Angeklagter hat offenbar psychische Probleme

Prozess um Auto-Attacke - Täter soll nach einem Opfer gesucht haben

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Ein Justizbeamter trägt Mütze und Schal von der Verteidigung für den Angeklagten durch den Sitzungssaal des Landgerichts.

Bielefeld/Minden - Mit seinem Auto soll er eine ihm unbekannte Frau absichtlich über den Haufen gefahren haben. Das Opfer starb einige Monate später. Ob der Angeklagte schuldfähig ist, muss im Prozess geklärt werden.

Vor der mutmaßlichen Auto-Attacke auf eine Fußgängerin in Minden soll der Fahrer auf der Suche nach einem möglichen Opfer einige Zeit durch das Kreisgebiet gefahren sein.

Das ergibt sich aus der Anklage, die zu Prozessbeginn am Landgericht Bielefeld am Freitag verlesen wurde. Der Vorwurf gegenüber dem 57-jährigen Deutschen lautet heimtückischer Mord.

In der Nähe seiner Wohnung entdeckte der Mann laut Staatsanwaltschaft im Dezember 2017 nach seinem Umherfahren dann die Spaziergängerin. Er soll das ihm unbekannte und willkürlich ausgewählte Opfer mit voller Absicht von hinten über den Haufen gefahren haben. Das Motiv sollen allgemeine Wut- und Rachegefühlen gegenüber der Gesellschaft gewesen sein.

Gleichzeitig nannte die Staatsanwaltschaft in ihrem Vortrag am Freitag auch Details, warum das Opfer dem Auto nicht ausweichen konnte: Die 53-jährige lief am linken Fahrbahnrand. Die Durchfahrt ist an dieser Stelle verboten, so dass die Spaziergängerin nicht mit einem Auto rechnen konnte, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Das Opfer erwachte nicht mehr aus dem Koma

Bei dem Aufprall knallte die Frau mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe des heranpreschenden Wagens und wurde von der Wucht der Kollision über das Auto hinweg auf einen Acker geschleudert. Die Mindenerin erlitt dabei schwere Verletzungen. Bis zu ihrem Tod im März 2018 erwachte die Frau trotz mehrerer Operationen nicht mehr aus dem Koma.

Der Prozess um die willkürlich totgefahrene Fußgängerin ist am Freitag bereits wenige Minuten nach dem Vortrag der Anklage wieder unterbrochen worden. Der Vorsitzende Richter Georg Zimmermann vertagte ihn auf den 2. Juli.

Der Grund: Der Prozess musste wegen einer Sechs-Monats-Frist noch vor dem Wochenende starten, da der Angeklagte aus Minden bereits seit fast einem halben Jahr in der Untersuchungshaft sitzt.

Täter hat psychische Probleme

Da der Verteidiger des 57-Jährigen allerdings im Urlaub ist, schickte er eine Vertreterin. Ohne den Anwalt wollte der Richter nicht in die Beweisaufnahme einsteigen.

Ob der ledige Lehrer überhaupt schuldfähig ist, soll ein Gutachter in dem Prozess klären. Der Vorsitzende Richter wies den Angeklagten daraufhin, dass am Ende neben oder anstatt einer Strafe auch die Einweisung in eine Psychiatrie stehen kann.

Der Mindener soll unter einer schwulenfeindlichen Gesellschaft gelitten haben. Außerdem habe er sich von einer "Strahlenmafia" verfolgt gefühlt, wie aus der Anklageschrift weiter hervorgeht. In seinem Kampf dagegen hätten ihn die Behörden nach seiner Auffassung nicht genügend unterstützt. Bis zum 12. Juli sind noch vier Verhandlungstage angesetzt.

Quelle: wa.de

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