Nicht aus Ausländerhass gehandelt?

Kurzer Auftakt im Prozess nach Angriff auf Bürgermeister von Altena

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Prozess Anschlag auf Bürgermeister Altena

[Update 13 Uhr] Hagen/Altena - Gerade mal 21 Minuten dauerte der erste Prozesstag im Verfahren gegen den 56-jährigen Altenaer Werner S. Ihm wird ein Mordversuch an Altenas Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein vorgeworfen.

Dass es so schnell ging, lag daran, dass S. durch seinen Anwalt Michael Aßhauer erklären ließ, dass er zumindest vorerst keine Fragen des Gerichts oder der Anklage beantworten werde. 

Aßhauer verlas allerdings eine Erklärung seines Mandenten, in der dieser die Tat einräumt und sein Bedauern erklärt. Es sei auf keinen Fall seine Absicht gewesen, Hollstein ernsthaft zu verletzen oder gar zu töten. 

Der Bürgermeister habe lediglich die Klinge des Messers spüren und so Angst um seine Existenz bekommen sollen, schilderte Aßhauer im Auftrag seines Mandanten. S. habe es als ungerecht empfunden, dass Hollstein anderen helfe, während er selbst Not litt. „Du lässt mich verdursten und holst 200 Ausländer in die Stadt“ soll der Angeklagte gerufen haben, als er am 27. November 2017 in einem Döner-Imbiss mit einem 22 Zentimeter langen Messer auf Hollstein losging. 

Das Gericht mit dem Vorsitzenden Jörg Weber-Schmitz (Mitte).

Staatsanwalt Jörn Kleimann geht deshalb von einer ausländerfeindlichen Tat aus und erhebt Mordanklage. Sein Mandant habe nichts gegen Ausländer, beteuert hingegen dessen Anwalt. Das zeige schon sein Besuch im Döner-Imbiss, wo er sich etwas zu essen holen wollte und dabei zufällig auf Hollstein gestoßen sei. Der Verteidiger sagte auch, dass S. vor der Tat etwa eine halbe Flasche Scotch getrunken habe. 

Die Messerattacke schockierte Altena und Deutschland

Der gebürtige Hagener Werner S. wurde nach der Hauptschule Maurer. 1998 kam er nach Altena, wo er mit seiner damaligen Ehefrau ein Haus in der Innenstadt kaufte. Kurz darauf zerbrach die Ehe. Daraufhin sei sein Mandant zunehmend von Depressionen geplagt gewesen und habe Anfang 2017 seine Stelle bei einer Altenaer Baufirma verloren, schilderte Aßhauer dem Gericht. 

Der Prozess wird am Freitag, 1. Juni, fortgesetzt.

Wegen seiner Erkrankung habe er es aber versäumt, Arbeitslosengeld zu beantragen und sei deshalb nach der Kündigung völlig mittellos gewesen – mit der Folge, dass er die Hypotheken für sein Haus ebenso wenig zahlen konnte wie die Wasserrrechnung, woraufhin der Anschluss gesperrt wurde. Auf dem Friedhof habe sein Mandant sich daraufin mit Wasser versorgt, schilderte der Anwalt. 

Dass S. Probleme hatte, sei auch der Stadt bekannt gewesen, sagte Aßhauer: Nachdem Nachbarn von einer zunehmenden Verwahrlosung berichtet hätten, sei er auf Veranlassung des Ordnungsamtes 2017 einige Monate lang in einer psychiatrischen Einrichtung behandelt und erst wenige Wochen vor der Tat entlassen worden.

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Quelle: wa.de

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