Schäden in Lippetal und Lippstadt

Scheune nach Tornado nur noch ein Trümmerfeld

[Update 19.37 Uhr] Lippetal - Umgeknickte Bäume, abgedeckte Dächer und eine zerstörte Scheune - beachtliche Verwüstungen hat Dienstagmittag offenbar ein Tornado in Lippetal angerichtet.

Um 11.23 Uhr befand sich Gertrud Kohlhage (74) Dienstagmittag in ihrer Küche. Wegen einer Knie-Operation fuhr sie im Rollstuhl. Plötzliche Windgeräusche ließen sie aus dem Fenster blicken. Sie erschrak: „Ich dachte, mir fliegen die Bäume entgegen und die Fenster kommen rein“, schildert die Schonebergerin. 

Dann flüchtete sie und suchte Schutz in der fensterlosen Deele des Bauernhauses. Draußen habe sie ein mächtiges Donnern, ein tiefes Grollen gehört. Ihr Mann Friedrich (74) sei aus dem Badezimmer gekommen. Was kann das nur sein?

Erst wackelt ein Holzstoß, dann stürzt die Pappel um 

Es war offenbar ein Tornado, der über den Ostkreis Soest hinwegfegte. Die ersten, die die mächtige Windhose beobachteten, waren Hanna Farwick (84) und Vera Schütte vom Löttenkamp in Hovestadt. Hanna Farwick sagt, sie habe nach Süden aus dem Küchenfenster geschaut und gesehen, wie alles Laub vom Boden in einem Schlauch in die Höhe gesogen wurde. 

Tornado im Lippetal

Dann begann der Holzstoß an nahegelegenen Feld zu wackeln, eine Plane hob sich ab. Die daneben stehende Spitzappel begann zu wanken. Dann sei sie nach Süden auf das Feld gestürzt. Der morsche alte Stamm des Jahrzehnte alten Baumes vermochte den Kräften der Natur nicht standzuhalten.

Gepackt, geschüttelt, angehoben

Der Wirbelsturm zog indessen weiter gen Osten. Unterwegs sog er Dachziegel von den Häusern und brach Äste und ganze Bäume ab. Und dann näherte er sich dem Frischenweg in der Schoneberger Heide, wo Gertrud Kohlhage noch ahnungslos in der Küche weilte. Ein paar Minuten später war die Scheune dem Erdboden gleich gemacht. Die massive Scheune mit rund 400 Quadratmetern Grundfläche wurde von dem Tornado gepackt, geschüttelt, angehoben und fallen gelassen...

Danach blieb nur noch ein unsortiertes Trümmerfeld aus Wänden, Ziegeln und Dachbalken übrig. Der 25 Jahre alte silberne Volvo von Gertrud Kohlhage wurde vor der Scheune noch schwer beschädigt, ein Wohnmobil, das daneben stand sowie der grüne Toyota ihres Mannes blieben heil. 

„Ich bin vor allem froh, dass niemand verletzt wurde“, sagt Gertrud Kohlhage Stunden später, nachdem sie sich von dem Schreck erholt hat. Ihr Mann schätze den Schaden auf rund 200.000 Euro, denn es waren noch ein Boot und Maschinen in der Scheune untergestellt gewesen. Ein kleines Wunder auch, dass das Wohnhaus nahezu unbeschädigt blieb.

Der Tornado bleibt lange Zeit unbemerkt

Der Tornado übrigens blieb, von den wenigen Augenzeugen abgesehen, lange Zeit unbemerkt. Nachdem Vera Schütte den Anzeiger informiert hatte und wir vor Ort den Schaden recherchiert hatten, informierten sich Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und Bürgermeister auf Soester-Anzeiger.de  über die Windhose. Da kein Personenschaden vorlag und keine Verkehrswege behindert wurden, kam offenbar niemand auf die Idee, sich Hilfe zu holen. 

Schäden auch in Lippstadt

Auch in Lippstadt wurden Schäden registriert. Die Windhose deckte bei einem metallverarbeitenden Betrieb im Lippstädter Gewerbegebiet am Wasserturm das Dach einer 500 Quadratmeter großen Halle ab und sorgte für einen Schaden im sechsstelligen Bereich. Glück im Unglück: Es gab keine Verletzten.

„Ich gehe davon aus, dass es eine Windhose war – und damit eines jener Wetter-Phänomene, die jetzt immer häufiger auch bei uns auftreten“, erklärte Feuerwehr-Einsatzleiter Christian Meyer noch vor Ort. Die hauptamtliche Wachbereitschaft war um Viertel vor zwölf alarmiert worden und mit zehn Beamten sowie drei Fahrzeugen ausgerückt. 

Viel ausrichten konnten sie hingegen gar nicht mehr: Die Lagerhalle wurde stromlos geschaltet, und über die ausgefahrene Drehleiter entfernten die Einsatzkräfte lose Trümmerteile im Bereich des Dachs – wobei kurz darauf eine Alarmgruppe des ersten Löschzugs ebenfalls ins Gewerbegebiet ausrückte, um einen Baum, der auf ein parkendes Auto gestürzt war, beiseite zu heben.

Tornados kommen hierzulande immer wieder vor. Zuletzt wütete ein Wirbelsturm am Möhnesee und hob ein Boot aus dem Wasser. Auch Welver-Illingen und Herzfeld wurden schon von Stürmen dieser Art heimgesucht. Zum Glück blieb es bislang bei Sachschäden.

Quelle: wa.de

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