Razzia nach Brandanschlag - Ermittler sehen kurdischen Hintergrund

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Razzien in elf NRW-Städten nach Brandanschlag in Essen

Essen - Rund drei Monate nach einem Brandanschlag auf ein türkisches Café in Essen hat die Polizei in mehreren nordrhein-westfälischen Städten am Donnerstag 13 Personen festgenommen. Damit sitzen jetzt insgesamt 16 Verdächtige im Alter zwischen 14 und 42 Jahren wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes und der schweren Brandstiftung in Untersuchungshaft, wie die Ermittler am Donnerstag berichteten. 

Alle Festgenommenen haben den Angaben zufolge einen kurdischen Hintergrund. Nach vier weiteren Verdächtigen, die bei einer Razzia am frühen Morgen nicht angetroffen wurden, wird weiter mit Haftbefehl gesucht. Bei dem Anschlag Anfang November war ein Mann leicht verletzt worden. 

Die Ermittler gehen von einer politisch motivierten Tat aus. Die Festgenommenen seien "dem Gedankengut der PKK zugeneigt", sagte Oberstaatsanwältin Anette Milk. Es gebe aber keine Hinweise, dass sie Mitglieder der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK oder einer ihrer Unterorganisationen sind. 

Der Generalbundesanwalt sei über die Ermittlungen unterrichtet worden, habe aber seine Zuständigkeit verneint. Bei dem Anschlag Anfang November waren Molotowcocktails durch die Fenster eines türkischen Cafés geworfen worden. Ein Mann in dem Lokal erlitt leichte Verletzungen. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt sieben Menschen in dem Café. Drei Männer waren bereits kurz nach der Tat festgenommen worden. 

Ob alle 20 Verdächtigen unmittelbar an dem Anschlag beteiligt waren, ist nach Angaben von Milk noch nicht abschließend geklärt. Durchsuchungen hatte es am frühen Donnerstagmorgen unter anderem in Köln, Dortmund, Bochum, Duisburg und Essen gegeben. Dabei wurden zehn weitere Personen in Gewahrsam genommen. Auch sie seien Beschuldigte in dem Fall, sagte Milk. Es gebe aber keine Haftbefehle. 

Zu den Festgenommenen machten Polizei und Staatsanwaltschaft aus Ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Angaben. Nicht alle Festgenommenen seien Männer und männliche Jugendliche, teilten sie lediglich mit. Weitere Erkenntnisse erwarten die Ermittler durch die Auswertung von Datenträgern, die sie bei der Razzia beschlagnahmt haben. Sympathisanten der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und nationalistisch gesinnte Türken sind auch in Deutschland wegen des Konflikts in der Türkei verfeindet. Die PKK - die für ein unabhängiges Kurdistan oder zumindest ein autonomes Kurdengebiet kämpft - verübt regelmäßig schwere Anschläge in der Türkei. 

Die islamisch-konservative AKP-Regierung geht militärisch gegen die PKK vor und wirft Deutschland vor, PKK-Anhängern Zuflucht zu gewähren. - dpa

Quelle: wa.de

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