunden bietet, gibt es nicht im Internet. „Bei mir wird jeder Kunde individuell beraten“, sagt sie. Ihre Angestellten schickt sie regelmäßig zu Schulungen. Denn wer gut sein will, müsse sich bewegen. Dafür besucht sie Messen, Märkte und Geschäfte in großen Städten.

Die Beratung, das persönliche Gespräch, das Einkaufsflair und Kulanz – mit solchen Attributen hebe sie sich vom Internet ab, sagt Scheffer. Für die Firmenchefin, die in fünfter Generation Schuhe in Stewwert verkauft, bedeutet das, immer präsent zu sein. Für sie selbstverständlich, dass der Laden oft Priorität hat: „Ich liebe meinen Job und war schon als Kind hier, als meine Mutter vieles aufgebaut hat.“

Spezialisiert auf Übergrößen

13.000 Paar Schuhe hat sie dauerhaft im Sortiment, darunter auch Kinderschuhe. Spezialisiert hat sie sich auf Übergrößen. „Gerade bei Kindern kann man viel falsch machen“, sagt die 46-Jährige. Hier würden die Grundlagen für die Erwachsenenfüße gelegt. Kunden haben ihr erzählt, dass es zu Kinderschuhen oft gar keine Beratung gebe. Da spreche sich der Service in Drensteinfurt schnell rum.

Petra Scheffer: "Ich liebe meinen Job und war schon als Kind hier, als meine Mutter vieles aufgebaut hat."

"Kunden wollen Schuhe anfassen"

„Die Kunden wollen nicht nur beraten werden, sie wollen den Schuh anfassen und anprobieren“, sagt sie. Dazu bietet sie Schuhpflegeberatung und die Möglichkeit, ein Modell zu bestellen oder den Schuh auf Probe mitzunehmen. Passt er nicht, kann man ihn in den ersten 14 Tagen zurückzubringen. Eine Kulanz, die auch schon mal ausgenutzt werde, ebenso wie die Beratung. „Das merkt man schnell“, sagt sie.

Manche Kunden ließen sich beraten und kauften dann im Internet; andere bringen Schuhe zurück, die sie im Netz billiger gefunden haben. Dabei habe sie gute Preise. Das frustriere sie. „Bei mir gibt es immer Angebote, Rabatte und Sonderaktionen“, versichert Scheffer. Und dazu für den schmalen Geldbeutel den Schuhsonderverkauf. Hier sei jeder Schuh um mindestens 50 Prozent reduziert.

Orthopädietechnik und Reparatur

Ein weiterer Service der 46-Jährigen: Jeden Mittwoch kommt der Orthopädietechniker Ralf Laschke aus Nottuln ins Haus und berät Kunden mit Fußproblemen. Schuhreparaturen gehören ebenfalls zum Standard. Zudem bringt Scheffer Kunden auch Schuhe nach Hause, berät Menschen im Altersheim, macht private Termine. Während der Marktplatz umgebaut wird, hat sie ein Baustellentelefon eingerichtet: Wer Hilfe braucht, um den Laden zu erreichen, kann Scheffer unter der Rufnummer 02508/217 anrufen.

80 Prozent ihrer Kunden sind Stammkunden. Seit im Mai aus Datenschutzgründen die komplette Kundenkartei gelöscht wurde, haben sich 10.000 Kunden registrieren lassen, denn Scheffer informiert per Mail über Rabatte und Sonderkationen.

10.000 Kunden sind registriert

Trotz aller Bemühungen gehe ihr eine Kundengruppe verloren. „Die Jugendlichen kann ich nicht erreichen“, sagt sie. Noch kämen die jungen Erwachsenen spätestens wieder, wenn sie eigene Kinder haben. Aber was wird in 20 Jahren sein, wenn die Jugendlichen nichts anderes mehr kennengelernt haben als Online-Shopping?

Hier klagt sie auch große Firmen an, die Hightech-Spitzenmodelle für den Internethandel produzieren. Kleinere Geschäfte können diese Modelle gar nicht bestellen: Zu haben sind sie nur für einige große Läden in Großstädten. Auch die Kunden müssten sich überlegen, ob sie künftig auf Geschäfte in den Innenstädten verzichten wollen. Dabei gehe es ihr mit dem Schuhverkauf noch gut. Schwerer hätten es die Bekleidungsgeschäfte. Die hätten kaum eine Chance.

"170 Jahre möchte ich noch schaffen"

Petra Scheffer wird in ihrem Laden weitermachen, immer auf Hochtouren und immer auf der Suche nach guten Schuhen. „Das Jubiläum 170 Jahre möchte ich noch schaffen“, gibt sie zu. Bis dahin sind es noch 22 Jahre. Danach wird sie ihre Läden schließen, es sei denn, es findet sich ein geeigneter Nachfolger. Ihre Töchter, 16 und 20 Jahre alt, streben andere Berufe an.

Doch Scheffer ist nicht enttäuscht. Sie gibt zu: „Überhaupt nicht, im Gegenteil, ich bin froh darüber.“ Schließlich wüssten ihre Kinder genau, wie viel Einsatz nötig ist, um den Schuhladen erfolgreich zu betreiben. Und so resümiert sie zum Schluss: „Die Zeiten für Läden werden nicht besser.“

Quelle: wa.de

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