Verleihung in Aachen

Ritter 2017: "Orden wider den tierischen Ernst" an Gregor Gysi

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Aachen - Zum ersten Mal wird ein Linken-Politiker wider den tierischen Ernst ausgezeichnet. Für Gregor Gysi ist es mehr als nur ein Karnevalsorden. Aber Laudator Söder kann nicht kommen.

Wahrscheinlich wäre Markus Söder (CSU) wirklich gerne nach Aachen gekommen zu einer historischen Verleihung in der Geschichte des Aachener Karnevalsvereins: Mit Gregor Gysi hat der erste Linken-Politiker den Karnevalsorden wider den tierischen Ernst bekommen. 

Verpasst hat der bayerische Finanzminister und Vorjahresritter Söder auch die Gesangs-Einlage von FDP-Chef und Ritter Christian Lindner (2014): "Hurra wir leben noch" trägt er frei nach Chanson-Sängerin Milva vor - nicht ganz tongenau, aber durchaus mutig.

Gregor Gysi steigt als Gysi in die Bütt, ohne Verkleidung, im schwarzen Anzug. Es setzt der Gysi-Effekt ein: Die Leute im Saal hören ihm zu. Das Dauermurmeln verstummt. Eine staatliche Auszeichnungen habe er nie bekommen. Für ihn sei der Orden wider den tierischen Ernst die "wichtigste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland", sagt er. Das wollen die Aachener hören.

Für den Aachener Oberbürgermeister, CDU-Mann Marcel Philipp, hat Gysi einen guten Rat parat: "Da niemand weiß, wie die Wahl 2017 ausgeht - es kann ja alles kommen - empfehle ich Ihnen dringend, sich jetzt so intensiv wie möglich um Würselen zu kümmern. Es könnte sich sehr bezahlt machen", sagt Gysi. Den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz muss er erst gar nicht erwähnen.

Das Plädoyer für den Erhalt Europas und für den Stopp der Rechtspopulisten hätte der Vorsitzende der europäischen Linken so auch auf politischer Bühne halten können. Egal, die Leute hören ihm zu - auch als er nachdenklich wird.

1990 hätte man ihn für verrückt erklärt, wenn er jemandem gesagt hätte, dass er einmal diesen Orden bekommen würde, sagt Gysi. Dass er ihn jetzt habe, sei Ausdruck einer beachtlichen Veränderung. "Es hat mich lange und harte Arbeit gekostet. Wir alle haben uns verändert und ein bisschen zueinander gefunden. Das war nicht so leicht. Aber ich bin ein bisschen stolz darauf, es geschafft zu haben."

Es ist so etwas wie ein Gesetz, dass der Vorjahresritter die Laudatio halten muss. Söder saß bei der Entscheidung gegen Aachen offensichtlich in der Klemme, wie er in seiner Video-Botschaft mit Seppelhut auf dem Kopf deutlich macht. Der CSU-Ball in Nürnberg und Gregor Gysi seien eben unvereinbar, bedauert Söder.

Ohnehin sei die Laudatio auf den neuen Ordensritter eine etwas heikle Angelegenheit: "Also was kann ich da sagen, ohne gleichzeitig da Ärger zu kriegen mit meinem Bundesland und der CSU. Sie wissen ja, Horst Seehofer ist da bei mir nicht so nachgiebig." Galaxien lägen zwischen Berlin und Bayern.

Aber das Ende seiner Botschaft ist versöhnlich. Er und Gysi seien Steinbock, könnten umarmen und aushalten. "Das haben wir beide bewiesen, er mit (dem ehemaligen Linken-Chef Oskar) Lafontaine, ich arbeite bei (CSU-Chef) Horst Seehofer noch dran." - dpa

Quelle: wa.de

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